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Deutschland / Welt Grüne fordern Plastiktüten-Steuer von 22 Cent
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Grüne fordern Plastiktüten-Steuer von 22 Cent
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17:26 11.03.2013
Von Heike Manssen
Löhntüte: Eine Steuer auf Plastikbeutel ist manchen Deutschen denn doch zu happig.
Löhntüte: Eine Steuer auf Plastikbeutel ist manchen Deutschen denn doch zu happig. Quelle: dpa
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Berlin

Möchten Sie eine Tüte dazu?“ „Bei dem Preis nehm ich’s lieber selbst in die Hand.“ So oder ähnlich wird sich demnächst manches Gespräch an der Supermarktkasse anhören – wenn eine grüne Idee sich durchsetzt. Zwei  führende Grünen-Politikerinnen haben sich am Wochenende mit der Forderung zu Wort gemeldet, Plastiktüten künftig generell mit 22 Cent zu besteuern.

22 Cent zusätzlich für ein Wegwerfprodukt? Bislang kostet die Tragetasche aus Kunststoff in deutschen Supermärkten schon 10 bis 15 Cent, in anderen Geschäften wird der Einkauf gratis darin verpackt. Das gehe so nicht weiter, meinen die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Dorothea Steiner, und die Fraktionsvorsitzende im Europaparlament Rebecca Harms. „Einweg-Plastiktüten, die zu Tausenden im Meer landen, bedrohen das Meeresleben immer mehr“, argumentiert Harms. Sie schlägt vor, mit der Abgabe die Erforschung biologisch abbaubarer Kunststoffe zu finanzieren.

Solche Forschungen gebe es schon längst, heißt es dazu etwas verschnupft aus dem Verbraucherministerium in Berlin. Schließlich investiere die Bundesregierung bis zum Jahr 2016 insgesamt 2,4 Milliarden Euro in Projekte für den Strukturwandel weg vom Erdöl und  hin zu einer biobasierten Industrie.

Für den Handelsverband Deutschland kommt die Idee der Grünen gar nicht in die Tüte. Eine Sonderabgabe von 22 Cent, rechnet der Verband vor, würde bei einem jährlichen Verbrauch von 5,3 Milliarden Tüten den Bürgern etwa 1,2 Milliarden Euro zusätzlich abverlangen. Dabei sei der Deutsche schon heute „Weltmeister beim sparsamen Umgang mit Plastiktüten“. Und außerdem würden hierzulande Tragetaschen zumeist aus Recyclingmaterial hergestellt.

Tatsächlich sind die Deutschen europaweit vorbildlich: Jeder bundesdeutsche Verbraucher verwendet pro Jahr durchschnittlich 65 Plastiktüten. Zum Vergleich: Italiener benutzen sechsmal so viele. Und das, obwohl dort Plastiktüten seit 2011  eigentlich verboten sind. Doch es gibt weder Kontrollen noch Strafen für Händler. Außerdem ist noch nicht einmal klar, welche „Taschen zum Warentransport“ in Italien tatsächlich verboten sind. Ein großes Problem haben die Türken mit ihren Tüten. Statistisch leistet sich jeder Türke 1,2 Plastikbeutel pro Tag. Der sparsame Deutsche hingegen nutzt die Plastiktüte vier bis fünf Mal, bevor er sie wegwirft.

Das Tütenthema schafft es aber allerorten immer wieder auf die politische Agenda. Erst am Donnerstag hatte der EU-Umweltkommissar ein Diskussionspapier zur Verringerung des Plastikmülls vorgestellt. Darin werden verschiedene Instrumente vorgeschlagen – eines ist die jetzt von den Grünen verlangte Sondersteuer. Entschieden wird darüber allerdings nicht in Brüssel, sondern in Berlin. 

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