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Deutschland / Welt „Höhlenmensch“ – Trump ist wüsten Beschimpfungen ausgesetzt
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „Höhlenmensch“ – Trump ist wüsten Beschimpfungen ausgesetzt
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17:06 27.01.2019
Trump selbst betont, er habe im Streit um den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko weder nachgegeben noch kapituliert. Quelle: AP
Washington

„Erbärmlich“, „Feigling“, „Cave Man“ - US-Präsident Donald Trump hat auf seine Übereinkunft mit den Demokraten, den 35 Tage währenden Teilstillstand der Bundesbehörden bis zum 15. Februar auszusetzen, heftige Kritik aus der eigenen rechtskonservativen Anhängerschaft geerntet.

Trump selbst betont, er habe im Streit um den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko weder nachgegeben noch kapituliert. Dass er aber von den Demokraten vorläufig keinen Cent für das Projekt bekam, erzürnt Kommentatoren von der konservativen Ann Coulter bis Breitbart. Trump sei der „größte Feigling“, der jemals im Weißen Haus gewesen sei, wetterte die Mauer-Befürworterin Coulter. Breitbart erklärte, Trump habe „kurzfristig vor den Demokraten kapituliert“. Und eine New Yorker Zeitung titelte „CAVE MAN“, was eigentlich Höhlenmensch bedeutet, aber ein Wortspiel mit dem englischen Ausdruck für klein beigeben, nachgeben - cave in - ist.

Trump steuerte am Samstag auf Twitter dagegen. Sollte er in den drei Wochen keinen fairen Deal mit dem Kongress bekommen, werde er seine Vollmachten nutzen, um die „humanitäre und Sicherheitskrise“ an der Südgrenze anzugehen. Ein Wink mit der Verhängung des nationalen Notstands. „Die Verhandlungen mit den Demokraten beginnen sofort“, twitterte er. „Wird nicht einfach sein, einen Deal zu machen, beide Seiten haben sich sehr eingegraben. Die Sache für die Nationale Sicherheit ist großartig erweitert worden mit dem, was an der Grenze und durch Dialog geschieht. Wir werden die Mauer bauen!“

De Aussetzung des Shutdowns sei in keiner Weise ein Zugeständnis gewesen. Damit solle „Millionen Menschen“ geholfen werden, die der Shutdown hart getroffen habe. Wenn es in 21 Tagen zu keiner Einigung komme, werde es wieder von vorne los gehen.

Enttäuschte Reaktionen: „Wir haben ihn nicht engagiert, um den Status quo zu erhalten.“

Auf einem Treffen des Netzwerks der konservativen Milliadärsbrüder Charles und David Koch in Kalifornien gab es enttäuschte Reaktionen. Doug Deason, Mitglied des Finanzkomitees von America First Action, sagte, er habe gewollt, dass Trump in dem Streit bis aufs Äußerste geht. Der Shutdown sei doch auch ein Weg, die Zahl der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst des Bundes zu verringern. Die wirklich wichtigen Beschäftigten hätte Trump aus Sonderfonds bezahlen können.

„Wir haben ihn engagiert, um (Washington) DC aufzurütteln“, sagte Deason. „Wir haben ihn nicht engagiert, um den Status quo zu erhalten.“

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Der konservative kalifornische Politiker und Mitgründer der Tea-Party-Bewegung in der Republikanischen Partei, Mark Meckler, nannte Trumps Shutdown-Deal „erbärmlich und widerlich“. Damit habe der Präsident seine Glaubwürdigkeit bei der konservativen Basis aufs Spiel gesetzt. Die Basis sei entsetzt. „Er hat seine Truppen mit einem absoluten Versprechen aufs Schlachtfeld geführt“, sagte Meckler. „Und dann ist er gegangen.“ Es sei aber noch nicht so, dass diese Anhängerschaft 2020 für einen demokratischen Kandidaten stimmen würde.

Moderate Stimmen zeigten Verständnis für Trump

Es gab auch moderate Stimmen, die ein Verständnis für Trump zeigten. Der Trump-Vertraute Jerry Falwell, Präsident der Liberty University, sagte: „Ich bin Pragmatiker. Ich verstehe, dass man das Notwendige tun muss, um die Regierung in Gang zu halten, wenn man einen Kampf wie diesen ausficht. Ich denke, man muss Dinge tun, um am Ende ein größeres Ziel zu erreichen. Ich glaube, dass er das macht.“

Ein weiterer enger Vertrauter Trumps, der Präsident des Family Research Councils Tony Perkins, sagte, Trump habe klug gehandelt, auch wenn nun einige Konservative aufgebracht seien. „In dieser ersten Runde schien der Präsident der Vernünftigere gewesen zu sein“, sagte Perkins. „Er war bereit, zu verhandeln und Kompromisse zu machen.“

Von RND/dpa/ngo

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