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Deutschland / Welt Faktencheck: wo Carsten Linnemann Recht hat – und wo nicht
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16:33 07.08.2019
Carsten Linnemann hat mit seinen Aussagen eine bundesweite Debatte ausgelöst. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
Berlin

Ein Interview des CDU-Politikers Carsten Linnemann bewegt die Republik. Der Mittelstandsexperte hatte sich über mangelnde Sprachkenntnisse von Grundschülern mit Migrationshintergrund geäußert und dafür jede Menge Kritik eingesteckt. Doch was hat Linnemann eigentlich gesagt? Und was ist an seinen Aussagen dran? Ein Faktencheck.

Aussage: Laut Linnemann müssten „alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests wie in Duisburg über 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten“.

Check: Nach dem jüngsten Bericht „Gesundheit der Duisburger Einschulkinder“ aus dem Jahr 2018 verfügen in der Ruhrgebietsstadt durchschnittlich 16,4 Prozent aller Einschulkinder mit Migrationshintergrund über keine Deutschkenntnisse. Fehlerfreies Deutsch würden nur 8,2 Prozent von ihnen sprechen.

Doch diese Statistik bezieht sich ausschließlich auf die Kinder mit Migrationshintergrund in Duisburg – und nicht auf alle künftigen Erstklässler. Das jedoch hatte Linnemann behauptet. Die Zahlen zu allen Schülern liegen nicht vor. Der deutsche Grundschulverband teilt die Auffassung, dass die Situation in zahlreichen Schulen in Hinblick auf fehlende Sprachkenntnisse vieler Kinder schwierig ist und besondere Maßnahmen rechtfertigt. Dennoch seien „die Vorschläge von Herrn Linnemann nicht zielführend“.

Aussage: Laut Linnemann habe „ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“. Er verweist auf eine Warnung des Deutschen Philologenverbandes. Demnach würde ab einem Migrationsanteil von 30 bis 40 Prozent in einer Klasse das Leistungsniveau sinken.

Check: Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Philologenverband bestätigte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) diese Einschätzung. „Es gibt gravierende Defizite. Da hat Herrn Linnemann vollkommen Recht“, sagte Meidinger. „Wir schätzen, dass etwa jeder fünfte Erstklässler bei Einschulung wegen sprachlicher Defizite nicht in der Lage ist, dem Anfangsunterricht zu folgen.“

Maresi Lassek, Vorsitzende vom Grundschulverband, sieht dennoch kein Risiko für ein sinkendes Leistungsniveau der Kinder – wenn die Schulen entsprechend ausgestattet würden. „Wir müssen endlich wahrnehmen, dass die Zweisprachigkeit von Kindern aus zugewanderten Familien eine Ressource ist, die es zu fördern gilt, weil sie unserer Gesellschaft zugute kommt“, sagte sie dem RND.

Laut Lassek müsse sich die Größe der Schulklassen nach Anzahl der Kinder mit Sprachförderbedarf richten, um eine bestmögliche Förderung der Schüler zu garantieren. „Kinder, die mit einer nichtdeutschen Herkunftssprache in die Schule kommen, sind erfahrungsgemäß auf einem sehr unterschiedlichen Sprachstand und besitzen unterschiedliche Lernvoraussetzungen“, so Lassek.

Aussage: Zu Kindern, die zur Einschulung noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, hat der Politiker Linnemann eine klare Meinung: „Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss eine Einschulung auch zurückgestellt werden.“

Check: Bisher besteht eine solche Vorschul- oder Kindergartenpflicht nicht. Jedoch gibt es in manchen Bundesländern flächendeckende „Sprachstandsfeststellungen“, die häufig in den Kindertagesstätten durchgeführt werden. Hierbei soll der Förderbedarf der Kinder ermittelt werden. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gab dem Politiker teilweise Recht. „Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests. Bei Drei- und Vierjährigen“, sagte er.

In vielen Medien war zunächst berichtet worden, dass Linnemann ein „Grundschulverbot“ gefordert hatte. Diese Formulierung wurde später zurückgenommen. Die Deutsche Presseagentur (dpa) räumte öffentlich ein, dass sie die Ursprungsformulierungen des Unionspolitikers über das Maß hinaus zugespitzt habe. Linnemann betonte, dass er kein Verbot, sondern lediglich eine „Vorschulpflicht für alle, die schlecht Deutsch sprechen“ ins Spiel gebracht habe.

Mehr lesen: So reagieren Twitter-Promis auf die Diskussion um ein „Grundschulverbot“

Von Jan Jüttner/RND

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