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Deutschland / Welt E-Roller im Ausland: Wie werden sie außerhalb von Deutschland genutzt?
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13:41 15.06.2019
Ein Mann fährt auf einem E-Tretroller über einen Fußgängerüberweg in Brüssel: E-Scooter sind in vielen europäischen Metropolen schon im Einsatz. Quelle: BELGA
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Tel Aviv, Paris

Am Freitag stimmt der Bundesrat über die Zulassung von E-Rollern im Straßenverkehr ab. Doch es gibt viele Befürchtungen unter Experten. Sind die Gefährte sicher? Sind sie ökologisch? Ein Blick ins Ausland, wo die Scooter bereits zu Tausenden durch die Metropolen fahren.

„Straßenkrieg“ in Paris

Anarchische Zustände auf den Straßen von Paris sind nichts Neues: Radfahrer missachten regelmäßig Ampeln, Fußgänger tun das sowieso. Seit Sommer 2018 nimmt an diesem „Straßenkrieg“ in der französischen Hauptstadt eine neue Kategorie argloser Einzelkämpfer teil: die Nutzer von elektrisch angetriebenen Rollern.

Diese sind weltweit auf dem Vormarsch, doch glaubt man Jocelyn Loumeto von der französischen Berufsvereinigung für Mikromobilität FP2M, dann haben sie sich nirgendwo so rasant ausgebreitet wie in Paris, seit das erste Unternehmen im vergangenen Sommer begann, die neuen E-Scooter aufzustellen. „Ganz allgemein ist Frankreich der größte Markt für Mikromobilität“, sagt er. Die Hauptstadt, eine der dichtesten Metropolen Europas, sei für die Anbieter besonders interessant.

Einzelkämpfer im dichten Verkehr: E-Scooter in Paris. Quelle: AP Photo/Michel Euler

Darüber hinaus unterstützt das Rathaus alternative Fortbewegungsmittel zum Auto auf vielen Wegen, etwa durch die Sperrung der Seine-Ufer für den Autoverkehr.

Inzwischen gibt es zehn konkurrierende Anbieter für Mietroller in Paris. Das Ausleihen kostet bei den meisten einen Euro, jede Minute dann 15 Cent. Darüber hinaus wurden in ganz Frankreich im vergangenen Jahr 232 749 E-Roller für den Eigenbedarf gekauft – ein Plus von 129 Prozent gegenüber 2017. Allerdings sind auch die Unfälle mit Rollern deutlich angestiegen.

Bis September will Transportministerin Élisabeth Borne daher die Nutzung von Elektrorollern gesetzlich einschränken. Wer dann verbotenerweise auf Gehwegen unterwegs ist, soll 135 Euro berappen, beim Überschreiten der ­Geschwindigkeitsbegrenzung von 25 Stundenkilometern werden dem Gesetzentwurf zufolge sogar bis zu 1500 Euro fällig werden.

Alle Fahrgeräte brauchen außerdem funktionierende Bremsen, einen akustischen Alarm sowie Vorder- und Rücklicht.

Tel Aviv – Gadgets für die „Millenial City

Was in Ländern wie Israel längst normaler Alltag ist, soll im nächsten Jahr auch in Deutschland möglich sein: Fahrrad- und E-Rollerfahrer überqueren eine Straße in Tel Aviv. Quelle: picture alliancepicture alliance

Berufsverkehr in Tel Aviv. Entlang des Rothschild-Boulevards schieben sich die Autos. Hupen, Abgase, fluchende Taxifahrer. Auf dem Grünstreifen, der zwischen den beiden Fahrstreifen liegt, hingegen fließt der Verkehr. Lautlos gleiten Menschen in Anzügen auf ihren Elektrorollern und Eltern auf ­E-Bikes mit Nachwuchs im Kindersitz durch die Stadt.

Kaum irgendwo kann man die Gegensätze von „alter“ und „neuer“ Mobilität besser begreifen als in Tel Aviv. Unter allen OECD-Staaten ist Israel mit Abstand das Land mit der höchsten Autodichte – und den schlimmsten Staus. Anders als in anderen Großstädten hört man hier kaum ein kritisches Wort über die neuen schlanken Elektroroller. Aber der dichte Verkehr sei nicht der einzige Grund für den E-Scooter-Hype in Israel, sagt Yaniv Rivlin. Der 37-Jährige ist Chefmanager des E-Scooter-Verleihdienstes Bird, der seit August 2018 in Tel Aviv tätig ist. Jeder dritte Tel Aviver habe schon einen Roller von Bird geliehen, sagt er. „Hier ist fast immer gutes Wetter, die Leute wollen draußen sein. Es ist eine ,Millenial City‘: 60 Prozent der Stadtbewohner sind unter 40 Jahren und hungrig nach neuen Gadgets.“

Israel hat seine Verkehrsgesetze bereits 2016 für die neue Mikromobilität geöffnet. Seitdem sind E-Scooter auf den Straßen erlaubt und dürfen von allen über ­16-Jährigen gefahren werden.

Talia Kelmann benutzt ihren Roller jeden Tag, um zu Kunden zu kommen – oder einfach nur vom Süden der Stadt in den Norden. „Es ist eine große Freiheit, es passt einfach zu Tel Aviv“, sagt die Industriedesignerin. Ab und zu greift auch sie zum Leihroller, nämlich dann, wenn dieser dort, wo sie hinwill, nicht erwünscht ist. Zum Beispiel im Supermarkt oder im Theater. Ein Ersatz für ihren Kleinwagen sei der E-Scooter aber nicht, sagt Kelmann. „Mit einem Roller komme ich nicht lebend über die Autobahn.“

In Manhattan verboten – im Rest der USA ein Schlager

Vom Roller ins Taxi: Scooter in San Francisco. Quelle: iStockphoto

Amerikanische Städte sind allem Augenschein nach noch immer vor allem Autostädte. Der tägliche Verkehrszusammenbruch auf den Freeways der Mega-Stadt Los Angeles, die 12-spurigen Trassen, die mitten durch Houston gehauen wurden, der Stillstand auf dem Times Square in New York – all das spricht eine deutliche Sprache.

Doch selbst in der vielleicht automobilfreundlichsten Nation der Welt regt sich langsam ein Umdenken. Großstädte wie New York, Seattle und San Francisco haben in den vergangenen zehn Jahren massiv in Fahrradinfrastruktur investiert. Bikeshare-Programme wie Citibike in New York waren ein durchschlagender Erfolg – rund 70 000 Menschen benutzen pro Tag das System.

Zum Missmut der tapferen Fahrradpendler ist jedoch eine Mikro-Fortbewegungsart dabei, dem klassischen Zweirad die Schau zu stehlen. Beinahe das komplette Wachstum an nichtautomobilem Nahverkehr im Jahr 2018 ging auf das Konto von E-Scootern. Rund 85 000 dieser Gefährte sind nun in 100 US-Städten von Dallas bis Los Angeles zu mieten. Die Car-Sharing-Riesen Lyft und Uber legten sich Scooter-Sharing-Ableger zu. Der Boom wird zum einen auf den Appetit von Investoren auf neue Transportunternehmen erklärt. Aber die Roller befriedigen auch einen Bedarf. Für Strecken zwischen zwei und drei Kilometern Länge, so Städteplaner Brian Taylor von der University of California, sind die E-Scooter unübertroffen.

Im größten und begehrtesten Markt der USA, in Manhattan, bleiben sie jedoch illegal. Die Straßen, so das Argument, seien ohnehin schon überlastet. In San Francisco sind sie gar nach einem chaotischen Start temporär wieder verschwunden. Da die Mietscooter nicht angedockt waren, wurden die wild abgestellten Roller zum Ärgernis. Nun unternimmt man einen zweiten Versuch eines geordneteren Starts.

Madrid – nach dem Chaos kamen die Regeln

Es musste erst einmal Ordnung geschaffen werden: E-Scooter in Madrid. Quelle: Martin Dahms

So plötzlich, wie sie auftauchten, waren sie wieder verschwunden. Einen Sommer lang waren die Patinetes, wie die kleinen Elektroroller in Spanien genannt werden, der große Hit in Madrid. Aber auch ein großer Aufreger, weswegen die Stadtverwaltung sie Anfang Dezember vergangenen Jahres alle wieder einsammeln ließ. Jetzt kehren sie langsam zurück. In der Zwischenzeit musste erst mal Ordnung geschaffen werden.

Die drei Unternehmen, die im vergangenen Sommer ihre Mietroller über die spanische Hauptstadt verteilten, hatten keine Regeln oder Vorschriften abgewartet. Vor allem junge Leute waren begeistert und kurvten mit den Dingern herum, wo es ihnen passte. Die Folge: Patinetes überall, auf kleinen Straßen und großen, auf Bürgersteigen und Radwegen. Das zweite Ärgernis war das wilde Parken, man hatte das Gefühl, an jeder Ecke über einen dieser Roller zu stolpern. In Esplugues de Llobregat, einer Vorstadt von Barcelona, wurde eine 92-Jährige in der Fußgängerzone von einem Patinete angefahren und starb an den Folgen des Sturzes. Eine Behinderteninitiative organisierte eine Demonstration in Madrid unter dem Protestmotto: „Sie werfen uns aus dem öffentlichen Raum!“

Die Rathäuser übernahmen die Regulierung. In Madrid dürfen die Roller jetzt nur noch auf Radwegen oder in Einbahnstraßen unterwegs sein; Mindestalter für die Miete ist 16; Helm ist nicht Pflicht, wird aber empfohlen; und die Anbieter müssen eine Haftpflichtversicherung für ihre Kunden abschließen.

Im Februar vergab die Stadt Lizenzen für 10 000 Patinetes an 18 Firmen. Zwölf von denen sind jetzt auch wirklich aktiv und haben die Stadt wieder mit Rollern überzogen. Wer einen in der Nähe sucht, sollte sich die Apps aller zwölf Anbieter aufs Telefon geladen haben. Für junge Leute ist das so leicht wie Rollerfahren.

Stockholm – Debatten um Wirtschaftlichkeit und Ökologie

Wie lange hält der Elektromotor? In Stockholm führt der E-Scooter zu kritischen Diskussionen. Quelle: limago images / Horst Rudel

Schon seit September 2018 rollen die E-Roller durch Schwedens Hauptstadt. Rund 2000 sollen es derzeit sein. Mit steigenden Temperaturen soll sich ihre Anzahl zum Sommer verdoppeln. Inzwischen ist in der Stadtpresse gar die Rede von einem „Krieg um die Straßen von Stockholm“. In den Straßen sind neben zahlreichen E-Tretroller-Anbietern auch E-Mopeds und Mietfahrraddienste verwickelt. Zehn Anbieter wetteifern, darunter vier E-Rolleranbieter. Drei bis vier weitere E-Roller Firmen stehen in den Startlöchern.

Dies, obwohl die renommierte Wirtschaftszeitung „Dagens Industri” kürzlich enthüllte, dass die vermeintlich umweltfreundlichen E-Scooter nicht so lange halten, wie erwartet. Schon nach wenigen Wochen gehen sie demnach kaputt, damit sei nicht einmal der Kaufpreis des Rollers wieder hineinzubekommen. Unklar ist auch, wie die kaputten Roller entsorgt werden. „Die Firmen machen mit jedem einzelnen Roller ein Verlustgeschäft“ schreibt die Zeitung unter Berufung auf umfassende brancheninterne Quellen. Aber das ist vielleicht nur eine Kinderkrankheit bei der Produktion. Auch immer mehr Stockholmer mit privat eingekauften E-Rollern sieht man auf den Stockholmer Straßen.

Weil auch Stockholmer Fahrradfahrer neben Fahrradwegen Bürgersteige und Fußgängerzonen ohne viel Gemeckere befahren, sieht man manchmal bedenklich schnell zwischen Fußgängern mit bis zu 20 Stundenkilometern vorbeiflitzende E-Roller. Sie fahren da oft viel schneller als Fahrradfahrer, weil es nicht anstrengend ist.

Im Gegensatz zu den meisten Stockholmer Fahrradfahrern, nutzen E-Rollerfahrer keine Helme, auch wenn sie gern mal mitten auf breiten hochfrequentierten Autostraßen fahren und dort auch noch links abbiegen, weil das schneller geht als auf den seitlichen Fahrradwegen.

Der Umgang mit den E-Rollern ist so ungeregelt, weil sie Fahrrädern gleichgestellt sind. Kritik gibt es eigentlich nur am Parken. Wer einen E-Scooter nutzt kann ihn überall abstellen. Es gibt zudem keine Verkehrsregeln, die Minderjährigen die Nutzung verbieten. Helmpflicht besteht nur für unter 15-jährige.

Von Birgit Holzer, André Anwar, Ann-Kathrin Seidel, Sebastian Moll, Martin Dahms

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