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Deutschland / Welt Erste Mitglieder im Steinbrück-Wahlkampfteam stehen fest
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erste Mitglieder im Steinbrück-Wahlkampfteam stehen fest
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18:03 13.05.2013
Foto: Von rechts: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in der SPD-Zentrale in Berlin Gesche Joost, Thomas Oppermann und Klaus Wiesehügel als drei Mitglieder seines Kompetenzteams vor.
Von rechts: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in der SPD-Zentrale in Berlin Gesche Joost, Thomas Oppermann und Klaus Wiesehügel als drei Mitglieder seines Kompetenzteams vor. Quelle: dpa
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Berlin

Gesche Joost muss erst mal tief Luft holen. „Wow, die Hütte ist ja voll“, sagt sie im Atrium des Willy-Brandt-Hauses. Sie kenne so etwas ja selbst nur aus dem Fernsehen. Gerade hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück betont, dass die SPD nur dann Wahlen gewonnen habe, «wenn es ihr gelungen ist, ein breites Spektrum an Wählerinnen und Wählern anzusprechen». Die Design-Professorin Joost soll die jungen Frauen und die Internetgemeinde für die SPD gewinnen.

Eigentlich sei der Termin ja erst für Dienstag geplant gewesen, lässt Steinbrücks Sprecher zu Beginn der Kandidaten-Show wissen. Doch dann sickerten am Freitag die ersten drei Personalien für das Kompetenzteam durch. Der in Warschau weilende Steinbrück sah sich genötigt, eine Pressemitteilung mit der Bestätigung zu verschicken.

 IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel in der Partei nicht unumstritten

Neben Joost, die Maßnahmen gegen das Mobbing im Internet als eines ihrer Ziele nennt und sich mehr Schutz von Jugendlichen beim Einstieg in die Online-Welt wünscht, stellt Steinbrück auch Thomas Oppermann vor. Er preist den Ministerkandidaten für die Bereiche Innen und Recht als „exzellenten Manager“ der Bundestagsfraktion. Dort ist er Parlamentarischer Geschäftsführer. Ein Polit-Profi also, und eine politisch eher unerfahrene Professorin, die vor allem die junge Wählerschaft ansprechen kann.

Aber Steinbrück braucht auch jemanden für die klassische SPD-Zielgruppe, die Arbeitnehmerschaft. Und dafür hat er jemanden gefunden, der in der Partei nicht unumstritten ist: IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel, den Steinbrück einen „Gewerkschafter aus altem Schrot und Korn“ nennt. Einen, der für die notwendige Wasserverdrängung sorgen könne. Und er erinnert an Georg Leber, der von 1966 bis 1978, Verkehrs-, Post- und Verteidigungsminister war. Wie Wiesehügel war Leber zuvor Chef der IG BAU. Wiesehügel, der die Gewerkschaft seit 1995 führt, setzt nun alles auf einen rot-grünen Wahlsieg und will daher im September sein IG-BAU-Amt aufgeben.

Risiko für SPD und Steinbrück

„Hopp oder top“, sagt er. In den letzten Tagen hat er schon einiges einstecken müssen. Als „zu alt, zu bullerig, und nicht geeignet für neue Ideen“ habe man ihn bezeichnet, sagt Wiesehügel selbst. Trotzdem will er es wissen und setzt alles auf die Karte SPD. Der wortgewaltige Mann mit dem Vollbart geht damit nicht nur ein persönliches Risiko ein. Er gilt auch als Risiko für die SPD und Steinbrück.

Der 60-Jährige, der vor zehn Jahren zu den schärfsten Kritikern der Agenda-2010-Reformen von Kanzler Gerhard Schröder zählte, könnte Wähler der Mitte vergraulen. Gerade wenn er sich nicht zähmen lässt und die Rente mit 67 weiter geißelt. Und auch parteiintern könnte es Reibereien geben. Steinbrück gestand ihm am Montag überraschend den ersten Zugriff auf das Amt des Arbeitsministers bei einem Wahlsieg der SPD zu. Nach bisheriger Lesart in der SPD war dieser Erstzugriff eigentlich für Generalsekretärin Andrea Nahles vorgesehen.

Glaubwürdigkeit für Arbeitsmarktreformen fehlt

Wiesehügels Berufung könnte sich aber auch als kluger Schachzug erweisen. Denn bisher fehlt dem Kanzlerkandidaten im linken Lager und bei den Gewerkschaften die Glaubwürdigkeit, wenn es darum geht, moderate Reparaturen an den Arbeitsmarktreformen Schröders durchzusetzen. Um ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhindern, hat die Partei im Wahlprogramm einen Mindestlohn von 8,50 Euro und gleiche Bezahlung für Leiharbeiter und Festangestellte festgezurrt. Somit ist Wiesehügels Berufung auch kein Widerspruch zu Steinbrücks Positionen.

Zwei weitere Vorstellungsrunden sollen noch folgen, zu 80 bis 90 Prozent stehe das Team, sagt Steinbrück. Es sollen zehn bis zwölf Leute werden. Aus Steinbrücks Umfeld werden weitere Überraschungen in Aussicht gestellt - letztlich ist man froh ob der Spekulationen, da sie das Interesse hochhalten. Die nächste Präsentation soll am 27. Mai stattfinden - wenn nicht vorher wieder Namen durchsickern. „Ich freue mich, dass - bisher jedenfalls - einige von Ihnen trotz ihrer Findigkeit nicht auf die Namen gekommen sind, die ich Ihnen das zweite und dritte Mal vorstellen werde“, sagt Steinbrück zu den Journalisten im Saal.

Steinbrück hatte die Vorstellung eigentlich für Dienstag vorgesehen. Ein Medienbericht durchkreuzte die Planung und führte zur vorzeitigen Veröffentlichung der Namen am Freitag. Insgesamt sollen dem „Kompetenzteam“ zehn bis zwölf Persönlichkeiten angehören. Die nächsten Namen will Steinbrück in zwei Wochen bekanntgeben. Einen dritten Termin soll es kurz danach geben.

dpa