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Deutschland / Welt Dutzende Tote bei Bombenanschlag
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15:00 14.04.2014
In Nigerias Hauptstadt Abuja kamen laut Augenzeugenberichten über 200 Menschen bei einem Bombenanschlag am Bahnhof ums Leben. Quelle: dpa/Archiv
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Abuja

Bereits am Sonntagmorgen gab es bei einem Angriff mutmaßlicher Islamisten auf Dorfbewohner im Nordosten des Landes mindestens 60 Tote.
Der belebte Busbahnhof liegt im Vorort Nyanya, rund fünf Kilometer vom Zentrum Abujas entfernt. Als die Sprengsätze gegen 06.45 Uhr explodierten, hielten sich unzählige Menschen dort auf, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Viele Nigerianer arbeiten in der Hauptstadt, können sich aber die hohen Mieten dort nicht leisten.

Durch die Anschläge wurden rund 30 Fahrzeuge zerstört, vor allem Busse. Überall lagen Leichenteile und Habseligkeiten der Opfer verteilt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah ein tiefes Loch, das durch die Wucht der Explosionen in den Boden gerissen wurde. Mindestens 71 Menschen wurden getötet und 124 weitere verletzt.

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Der Leiter der Rettungskräfte beim nationalen Krisenmanagement (NEMA), Charles Otegbade, sagte, eine Explosion sei von einem Fahrzeug auf dem Busbahnhof ausgegangen. Der Hintergrund der Anschläge blieb aber zunächst unklar. Auch übernahm vorerst niemand die Verantwortung für die Gewalt, obgleich der Verdacht auf die islamistische Gruppierung Boko Haram fiel, die in der Vergangenheit schon zahlreiche Anschläge in Abuja und in anderen Städten verübte. Große Menschenansammlungen zählen zu den Zielen der Gruppe.

Präsident Goodluck Jonathan eilte zum Anschlagsort und versprach dort, Boko Haram zu „besiegen“. „Wir haben viele Menschen verloren“, sagte er in Nyanya. Das Phänomen Boko Haram sei eine „üble Seite der Geschichte“ Nigerias, aber ein vorübergehendes Problem. „Wir werden das überwinden.“ Der Staatschef wurde in der Vergangenheit immer wieder für seine Schwäche im Umgang mit den Islamisten kritisiert. Allein in diesem Jahr wurden durch Gewalt im Zusammenhang mit Boko-Haram-Angriffen schon mehr als 1500 Menschen getötet.

Erst am Sonntag starben bei einem Angriff im Nordosten mindestens 60 Menschen. Bei den Angreifern handle es sich „ohne Zweifel“ um Mitglieder von Boko Haram, sagte ein Behördenverteter. Mit Geländewagen, Motorrädern und zwei gepanzerten Fahrzeugen stürmten sie demnach in die Ortschaft Amchaka und benachbarte Dörfer im Bundestaat Borno nahe der Grenze zu Kamerun. Dort hätten sie Sprengsätze in Häuser geschleudert und dann wahllos auf fliehende Dorfbewohner geschossen.

Boko Haram kämpft seit Jahren im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Staat und verübt regelmäßig Anschläge auf Christen sowie auf Armee, Polizei und Behörden.

dpa/afp

Terror im Norden Nigerias

Islamisten terrorisieren seit Jahren den Norden Nigerias. Bei Anschlägen - wie jetzt in der Hauptstadt Abuja - wurden schon Tausende Menschen getötet. Die meisten Angriffe werden der Gruppe Boko Haram zugeschrieben. Anschläge der vergangenen Wochen:

3. April 2014: In der Provinz Zamfara fallen islamistische Kämpfer auf rund 50 Motorrädern in zwei Dörfer ein und töten insgesamt mindestens 22 Menschen. Mehr als 50 Häuser werden dem Erdboden gleichgemacht.

25. März: Selbstmordattentäter fahren in der Stadt Maiduguri ein mit Sprengstoff beladenes Auto in eine Polizeipatrouille und reißen acht Menschen mit in den Tod.

23. März: Mindestens 17 Menschen werden bei einem Bombenanschlag im Bundesstaat Borno getötet. Unbekannte schleuderten laut Polizei eine Granate in einen Fischmarkt. Auch in diesem Fall verdächtigen die Behörden die Boko Haram als Urheber.

3. März: Terroristen greifen ein Dorf nahe der Stadt Maiduguri mit Maschinengewehren, Sprengstoff und Raketenwerfern an. Mehr als 80 Menschen werden getötet.

1. März: In Maiduguri explodieren zwei Autobomben, die 52 Menschen in den Tod reißen. Die meisten Opfer sind Fußballfans, die eine öffentliche Fernsehübertragung verfolgten. Am selben Abend überfallen Berichten zufolge Kämpfer der Boko Haram das Dorf Mainok, töten 39 Bewohner und zerstören die gesamte Siedlung.

25. Februar: Etwa 50 Bewaffnete stürmen einen Schulkomplex in Buni Yadi im Bundesstaat Yobe und töten 43 Menschen. Vielen der meist jugendlichen Opfer schneiden die Angreifer die Kehlen durch, um nicht durch Schüsse aufzufallen. Das zu dem Schulkomplex gehörende Internat setzen sie in Brand, während die 11 bis 18 Jahre alten Schüler schlafen.

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