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Deutschland / Welt Europaweite Razzia bei "Werwolf-Kommando"
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Europaweite Razzia bei "Werwolf-Kommando"
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21:03 17.07.2013
Die durchsuchten Wohnungen in Niedersachsen sollen von Denny R. genutzt worden sein. Dieser gehört zu einer Neonazi-Gruppierung, die unter dem Namen "Weiße Wölfe Terrorcrew" auftritt.
Die durchsuchten Wohnungen in Niedersachsen sollen von Denny R. genutzt worden sein. Dieser gehört zu einer Neonazi-Gruppierung, die unter dem Namen "Weiße Wölfe Terrorcrew" auftritt. Quelle: Recherche Nord
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Die Bundesanwaltschaft hat offenbar die Gründung eines neuen rechtsextremen Terrornetzwerks nach dem Vorbild des NSU verhindert. Ermittler durchsuchten am Mittwoch Wohnungen und Geschäftsräume von sechs Neonazis – auch in der Region Hannover und in Niedersachsen. Außerdem beschlagnahmten die Ermittler Computer und Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern, der Schweiz und in den Niederlanden.

Laut Bundesanwaltschaft werden die sechs Beschuldigten verdächtigt, das rechtsextremistische „Werwolf-Kommando“ gegründet zu haben. Ihr Ziel: Anschläge in Deutschland.

Nach Informationen der HAZ rückten die Ermittler am Morgen in Burgwedel und in Buchholz in der Nordheide im Kreis Harburg an. Bei den Beschuldigten aus Niedersachsen handelt es sich um die einschlägig bekannten Rechtsextremisten Denny R. und Heiko W. Denny R., der in Buchholz wohnt, ist Kopf der rechtsextremen Kameradschaft AG Nordheide. Heiko W. wohnt in Mecklenburg-Vorpommern. Offenbar hat er aber einen Zweitwohnsitz in Großburgwedel, der am Mittwoch durchsucht wurde. Festnahmen soll es nicht gegeben haben.

Der Name des Terrornetzwerks bezieht sich auf die „Werwolf“-Taktik der Nationalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit Anschlägen und Sabotageakten sollten Guerilla-Einheiten den Untergang des Regimes verhindern. Laut Bundesanwaltschaft hatten die sechs Rechtsextremisten im „Werwolf-Kommando“ das Ziel, „das politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen“. Es bestehe der Verdacht, „dass sie zu diesem Zweck terroristische Gewalttaten verüben wollten“.

Hinweise auf konkrete Anschlagspläne gibt es bisher offenbar aber nicht. Schwierigkeiten bereitet den Ermittlern, dass das Netzwerk seine Kommunikation über ein selbst entwickeltes Computerprogramm verschlüsselt hat. So konnten die Verdächtigen „konspirativ kommunizieren“, wie die Bundesanwaltschaft betonte.

Kopf des verhinderten Terrornetzwerkes sollen zwei Schweizer Rechtsextremisten sein: Robert S. und Sebastien N. , der im vergangenen Jahr nach 48-stündiger Flucht in Hamburg festgenommen worden war. Er hatte zuvor in Zürich einen jungen Mann niedergeschossen und sitzt in Haft. Seine Zelle wurde am Mittwoch durchsucht.

Auffällig ist die Verbindung zwischen dem „Werwolf-Kommando“ und einer vor allem in Hamburg und Nordniedersachsen aktiven Gruppe namens „Weiße Wölfe Terrorcrew“. Zum Teil gibt es personelle Überschneidungen zwischen Kommando und „Terrorcrew“.

Von Tobias Morchner 
und Karl Doeleke

Alexander Dahl 17.07.2013