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Deutschland / Welt Ex-Waffenlobbyist Schreiber bestreitet alle Vorwürfe
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14:10 04.08.2009
Ex-Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber Quelle: Oliver Lang/ddp
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Die Augsburger Ermittler werfen Schreiber Bestechung und Steuerhinterziehung sowie Beihilfe zu Untreue und Betrug vor.

Der Vorsitzende der Wirtschaftsstrafkammer, vor der sich Schreiber in einigen Monaten wird verantworten müssen, Rudolf Weigell, ordnete an, dass der 75-Jährige in Haft bleiben muss. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr, befand das Gericht und folgte damit dem Ansinnen von Nemetz.

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Schreibers Verteidiger hatte eine Kaution in beliebiger Höhe angeboten, falls sein Mandant freigelassen werde. Doch dem Gericht war das trotz angebotener täglicher Meldepflicht zu riskant. Schließlich hatte sich Schreiber, der als Schlüsselfigur in der CDU-Spendenaffäre der 90er Jahre gilt, in Kanada zehn Jahre lang mit allen nur denkbaren juristischen Finten gegen seine Auslieferung nach Deutschland gewehrt.

Oberstaatsanwalt Nemetz jedenfalls hätte im Falle einer Freilassung Schreibers auf Kaution nicht beruhigt in seinen Südamerika-Urlaub fliegen können, wenn er wüsste, dass Schreiber frei herumliefe. So wurde der ehemalige Duzfreund des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß am Dienstagmittag in einem vergitterten Transporter zurück in die Augsburger Justizvollzugsanstalt gebracht. Als das Fahrzeug an einer roten Ampel kurz halten musste, winkte Schreiber einem ddp-Fotografen noch freundlich zu.

Das erste Aufeinandertreffen der jahrelangen Kontrahenten Nemetz und Schreiber, die sich bislang lediglich juristische Fernduelle über den Atlantik hinweg geliefert hatten, lief wenig harmonisch ab. Es habe „keine Verbrüderungsszene gegeben“, beschrieb sarkastisch Nemetz die Atmosphäre bei der Eröffnung des Haftbefehls. Nicht einmal die Hand reichte er Schreiber. „Ich habe noch nie einem Beschuldigten oder Angeklagten die Hand gegeben. Hier findet kein Smalltalk statt.“

Auch wollte sich Nemetz nicht zu seinem Eindruck über die Verfassung seines Gegenübers äußern: „Ich habe mich nicht mit der Psyche und dem Mienenspiel des Herrn Schreiber befasst, sondern mit den Fakten“, beschied der Augsburger Chefermittler. Zumindest gesundheitlich sei Schreiber wohl ganz gut beieinander und haftfähig. Drei Ärzte hätten dies bestätigt.

In einer Detailfrage setzte sich Schreiber bei dem Termin mit Richter Weigell immerhin durch. Das Gericht erlaubte dem 75-Jährigen nämlich, unter Aufsicht vom Gefängnis aus eine halbe Stunde mit seiner in Kanada zurückgebliebenen Ehefrau Bärbel Schreiber zu telefonieren. Die Einwände der Staatsanwaltschaft dagegen wurden vom Gericht abgeschmettert, wie Gerichtssprecher Karl-Heinz Haeusler sagte. Doch Nemetz nahm dies angesichts der Tatsache, dass Schreiber ihm nun nicht mehr auskommt, gelassen hin: „Ich bin sehr zufrieden.“

ddp