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Deutschland / Welt Erstmals wandern mehr Menschen in den Osten ein als aus
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Erstmals wandern mehr Menschen in den Osten ein als aus
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10:07 31.01.2019
2017 zog es mehr Menschen vom Westen in den Osten als andersrum. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn
Wiesbaden

Das Bundesamt für Bevölkerungsforschung (BiB) wartete am Mittwoch mit einer interessanten Neuigkeit und einer entsprechenden Grafik auf. Nach Berechnungen des BiB verzeichneten die fünf ostdeutschen Bundesländer ohne Berlin demnach für das Jahr 2017 einen Wanderungsgewinn von rund 4000 Menschen.

Beziehe man Berlin in die Berechnung mit ein, ergebe sich sogar ein Überschuss von 13000 Personen. „Damit ist die lange anhaltende Tendenz der Ost-West-Wanderung gestoppt“, so die Behörde. In den 26 Jahren davor hätten die ostdeutschen Flächenländer nämlich insgesamt mehr als 1,2 Millionen Bürger durch Wegzüge an den Westen verloren.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), reagierte erfreut. „Das zeigt, dass der Osten anderen Regionen in Sachen Attraktivität nicht nachsteht“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Lebensbedingungen sind insgesamt hervorragend, es gibt gute Arbeitsplätze, steigende Löhne und die beste Kinderbetreuung Deutschlands.“

Es gebe also jede Menge Gründe für die neuen Länder. Hirte fügte hinzu: „Insofern setze ich darauf, dass sich dieser Trend auch weiter fortsetzt.“ Zwar gebe es unverändert Herausforderungen. Doch insgesamt bestehe kein Grund, „immer nur in Moll-Tonarten über den Osten zu reden“.

Kretschmer: „Herzlich Willkommen“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte dem RND mit Blick auf die Westdeutschen: „Herzlich Willkommen.“ Dann fuhr er fort: „Im Osten geht die Sonne zuerst auf. Und hier ist für kreative Menschen sehr viel möglich.“

Schaut man die Grafik genauer an, so hat sie eine Licht- und eine Schattenseite. Positiv vermerkt das BiB mit Recht den kontinuierlichen Rückgang der Abwanderung aus dem Osten, die seit 1989 aus der ökonomischen Krise Ostdeutschlands resultierte. In den 1990er-Jahren lagen die Arbeitslosenquoten dort nominal bei 25 Prozent und real bei 50 Prozent.

Der damalige Arbeitsamtsdirektor von Wittenberg und heutige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU), pflegte zu sagen, dass 80 Prozent der Bevölkerung Kontakt zu seiner Behörde hätten. Umgekehrt zogen viele Westdeutsche in die andere Richtung, weil sie dort ihrerseits Chancen bei der Implantierung des westdeutschen Systems sahen: in Politik, Verwaltung, Justiz, Wirtschaft und Wissenschaft. Eine Folge ist, dass sie in den Eliten des Ostens vielfach noch heute dominieren.

Die Jungen gehen immer noch

Beides ist vorbei. Verließen dem BiB zufolge 2001 noch rund 191000 Menschen Ostdeutschland in Richtung Westen, so waren es im Jahr 2017 nur noch weniger als 90000. Wanderungsverluste haben die ostdeutschen Flächenländer demnach nach wie vor bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren. Zudem gebe es erhebliche regionale Unterschiede, heißt es: Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gewinnen. Sachsen-Anhalt und Thüringen verlieren.

Offenkundig ist abgesehen vom Fortgehen der Jungen, dass die Wanderungen von West nach Ost ebenso zurückgehen wie die Wanderungen in die umgekehrte Richtung. Die Rekordarbeitslosigkeit im Osten ist vorüber. Die Implantierung des westdeutschen Systems allerdings auch.

Von Markus Decker/RND

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