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Deutschland / Welt Eichmann, Speer und „Göbbels“: Sonneborns „Partei“ provoziert mit irrer Wahlliste
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Eichmann, Speer und „Göbbels“: Sonneborns „Partei“ provoziert mit irrer Wahlliste
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20:57 12.04.2019
Martin Sonneborn (rechts) und der Kabarettist Nico Semsrott werben für „Die Partei“ (Archivbild). Quelle: picture alliance/dpa
Hannover

Mitarbeiter einer Druckerei in Südniedersachsen trauten dieser Tage ihren Augen nicht. Als sie die gerade im Behördenauftrag hergestellten Wahlzettel für die Europawahl am 26. Mai prüften, stießen sie bei Liste 10 auf lauter Namen von Nazi-Größen. Für „Die Partei“ von Martin Sonneborn kandidieren unter anderem Eichmann, Bormann, Speer und „Göbbels“.

Es handelt sich um real existierende Bürger, ausgewählt wegen ihres Namens – eine Liste für Freunde des schwarzen Humors.

So erklärt Martin Sonneborn den Sinn der Sache

Den Sinn der Sache erklärte Sonneborn im vorigen September einem – allerdings kleinen – Kreis von Interessenten: Er wolle damit der AfD das Wasser abgraben. „Stauffenberg haben wir rausgelassen, weil er in Teilen der AfD als Verräter gilt”, witzelte Sonneborn. Was ist das? Gelungene Satire in Zeiten rechter Aufwallungen? Oder eine schlichte Geschmacklosigkeit?

So sieht der Wahlzettel von „Die Partei“ aus. Quelle: RND

Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), dreht den Daumen nach unten: Eine armselige Aktion sei das, urteilte der Liberale – bei allem Verständnis für satirische Ansätze. „Sonneborn will die Provokation, er will das Missverständnis“, sagte Lambsdorff dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Was wir hier erleben, ist eine Hakenkreuzschmiererei auf dem Wahlzettel.“

Sonneborn seit 2014 im EU-Parlament

Ähnlich sieht es Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein und Sprecherin des Jüdischen Forums der Bundes-CDU. „Freie Wahlen sind kein Spaß, sondern ein hart erkämpftes Recht, um das uns viele Menschen auf der Welt beneiden“, sagt Prien. Wer agiere wie Sonneborn, erweise der Demokratie einen Bärendienst. „Zu behaupten man wolle so Rechtspopulisten bekämpfen, ist entweder naiv, gelogen oder zumindest wenig intelligent.“

Sonneborn gehört bereits seit dem Jahr 2014 dem Europaparlament an. Hinter ihm auf Platz zwei der Liste steht diesmal der Kabarettist Nico Semsrott; er ist aus der ZDF-Satiresendung „heute-show“ bekannt.

Beide Satiriker hatten erklärt, sie hofften durch Rückgriff auf Nazi-Namen auf der Liste, eventuell auch „verwirrte CSU-Leute“ oder „demente CDU-Wähler“ zu einem Kreuz bei ihrer „Partei“ verleiten zu können.

Lesen Sie hier:
Martin Sonneborn narrt Björn Höcke

Von Matthias Koch/RND

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