Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt EU beschließt Sicherheitsprüfung für Atomkraftwerke
Nachrichten Politik Deutschland / Welt EU beschließt Sicherheitsprüfung für Atomkraftwerke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 15.03.2011
Günther Oettinger auf dem Treffen mit EU-Energieministern in Brüssel. Quelle: dpa
Anzeige

Als Konsequenz aus dem Atomunglück in Japan unterziehen die EU-Staaten erstmals europaweit Atomkraftwerke einem einheitlichen Sicherheitstest. Darauf einigten sich die EU-Energieminister am Dienstag bei einem Sondertreffen in Brüssel, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Bei diesem „Stresstest“ werde es um die Neubewertung aller Risiken der Anlagen bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser oder auch einem Terrorangriff gehen. „Allgemein anerkannt ist, dass die Sicherheit unteilbar ist“, betonte Oettinger.

In der gesamten EU gibt es 143 AKW, davon 17 in Deutschland. Die meisten Kernkraftwerke hat Frankreich (58). Einen konkreten Termin für die Sicherheitschecks gibt es nach Angaben des Kommissars noch nicht. Sie sollten aber im zweiten Halbjahr stattfinden, sobald sich alle über Umfang und Kriterien einig seien. Unabhängige Experten würden dann Kühlsysteme, aber auch Gefahren durch einen Stromausfall unter die Lupe nehmen.

„Das wird Gegenstand einer umfassenden Sicherheitsprüfung mit gemeinsamen Kriterien der EU sein“, sagte Oettinger. Er werde sich dafür einsetzen, dass alle Ergebnisse veröffentlicht werden. Die EU-Nachbarländer und auch andere Atomkraftstaaten lud der Kommissar dazu ein, sich an den Tests zu beteiligen.

Die Kriterien müssten an das Alter und die Lage jedes einzelnen Atommeilers angepasst werden. „Sie werden in einem Kernkraftwerk, das am Meer gelegen ist, zum Thema Überflutung, Hochwasser und Tsunami tiefergehend prüfen als in einem Kernkraftwerk, das weit über Meereshöhe gelegen ist an einem kleinen regionalem Fluss“, sagte Oettinger. Ältere Anlagen müssten intensiver auf den Prüfstand als die neueste Generation. Die deutsche Entscheidung, Atomkraftwerke kurzfristig abzuschalten, nannte Oettinger „außergewöhnlich“. Sie fände bislang keine Nachahmer in der EU.

Als erstes Land hatte Österreich, das seit Jahren keine Atomenergie mehr nutzt, europaweite Sicherheitstests verlangt. Die EU-Kommission hatte sich ebenfalls dafür eingesetzt. Da sie im Bereich Atompolitik aber lediglich eine koordinierende Funktion hat, kann sie solche Tests nicht vorschreiben, sondern die Mitgliedsstaaten müssen diese beschließen. Bei einem erneuten Sondertreffen in der nächsten Woche werde an den Details gearbeitet, sagte Oettinger.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Nach einer neuen Explosion im Atomkomplex Fukushima Eins ist erstmals eine innere Reaktor-Schutzhülle beschädigt. Auch in Tokio wird erhöhte Radioaktivität gemessen. In Berlin kündigt Kanzlerin Merkel an, sieben alte AKW vorübergehend vom Netz zu nehmen.

15.03.2011

Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg und der südhessische Atommeiler Biblis A werden vom Netz genommen: Angesichts der Katastrophe in Japan ist die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke für drei Monate ausgesetzt worden. Als Folge dieser Entscheidung werden mehrere Anlagen in Kürze abgeschaltet.

14.03.2011

Die längeren Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke sollen nach der Atomkatastrophe in Japan für drei Monate ausgesetzt werden. Das gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Berlin bekannt. Die Kanzlerin kündigte außerdem die Abschaltung alter Atomkraftwerke an, die nur infolge der Laufzeitverlängerung am Netz geblieben sind.

14.03.2011

Die internationale Gemeinschaft hat sich auch am Dienstag nicht auf eine Flugverbotszone in Libyen einigen können. Die Truppen Gaddafis drängen derweil die Aufständischen mit Luftangriffen zurück. Der Diktator gibt sich siegessicher und schimpft auf den Westen.

15.03.2011

Das Landesverfassungsgericht in Münster hat Rot-Grün in NRW gebremst: Die hohe Neuverschuldung im Jahr 2010 war rechtswidrig, der Nachtragshaushalt ist nichtig. Das Schwarze-Peter-Spiel um Neuwahlen geht weiter.

15.03.2011

Bei neuen Protesten ist es am Dienstag in Bahrain wieder zu Gewalt gekommen. Es herrscht der Ausnahmezustand - für drei Monate. Die Soldaten aus den arabischen Nachbarländern sollten für Ruhe sorgen. Doch jetzt geschieht genau das Gegenteil. Die Opposition fühlt sich von den ausländischen Truppen bedroht.

15.03.2011