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Deutschland / Welt Fridays for Future: Wie die Schüler Europa ihren Stempel aufdrücken
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08:01 24.05.2019
Schulstreik fürs Klima: Die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer (zweite von links) und Greta Thunberg (Mitte) bei einer „Fridays for Future“- Demonstration Ende März. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Freitag für Freitag hat Luisa Neubauer in den vergangenen Monaten demonstriert, sie ist eine der treibenden Kräfte hinter den Klimaprotesten von „Fridays for Future“ in Deutschland. Für diesen Freitag, zur Europawahl, rechnet sie mit Großem.

„Das wird gigantisch“, sagt sie. Mehr Länder und mehr Städte als jemals zuvor sollen am globalen Protesttag teilnehmen; das Netzwerk listet mehr als 1600 Städte in 119 Staaten auf. „Fridays for Future wird am Freitag ein beispielloses Ausmaß annehmen“, sagt Neubauer.

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Fridays for Future“ hat sich von einer stillen und einsamen Protestaktion der jungen Schwedin Greta Thunberg binnen weniger Monate zur weltweit größten Protestbewegung gewandelt. Mit dem streitbaren Mittel des Schulstreiks ist es den jungen Aktivisten gelungen, sich für ihr Anliegen – dem Klimaschutz – Gehör zu verschaffen.

Nette Worte reichen nicht

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat sich mit ihnen solidarisiert. Und auch die Kanzlerin dankte den jungen Leuten dafür, dass sie Druck machen.

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Doch die netten Worte stimmen Luisa Neubauer nicht zufrieden. „Zwar reden jetzt alle übers Klima, aber Reden allein bringt den Planeten nicht weiter“, sagt die Aktivistin im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie und ihre Mitstreiter wollen Taten sehen. Weil sie die EU beim Klimaschutz in besonderer Verantwortung wähnen, rufen sie jetzt, zur Europawahl, zum ganz großen Protest auf.

Die „Fridays for Future“-Bewegung trifft einen Nerv. Sie dürfte großen Anteil daran haben, dass der Klimaschutz zum dominierenden Thema dieser Europawahl geworden ist, zumindest in Deutschland. Beim ARD-Europatrend gab das Gros der Befragten vor wenigen Tagen an, dass Umwelt- und Klimaschutz für ihre Wahlentscheidung am wichtigsten sei.

Fridays for Future“ trifft einen Nerv

Warnungen von Wissenschaftlern vor den Folgen zunehmender Erderwärmung oder der Vermüllung der Meere lassen viele nicht unbeeindruckt – allen voran junge Menschen. Was wiederum in die Politik hineinwirkt.

„Die Bewegung Fridays for Future hat auf jeden Fall dazu geführt, dass das Thema Klimaschutz die Europawahl thematisch mit geprägt hat“, sagte der SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch dem RND. Sie habe mitbewirkt, dass die aus unterschiedlichen Interessensvertretern zusammengesetzte Kohlekommission zu Jahresbeginn einen Kompromiss zum Kohleausstieg gefunden hat.

„Das Jahr 2019 muss zeigen, ob Bundesregierung und Bundestag die Kraft aufbringen, diesen Kompromiss zusammen mit weiteren Maßnahmen aus den anderen Sektoren in eine Klimaschutzgesetzgebung zu gießen, mit der wir die völkerrechtlich verbindlichen Ziele für 2030 erreichen können“, sagt der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende.

Auch CDU und CSU reden vom Klima

Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung werde „Fridays for Future“ vor eine Probe stellen: „Dann wird sich erweisen müssen, ob die Bewegung bereit ist, demokratisch ausgehandelte Kompromisse mit zu unterstützen“, so Miersch.

Zuvor aber muss sich erst einmal die Groko auf Maßnahmen einigen,mit denen die Klimaziele für 2030 erreicht werden sollen. Bisher gab es vor allem in der Union zahlreiche Bremser. Doch die Schülerproteste tragen bei CSU und CDU zu einer neuen Nachdenklichkeit bei.

„Die ,Fridays-for-Future’-Bewegung zeigt, dass das Thema Klimawandel in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Deshalb ist es auch ein beherrschendes Thema im Europawahlkampf“, sagt Anja Weisgerber (CSU), Umweltpolitikerin der Unionsfraktion. Sie strebe „die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie in der Klimapolitik“ an, unter Berücksichtigung sozialer und ökonomischer Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen. „Nur so erhalten wir die notwendige Akzeptanz der Menschen“, sagt Weisgerber.

Baerbock: „Die Jugend ist politisch“

Die Grünen, deren Markenkern ja der Klimaschutz ist, dürften vom hohen Stellenwert des Themas bei dieser Europawahl erheblich profizieren. Da verwundert es nicht, dass Grünen-Chefin Annalena Baerbock den Klimaaktivisten gern mehr politisches Gewicht geben würde.

Sie fordert eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre. „Seit einem halben Jahr gehen Kinder und Jugendliche jeden Freitag auf die Straße und rufen den Politikerinnen und Politikern zu: Macht was für den Klimaschutz, hinterlasst uns eine Welt, in der wir noch eine Zukunft haben“, sagt Baerbock dem RND.

Baerbock: 16-Jährige sollen wählen dürfen

„Streiks für Klimaschutz, Proteste gegen Uploadfilter, Demos für ein gemeinsames Europa: Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie politisch die Jugend ist – auf der Straße, im Netz, in Debatten“, betont die Grünen-Bundestagsabgeordnete. „Aber trotz ihrer Lautstärke haben viele Jugendliche das Gefühl, nicht gehört zu werden. Ihnen fehlt die politische Stimme. Es ist an der Zeit, das Wahlalter auf 16 zu senken“, fordert Baerbock.

Die Zustimmung der Klimaaktivisten, die am Freitag protestieren wollen, dürfte Baerbock gewiss sein.

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Von Marina Kormbaki/RND

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