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Deutschland / Welt Habeck: „Ich war offensichtlich nicht stark genug für Twitter“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Habeck: „Ich war offensichtlich nicht stark genug für Twitter“
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06:26 20.03.2019
Der „RND Berliner Salon“ mit Robert Harbeck, Buendnis90/Die Grünen. Ihm gegenüber: Gordon Repinski, stellvertretender RND-Chefredakteur und RND-Politikchef. Quelle: Thomas Imo/photothek.net
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Berlin

Es ist 18.30 Uhr am Montagabend, als Grünen-Chef Robert Habeck den „China Club“ in Berlin-Mitte betritt. Vor rund 100 Gästen soll er an diesem Abend Rede und Antwort stehen. Es ist der Premierenabend einer neuen Veranstaltungsreihe des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND):

Der „Berliner Salon“ startet.

Herr Habeck, die Grünen stehen in den letzten Umfragen stabil bei 19 Prozent. Fühlen Sie sich wohl bei diesen Werten – oder darf es noch höher gehen?

Wir schauen nicht so sehr auf Umfragen. Die Grünen sind eine gesellschaftliche Zentrumspartei. Wir wollen uns auf Inhalte konzentrieren. Dann werden die Umfragen und Wahlergebnisse folgen.

Der Aufschwung wird nicht zuletzt mit Ihnen und Ihrer Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock verbunden. Was machen Sie besser als Ihre Vorgänger?

Es ist nicht korrekt, dass dieser Erfolg so mit uns verbunden wird. Die eigentliche Trendwende kam während der Jamaika-Sondierungen. Dort haben die Grünen bewiesen, dass wir keine Spaßpartei sind, sondern dass wir bis an die Grenzen der Belastbarkeit zum Kompromiss bereit sind. Das hat den Blick auf die Grünen verändert.

Brauchen die Grünen für die nächste Bundestagswahl einen Kanzlerkandidaten?

Wir haben im Moment eine Regierung. Die soll jetzt regieren. Jetzt kommen Europa- und Landtagswahlen, dann wissen wir, wo die Parteien stehen. Der sicherste Weg, nicht relevant zu sein, ist über Kanzlerkandidaten nachzudenken.

Zuschauerfrage Julia Zimmer: Denken Sie, dass die internationale Fridays-for-Future-Bewegung noch größer wird?

Ja, für eine Zeit auf jeden Fall. Zu Recht. In der Politik sagt fast jeder, dass der Klimawandel die größte Aufgabe dieser Generation ist – und trotzdem wird nur ein Arbeitskreis gebildet. Dass die Schüler nun sagen, jetzt reicht es, ist verständlich.

Finden Sie es richtig, dass die Schüler dafür jeden Freitag die Schule schwänzen?

Es ist jedenfalls nicht falsch. Wenn man demonstriert, dann will man, dass darüber berichtet wird. Auch Streiks finden statt, um maximale Aufmerksamkeit zu generieren.

Vor einigen Wochen haben Sie sich vom Kurznachrichtendienst Twitter zurückgezogen. Wie geht es Ihnen jetzt damit?

Die Frage klingt, als sei Twitter eine Droge. Aber es stimmt, der erste und letzte Griff am Tag ging oft zum Handy, man schaute, was über einen geschrieben wurde. Diese Möglichkeit habe ich mir genommen. Mir geht es super damit.

Sie haben Ihren Rückzug damit begründet, dass Twitter Sie selbst zu Fehlern treibt.

Twitter und Facebook funktionieren, indem besonders viele Reaktionen erzeugt werden. Deshalb spült der Algorithmus die emotionalsten Tweets und Posts nach oben. Und darunter sind häufig negativ emotionale Tweets und Meldungen. ist das System. Man muss schon sehr stark sein, um davon nicht berührt zu werden. Ich war offensichtlich nicht stark genug.

Können Sie sich eine Rückkehr zu Twitter vorstellen?

Nicht über die Zeit, über die ich jetzt politisch den Überblick habe.

Beginnen wir eine Schnellfragerunde: Bei den schwarz-grünen Sondierungen 2021 werde ich ....

... hoffentlich mit am Tisch sitzen.

Die Vorstellung eines grünen Innenministers finde ich ....

... spannend.

Ich würde das sogar selbst machen, wenn ...

... (lange Pause) den Satz kann ich nicht zu Ende bringen. Wenn Katzen bellen! (Lachen im Publikum)

Das erste Gesetz, das unter grüner Regierungsbeteiligung erlassen werden sollte ist ...

... die Reformulierung des Tierschutzgesetzes.

Annalena Baerbock schätze ich besonders für ...

... ihren Mut.

Bei Emmanuel Macron denke ich...

...dass sie ihn am langen Arm verhungern lassen.

Einen Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank finde ich ...

... hochproblematisch. Damit würde man wieder eine Bank schaffen, die „too big to fail“ ist. Ich dachte, es wäre gelernt, dass wir das nicht mehr entstehen lassen wollen; dass wir nicht wieder Verluste sozialisieren müssen. Ich nehme an, dass der Grund ist, dass der Staat in der Bankenkrise Commerzbank-Aktien aufgekauft hat. Diese Aktien sind heute fast nichts mehr wert. Der deutsche Staat hat deshalb ein Interesse, dass die Commerzbank irgendwie überlebt und stabil ist. Es spricht deshalb viel, viel mehr gegen eine Fusion als dafür.

Eine Krawatte würde ich höchstens....

... gebügelt in den Schrank hängen.

Einen Joint würde ich...

... (Pause) links liegen lassen.

Von Gordon Repinski/RND

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