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Deutschland / Welt Greta Thunberg sticht in See: “Nicht zu fliegen zeigt doch, wie ernst es ist”
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18:42 14.08.2019
Greta Thunberg, Klimaaktivistin und Schülerin aus Schweden.
Plymouth

Die Spannung ist in diesen Stunden mit Händen zu greifen. Das Wetter meint es nicht gut mit den Seglern so kurz vor dem Start ihrer Atlantik-Überquerung. Greta Thunberg blickt in ihrem schwarzen Neopren skeptisch in den Himmel über Plymouth. Die Haare streng zurückgebunden zum geflochtenen Zopf. Weit geöffnete Augen, aufeinander gepresste Lippen. Man kennt den Ausdruck in ihrem Gesicht von den ungezählten Bildern der vergangenen Monate, die sie im Kampf gegen den Klimawandel in aller Welt zeigen. Doch in diesem Moment wirkt er noch ernster als sonst.

Es regnet unaufhörlich, ein strammer Wind geht, 33 Knoten. Hier in Plymouth, etwa drei Zugstunden südwestlich von London gelegen, sticht die junge Klimaaktivistin an diesem grauen Mittwochnachmittag in See. Der deutsche Profisegler Boris Herrmann wird sie nach New York bringen - zum Klimagipfel der Vereinten Nationen. Meterhohe Wellen warten auf dem Atlantik auf die Umweltaktivistin und ihre Crew. Komfort gibt es keinen an Bord: keine Küche, keine Toilette, einzig zwei Rohrkojen für ein paar Stunden unruhigen Schlaf.

In Übersee wartet auf die Schwedin dann neben dem UN-Klimagipfel im September die für Dezember geplante Weltklimakonferenz in Chile. Doch nun liegen erst einmal nicht weniger als rund 3000 nautische Meilen (5500 Kilometer) vor ihr. Ungefähr 14 Tage soll die Überfahrt dauern. Mit an Bord: neben Boris Herrmann und Greta Thunberg ihr Vater Svante, der Filmemacher Nathan Grossman, der die Tour dokumentieren wird, sowie Herrmanns Segelpartner, der adlige Co-Skipper Pierre Casiraghi, Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco.

Greta Thunberg mit entschlossenem Blick

Die Rennjacht "Malizia" mit den roten Tragflügeln und ihrem silbergrauen Rumpf aus Carbon, auf dem in großen weißen Lettern "Global Climate Action" zu lesen ist, wirkt elegant, so wie sie da in der Mayflower Marina in Plymouth aus dem Wasser ragt. Sie soll für den Törn nach Amerika ausschließlich vom Wind und den Strömungen des Meeres angetrieben, der Strom an Bord von Solarpaneelen und Unterwasserturbinen erzeugt werden. Klimaneutralität, das ist das große Thema der Greta Thunberg. Deshalb die Entscheidung gegen das Flugzeug, für die Segeljacht. "Nicht zu fliegen zeigt doch, wie ernst es ist", sagt Thunberg mit entschlossenem Blick.

Vor ihrer großen Reise über den Atlantik zeigt sich Greta Thunberg realistisch: Seekrank werde sie in den kommenden Wochen sicherlich sein. Für eine CO2-neutrale Reise nehme sie das aber in Kauf, ebenso wie den geringen Komfort an Bord. Aber sehen Sie selbst.

Nein, nachsagen kann ihr niemand, dass ihr die Puste ausgegangen ist, die von ihr vor fast einem Jahr auf den Tag genau in Stockholm initiierte Fridays-for-Future-Bewegung fortzuführen. Ganz im Gegenteil: Die mittlerweile 16-Jährige Schwedin wirkt entschiedener denn je. Heldin, Hoffnung, Hassfigur - Greta Thunberg bleibt ungeachtet aller öffentlich und durchaus kontrovers geführten Debatten zum Klimawandel bei ihrer Kernbotschaft: "Hört auf das, was die Wissenschaft sagt."

Die weltweite Aufmerksamkeit ist Greta Thunberg bei ihrer spektakulären Reise an Bord der Hightech-Jacht „Malizia“, die emissionsfrei über den Atlantik nach Amerika segelt, gewiss. "Wir unterstützen ihr Anliegen zu 100 Prozent", sagt Kapitän Boris Herrmann. Er selbst engagiert sich seit langen Jahren für den Klimaschutz. Der gebürtige Oldenburger studierte Wirtschaftswissenschaften. Seine Diplomarbeit schrieb er über „Nachhaltiges Management“, obwohl „das damals noch nicht so hoffähig war und einen alle ausgelacht haben“, wie er sagt. Beeindruckt sei er von Gretas Beharrlichkeit. Mit Blick auf seine außergewöhnliche Mission, sie sicher über den großen Teich zu navigieren, sagt der 38-Jährige: "Sie ist bereit, das Unbekannte und ein Stück weit auch Unkontrollierbare für ihre Überzeugung in Kauf zu nehmen. Das zeigt, wie weit Greta für ihre Botschaft bereit ist zu gehen."

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Was nach großem Abenteuer klingt, ist für ihn auch eine große Verantwortung. Für die 16-jährige Thunberg ist es der erste Segeltörn ihres Lebens - einen extremeren Einstieg als der Transatlantik-Törn auf Herrmanns 18 Meter langer Kohlefaserjacht ist also kaum vorstellbar. "Vielleicht werde ich ein wenig seekrank", sagt Greta Thunberg, um sogleich unumwunden hinterherzuschicken, dass das dann auch okay sei. Bei dem deutschen Segelprofi jedenfalls ist sie in guten Händen. Drei Weltumseglungen mit Profi-Crews hat er bereits absolviert. Dabei hat er mehr als eine Viertelmillion Seemeilen Erfahrung im Kielwasser gesammelt. Angst vor der Verantwortung für seinen prominenten Passagier hat Herrmann deshalb nicht, wie er sagt. „Ich habe sie gefragt, ob sie Angst hat. Sie hat mit klarem Nein geantwortet.“ Ob die junge Schwedin aktiv mitsegelt, ließ Herrmann kurz vor dem Start offen. Geübt hat er mit den Thunbergs bereits zwei Tage vor der Abfahrt. Erklärt habe er ihnen vor allem den Umgang mit den Wetterkarten. Auf See wolle er ihr dann gerne alles zeigen und erklären und sehen, inwieweit sie Lust hat zu lernen.

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Am späten Nachmittag nutzte Herrmann eine kleine Lücke zur Abfahrt, eine weitere Schlechtwetterfront hatte sich da bereits angekündigt. Der Wind blies mit zwei bis drei Windstärken - ideal für Segler, aber eben nicht für Einsteiger. Solch ein Seegang könne einem dann schon ordentlich auf den Magen schlagen, ist vom "Malizia"-Team zu hören. Herrmann selbst tankte Kraft kurz vor der medial begleiteten Ausfahrt. Ein Nickerchen an Bord der "Malizia", 20 Minuten, kaum länger. Das müsse reichen, das habe er trainiert. Auf See wird sich Herrmann im drei-Stunden-Rhythmus mit Co-Skipper Casiraghi abwechseln. Er wird dann auf dem Boden schlafen, wie er erzählt. Die Kojen seien den Thunbergs vorbehalten.

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Und dann plötzlich: Es hört auf zu regnen. Elektrische Beiboote ziehen die "Malizia" und ihre prominente Besatzung aufs Meer hinaus. Das Ziel lautet: die Welt vor der Klimakatastrophe bewahren.

Juliane Lange/RND

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