Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Friedrich Schorlemmer – Provokateur und Aufrichter
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Friedrich Schorlemmer – Provokateur und Aufrichter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:20 16.05.2019
Friedrich Schorlemmer daheim in Wittenberg. Quelle: Jan Woitas/dpa
Berlin

Erst am Sonntag kam Friedrich Schorlemmer aus Erfurt zurück. Es gab da etwas zu feiern: den 90. Geburtstag des ehemaligen Propstes Heino Falcke, der wie er selbst ein linker Protestant ist.

Am Tag zuvor schrieb Schorlemmer in der „Leipziger Volkszeitung“ über den Wahl-Thüringer mit ostpreußischen Wurzeln, er sei „ein mutiger Anreger, ein prophetischer Geist, ein Anwalt der Bedrängten, ein inspirierender Theologe“ und schließlich „ein wackerer Zeitgenosse“. Es las sich wie eine Charakterisierung seiner selbst.

An diesem Donnerstag hat der Pastor aus Wittenberg nun ebenfalls Geburtstag. Er wird 75. Schorlemmer ist einerseits immer noch der Alte – und andererseits doch nicht.

Von Wittenberge nach Wittenberg

Geboren nicht in Wittenberg, sondern in Wittenberge an der Elbe und aufgewachsen in dem kleinen Örtchen Werben, das wunderbar ganz in der Nähe liegt, war Schorlemmer eine der bemerkenswertesten Stimmen der DDR-Opposition – hörbar am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Sein Ruf schallte bis weit nach Westen.

Und als die Mauer fiel, kam seine große Zeit. Schorlemmer, seinerzeit Mitte 40 und voll im Saft, wurde Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Lutherstadt, Studienleiter an der Evangelischen Akademie, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels und eine öffentliche Figur in und für ganz Deutschland. Ja, Schorlemmer war in jenen Jahren wie eine Kerze, die an beiden Enden brannte. Immer kraftvoll, durchaus auch im körperlichen Sinne.

Entweder holte er, nie mittelmäßig und meist zuversichtlich, die Welt zu seinen Freunden nach WittenbergHans-Dietrich Genscher etwa oder Günter Gaus – oder er sprach über Presse, Funk und Fernsehen in die Welt hinaus, gern nach dem Motto: „Viel Feind, viel Ehr.“ Manche in der Stadt frotzelten über Schorlemmer, der sich durchaus auch an sich berauschen und vergaloppieren konnte.

Und doch waren sie stolz, Teil einer Bühne zu sein, zu der Schorlemmer die Stadt machte und zu der er allein sie machen konnte – außer Martin Luther, aus dessen Schriften er regelmäßig öffentlich las. In den besten Augenblicken wurde die Provinzstadt so zur Metropole.

„Es kommt durch alle Ritzen“

Spätestens als Schorlemmer 2007 die Evangelische Akademie im Schatten der berühmten Wittenberger Schlosskirche verließ, trat ein Wandel ein. Nicht nur war er weniger gefragt als ehedem und dabei immer wieder in Werben zu finden, wo er einen zweiten Wohnsitz hat und Teile der Familie wohnen. Er warf sich auch seltener in die Schlacht.

Telefonische Bitten um Interviews, denen sein Temperament früher zunächst zögernd und dann umso energischer nachgab, quittierte er zuweilen mit einem Nein. Mal wies Schorlemmer auf sein fortgeschrittenes Alter hin. Mal schien statt des Zorns von einst Resignation durch. Den Rechtsruck der jüngeren Vergangenheit kommentierte er mit fünf Worten: „Es kommt durch alle Ritzen.“

Über Heino Falcke, den Erfurter Bruder im Geiste, schrieb Friedrich Schorlemmer jetzt: „Man konnte sich an ihm reiben, aber noch mehr konnte man sich an ihm aufrichten.“ Viele werden das auch über ihn schreiben wollen.

Von Markus Decker/RND

In Deutschland werden im Jahr durchschnittlich 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet. Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig verhandelt am Donnerstag, ob die umstrittene Praxis mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist.

16.05.2019

Per Dekret will Trump die heimische Telekommunikation schützen - ganz allgemein. Laut Beobachtern zielt das aber besonders auf eine Firma ab. Es ist ein weiterer Schritt im Handelskrieg zwischen den USA und China.

16.05.2019

Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler einzuführen. Nun geht es darum, wer das bezahlt. Der Deutsche Städtetag hat die Sorge, dass die Kommunen am Ende auf Milliarden-Kosten sitzen bleiben.

16.05.2019