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Deutschland / Welt Herkunft Krimineller zu nennen, ist falsch - und doch richtig
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14:45 27.08.2019
Die Angabe der Nationalität von Verdächtigen verzerrt die Realität, unterscheidet nicht zwischen Neuankömmlingen und zweiter Generation und lenkt von den eigentlichen Hintergründen ab. Doch in diesen Zeiten kann sie trotzdem richtig sein.
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Berlin

Das Land Nordrhein-Westfalen will künftig bei allen Tatverdächtigen die Nationalität nennen. Und der dortige Innenminister Herbert Reul erklärt auch, warum. „Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Transparenz das beste Mittel gegen politische Bauernfängerei ist“, sagte der CDU-Politiker jetzt der „Bild“-Zeitung. Er hat damit auf paradoxe Weise Recht.

Richtig ist, dass die Kriminalität in den letzten Jahren insgesamt zurückging. Richtig ist ebenso, dass Zuwanderer nicht generell krimineller sind, aber bei bestimmten Delikten häufiger auftauchen. Dies gilt laut Bundeskriminalamt bei Straftaten gegen das Leben oder Sexualdelikten. Darüber darf, ja muss geredet werden, nicht zuletzt weil es Ängste in der Mehrheitsbevölkerung berührt.

Das Problem sind junge Männer

Der höhere Anteil in einigen Deliktfeldern hat damit zu tun, dass Zuwanderer überwiegend männlich und überwiegend jung sind. Und junge Männer tauchen auch unter Deutschen in der Kriminalitätsstatistik häufiger auf. Ob junge männliche Zuwanderer tatsächlich kriminell werden, hängt neben anderem von ihrer Bleibeperspektive ab. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, handeln entsprechend.

Lesen Sie auch: Niedersachsen - Nationalitätsangabe bei Tatverdächtigen bleibt Ausnahme

Es gibt jedenfalls keinen zwingenden Grund, die Nationalität von Verdächtigen immer zu nennen. Dies gilt umso mehr, als dabei dann zwangsläufig nicht unterschieden wird zwischen einem Asylbewerber, der vor einem Jahr zu uns kam, und einem Türken, der seit 20 Jahren wie ein Inländer bei uns lebt, aber eben keinen deutschen Pass besitzt. Die Delinquenz von wenigen setzt vielmehr nun viele unter Druck, künftig vor allem an Rhein und Ruhr. Politisch interessierte Kreise in der AfD und jenseits davon haben ihr Ziel erreicht. Das ist bitter. Einerseits.

Bei den Tätern von Lügde ist die Herkunft kein Thema

Andererseits spielt die Herkunft von Verdächtigen spätestens seit den Sexualdelikten in der Kölner Silvesternacht öffentlich eben doch eine große Rolle – während sie es bei der Missbrauchsserie im westfälischen Lügde ohne Migranten nicht tat (worüber ebenfalls zu reden wäre).

Hinzu kommt, dass wir in Zeiten leben, in denen Nachrichten oder vermeintliche Nachrichten vorrangig über digitale Netzwerke verbreitet werden. Dies öffnet Verdächtigungen Tür und Tor. Weit höher als der tatsächliche Anteil von Migranten an der Gesamtkriminalität ist damit die Mutmaßung oder das Gerücht, wie hoch der Anteil sei.

Nichts ist spaltender als die Verdächtigungen

Insofern wirken die Mutmaßungen vermutlich spaltender, als es die Fakten tun könnten. Ohnehin ist das vom Deutschen Presserat geforderte „begründete öffentliche Interesse an der Herkunft eines Tatverdächtigen“ relativ. Es wird im Netz täglich neu verhandelt.

Die veränderte politische und mediale Gefechtslage scheint auch der nordrhein-westfälische Innenminister im Kopf zu haben, wenn er sagt, dass Transparenz das beste Mittel gegen politische Bauernfängerei sei. Der Satz dürfte stimmen.

Von Markus Decker/RND

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