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Deutschland / Welt Heftiger Streit über Sicherheit der Atomkraftwerke
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16:05 24.07.2009
Im Atomkraftwerk Emsland in Lingen ist es in der Nacht zum Freitag zu einer Schnellabschaltung des Reaktors gekommen. (Archivbild)
Im Atomkraftwerk Emsland in Lingen ist es in der Nacht zum Freitag zu einer Schnellabschaltung des Reaktors gekommen. (Archivbild) Quelle: David Hecker/ddp
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Die Union beharrt darauf, dass die Atomenergie weiter eine Brückenfunktion innehat auf dem Weg zu Erneuerbaren Energien. Die Bürger sind einer Umfrage zufolge mehrheitlich für den mit der Industrie vereinbarten Atomausstieg.

Unterdessen ist es im Atomkraftwerk Emsland in Lingen in der Nacht zum Freitag zu einer Schnellabschaltung des Reaktors gekommen. Grund sei die nicht ordnungsgemäß funktionierende Überwachungseinrichtung eines Maschinentrafos gewesen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Das Ereignis sei in der untersten Meldekategorie eingestuft worden. Der Reaktor werde voraussichtlich in den nächsten zwei Tagen wieder ans Netz gehen, sagte ein Sprecher des Betreibers RWE Power in Essen.

Auch im Kernkraftwerk Neckarwestheim war nach Hinweisen auf mögliche Sicherheitsmängel eine Überprüfung angeordnet worden. Es habe aber „keinen Anlass zur Beanstandung gegeben“, teilte das Umweltministerium in Stuttgart mit. Ein ehemaliger Mitarbeiter einer Fremdfirma hatte angegeben, Waffenattrappen und Alkohol auf das Kraftwerksgelände gebracht zu haben. Er will die unerlaubten Gegenstände in einem Lieferwagen durch die Kontrollen geschmuggelt haben.

Die technischen Probleme im Atomkraftwerk Krümmel haben derweil die Zustimmung zu längeren Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke schwinden lassen. Im neuen ZDF-Politbarometer sprechen sich jetzt nur noch 39 Prozent der Befragten dafür aus, dass der Atomausstieg in Deutschland später als 2021 kommen soll. Demnach unterstützt eine klare Mehrheit von 55 Prozent den gesetzlich vorgesehenen Ausstieg bis 2021. 61 Prozent der Befragten halten die hiesigen Kraftwerke dennoch für sehr sicher oder sicher, 35 Prozent für weniger sicher oder überhaupt nicht sicher.

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin forderte die vorzeitige Abschaltung der AKW Biblis A und B, Neckarwestheim und Brunsbüttel. Diese Reaktoren hätten in der bisherigen Laufzeit jeweils über 400 Störfälle verzeichnet, darunter nicht nur harmlose. Gerade die ältesten Kraftwerke müssten daher vom Netz genommen werden. Nach Überzeugung des früheren Bundesumweltministers ist die Atomkraft durch Erneuerbare Energien bis 2020 „locker zu ersetzen“.

Dem widersprach der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU), der eine verlängerte Laufzeit der Meiler für notwendig hält. Mit dem so erzielten Geld könnten die Erneuerbaren Energien vorangebracht werden, argumentierte er. Söder betonte, die verlängerte Laufzeit werde gebraucht, „weil wir den Umstieg zu regenerativen Energien nicht so schnell schaffen, wie wir uns das vorstellen“. Zudem sei die Atomenergie CO2-frei. Im Übrigen sei „enorm viel Geld“ für die Entwicklung der technischen Sicherheit ausgegeben worden.

Der SPD-Umweltexperte Marco Bülow warf Bayern und Baden-Württemberg vor, „in Nibelungentreue“ zu den AKW-Betreibern zu stehen. Dabei machten die Sicherheitspannen in Krümmel deutlich, dass deutsche Atomkraftwerke keinesfalls so sicher seien, wie die Atomlobby immer behaupte. Die Forderung, für die ältesten Meiler die Laufzeiten noch zu verlängern, sei daher „völlig unverantwortlich“.

ddp