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Deutschland / Welt Deutsche Experten sollen Giftgas im Irak aufspüren
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Deutsche Experten sollen Giftgas im Irak aufspüren
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07:00 17.09.2013
Das WIS in Munster wird im November rund ein Dutzend Experten aus Bagdad empfangen. Quelle: Reuters
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Hannover

Nach der US-Invasion von 2003 hatte es zunächst geheißen, es gebe keine Massenvernichtungswaffen im Irak – obwohl die damalige Regierung von George W. Bush dies als einen der Gründe für den Einmarsch genannte hatte. In den folgenden Jahren wuchs aber unter Experten nach und nach der Eindruck, dass man noch einmal genauer hinsehen müsse. Als unbestritten gilt, dass der frühere irakische Diktator Saddam Hussein in den achtziger Jahren Giftgas gegen kurdische Zivilisten im Norden des Landes einsetzte. Außerdem kam mehrfach Giftgas in den Kriegen zwischen dem Irak und dem Iran zum Einsatz. Der Verbleib der Gasvorräte wurde nie genau geklärt.

Bereits im Jahr 2009 sagte die deutsche Bundesregierung zu, dem Irak technische Geräte zum Aufspüren chemischer Kampfstoffe, Schutzkleidung und Einrichtungen zum Entgiften von Lagerstätten zu liefern. Eine entsprechende Übereinkunft wurde auf Vermittlung der internationalen Organisation zum Verbot Chemischer Waffen (OVCW) geschlossen. Als verdächtig gilt unter anderem das  Gelände von Al-Muthanna, 80 Kilometer nördlich von Bagdad, wo sich zu Zeiten der Saddam-Diktatur die größte Produktionsstätte chemischer Kampfstoffe befand – getarnt als Düngemittel- und Pestizidfabrik. Im Bunker 13 auf dem Gelände, dessen Räumung Deutschland betreuen soll, werden Hunderte Tonnen Tabun und Sarin vermutet. Die Bergung gilt als so gefährlich, dass die versiegelte Anlage von irakischen Experten mit deutscher Technik zunächst angebohrt werden soll, um die Raumluft im Innern des Bunkers zu analysieren.

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Das WIS in Munster wird im November rund ein Dutzend Experten aus Bagdad empfangen. Sie sollen in den streng abgeschirmten Labors in der Heide mit der Handhabung der deutschen Technik vertraut gemacht werden. Das Berliner Außenministerium finanziert das Hilfsprogramm.
Sorgen bereiten den Experten vor allem die Versuche von islamistischen Terroristen, in den Besitz von Giftgas zu kommen. So war im Juni in Bagdad eine „Giftgas-Zelle“ von Al Qaida verhaftet worden. Die fünf Männer sollen mit Sarin und mit Nervengas experimentiert haben. Geplant hatten die Männer nach Angaben der irakischen Regierung Anschläge „im Irak, in einem Nachbarland sowie in Europa und Nordamerika“. Im irakischen Fernsehen waren damals Bilder von beschlagnahmten ferngesteuerten Flugzeugen zu sehen, mit denen die Anschläge begangen werden sollten.