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Deutschland / Welt Der Drogenhund fürs Kinderzimmer
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00:15 26.08.2013
Von Tatjana Riegler
Reiner Reuther trainiert mit Thor, das bedeutet für den Privatermittler vor allem: loben, loben, loben. Quelle: dpa
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Krefeld

Auf einem heruntergekommenen Gelände, zwischen Hotel Jägerhof und der Johanniter Unfallhilfe, präpariert Reiner Reuther die Strecke für seinen Schäferhund Thor. Er versteckt Aromapakete, die nach Heroin, Kokain, Marihuana, Chystal Meth und Ecstasy riechen, unter Holzkisten, in Koffern, Mülltonnen und Bücherregalen. Der nächste Einsatz wartet schon: Seit Mai bietet der 50-Jährige an, was in England und Norwegen bereits ein gutes Geschäft ist - den ersten privaten Suchdienst für Drogen.

Herr Reuther, wer sind Ihre Auftraggeber?

Besorgte Eltern, überwiegend Mütter, Firmen - sie kommen aus ganz Deutschland, aus allen Schichten. Und wir stehen mit Schulen in Kontakt. Öffentliche Schulen dürfen wir nicht absuchen, aber vonseiten einiger Privatschulen und Internate besteht Interesse an regelmäßigen Kontrollen.

Wie läuft ein Einsatz ab?

Bei Verdachtsmomenten bekommen wir einen Anruf und verabreden kurzfristig einen Termin, bei dem die Verdächtigten nicht dabei sind. Wir fahren entweder verdeckt vor, oder auffällig mit Schriftzug am Auto, um einen Abschreckungseffekt zu erzielen. Eltern bevorzugen aber den diskreten Auftritt. Dann komme ich vorbei wie ein Bekannter mit Hund, und kein Nachbar bemerkt etwas. Ich schaue mir die Räumlichkeiten an, dann kommt der Hund zum Einsatz. Findet er nichts, verstecken wir etwas, damit er sein Erfolgserlebnis hat.

Kommt das oft vor?

Nein. In 80 Prozent der Fälle wird Thor fündig. Die Eltern haben einen Verdacht und können ihn nur nicht beweisen, weil die Kinder sehr raffiniert beim Verstecken sind.

Zum Beispiel?

Die Sachen stecken im Bettgestell, unterm Teppich, zwischen den Schaumstofflagen der Matratzen. In den Firmen liegen die Drogen oft im Spind.

Wie lange dauert so ein Einsatz?

Das hängt von den Räumen ab, aber in normalen Wohnungen etwa fünf Minuten. Dazu kommt das Vorgespräch und hinterher ein Hinweis auf Beratungsstellen. Pro Einsatz in einem normalen Zimmer berechnen wir 95 Euro plus Anfahrt.

Gibt es rechtliche Grenzen?

Das Wichtigste sind die Persönlichkeitsrechte. Das Abschnüffeln von Personen, etwa in einer Firma, geht gar nicht. Und wir analysieren keine Drogen, nehmen sie nicht an uns. Ich markiere nur die Stellen, die der Hund anzeigt - und der Auftraggeber schaut selber nach. Damit bin ich auf der sicheren Seite.

Trotzdem gibt es Kritik an Ihrer Arbeit.

„Schnüffler“ ist noch das harmloseste, was ich gehört habe. Oder „Nazi-Hund“, dabei hat Thor seinen Namen vom Züchter und nicht von mir. Manche drohen auch mit vergifteten Leberwurstbroten. Das meiste steht anonym im Netz, darauf antworten wir nicht.

15 Minuten später haben die Aromapäckchen ihren Geruch verbreitet. Reuther holt den Schäferhund aus seinem Zwinger. „Go working?“, fragt er immer wieder. Dann saust Thor zu den Holzkisten, Reuther läuft nebenher. Der Hund schnüffelt und legt nach wenigen Sekunden eine Pfote auf eine Kiste. Treffer: Er hat das vermeintliche Heroin gefunden. Die Erfolgsgeschichte dauert nur wenige Minuten, dann hat Thor alle Pakete gefunden. Zwischendurch wird gestreichelt, gespielt und gelobt. Reuther vertraut seinem Hund hundertprozentig, das enge Verhältnis ist die Grundlage seiner Arbeit.

Herr Reuther, wie steht es bei Ihren Einsätzen um das Eltern-Kind-Verhältnis?

Tagebuchlesen finde ich schlimmer. Ich sehe es so: Die Eltern sind verunsichert, sonst würden sie uns ja nicht rufen, und das Kind muss es nicht unbedingt erfahren, dass jemand da war und das Zimmer gefilzt hat.

Das macht den Vertrauensbruch ja so schlimm.

Die Eltern können rein theoretisch sagen: Das haben wir gefunden. Zufällig, beim Aufräumen. Fragen Sie doch mal einen 16-Jährigen, ob er Drogen nimmt - ich glaube, in 98 Prozent der Fälle kommt die gleiche Antwort. Durch unseren Einsatz haben die Eltern die Gewissheit und können ihr Kind etwas mehr in die Ecke drängen, ihm etwa einen Drogentest vorschlagen. Ich empfinde das nicht als Hintergehen, sondern als Bestätigung.

Was passiert dann?

Das kriegen wir leider nicht mehr mit. Auch nicht, was in Firmen geschieht, darüber wird Stillschweigen vereinbart.

Leider?

Wir haben nicht die Kompetenz zu helfen. Wir sind keine Drogenberatung. Aber wir haben immer eine Liste mit örtlichen Drogenberatungsstellen dabei, sodass wir die Eltern an Fachleute verweisen können. Man spürt die Verzweiflung, aber mehr können wir nicht tun.

Lässt Sie das kalt?

Nein. Aber irgendwie muss man abschalten. Wenn ich mir über jeden Fall Gedanken machen würde, würde ich nur hier sitzen und grübeln. Ich kann nicht helfen, ich kann nur Gewissheit bringen.

Ist das ein Vorteil Ihrer Arbeit?

Ja, die hundertprozentige Gewissheit ist sicher ein Vorteil. Zudem unterliegen wir als Privatunternehmer nicht dem Legalitätsprinzip. Wir können absolute Diskretion garantieren. Selbst wenn wir ein Kilo Rauschgift finden, sind wir nicht dazu verpflichtet, Strafanzeige zu erstatten. Das macht uns auch für hochkarätige Internate so interessant: Wenn wir etwas finden, ist der Ruf nicht ruiniert.

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