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Deutschland / Welt Internetdienst stellt Kurznachrichten vom 11. September ins Internet
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Internetdienst stellt Kurznachrichten vom 11. September ins Internet
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21:56 26.11.2009
Von Dirk Schmaler
Das World Trade Center in New York kurz nach den Anschlägen. Terroristen waren am 11. September 2001 mit entführten Flugzeugen in die beiden Türme geflogen. Quelle: ddp
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Nun kann die Welt mitlesen, wie besorgte Männer und Frauen an dem dramatischen Tag versuchten, ihre Verwandten, Familienangehörigen und Arbeitskollegen im attackierten World Trade Center mit ihren Pager-Nachrichten zu erreichen. Aber auch über eher profane Dinge des Alltags wurden im Angesicht der Katastrophe kommuniziert.

Viele der kurzen, aber teils sehr privaten Zeilen, die das Internetportal „Wikileaks“ aus unbekannter Quelle veröffentlicht hat, rufen Beklemmung hervor: „Ich vertraue darauf, dass du rausgekommen bist. Wenn Du auch nur einen Moment Zeit hast, lass mich Deine Stimme hören. Ich liebe Dich für immer. George“, schreibt jemand kurz nach dem Aufprall des ersten Flugzeugs. Niemand weiß, ob sich die Adressatin dieser Zeilen je gemeldet hat. Mit fortschreitender Zeit wird die Panik in den Botschaften größer. Zwei Stunden später, um 11.32 Uhr, sendet jemand verzweifelt eine Pager-Nachricht: „Wenn ich nicht bis zwölf Uhr etwas von Dir höre, hole ich Laura von der Schule ab und erzähle ihr, dass ihr Vater tot ist“ – Ende offen. Viele fragen schlicht: „Lebst Du noch?“ Auch die Kommunikation der Rettungsdienste ist lückenhaft aufgelistet.

In den USA benutzten Pager damals viele Firmen zur Koordinierung ihrer Mitarbeiter. In den Protokollen sind viele Dienstmeldungen zu finden: Die häufigste: „Meeting fällt aus.“

Die Internetseite „Wikileads.org“ veröffentlichte die 573 000 abgefangenen Nachrichten in teils schwer lesbaren Rohprotokollen. Woher die Daten dieser Dokumentation des Grauens stammen, ist allerdings genauso unklar wie die Frage, ob sie wirklich echt sind. Aber es spricht einiges für die Authentizität: Erste Nachrichten wurden von den Verfassern wiedererkannt. Vermutlich wurden sie durch Sicherheitsbehörden abgefangen.

Die Veröffentlichung wirft abseits aller voyeuristischer Faszination für das Horrormosaik jedoch allerlei ernsthafte Fragen auf. Die Protokolle machen deutlich, dass US-Behörden schon vor den Terroranschlägen von New York, bei denen fast 3000 Menschen starben, offenbar weitreichenden Zugriff auf die private Kommunikation hatten. Aber auch Wikileaks, das sich der Veröffentlichung von Geheimpapieren verschrieben hat, steht nun in der Kritik. Schließlich enthalten die Kurznachrichten keine Regierungsgeheimnisse, sondern private Kommunikation in der Not. Sogar Pikantes lässt sich finden. So schreibt eine Frau eine Stunde nach dem Anschlag konspirativ – offenbar noch ohne Ahnung von der Katastrophe: „Hallo Schatz, verzeih’, dass ich nicht reden konnte. Mein Mann ist zuhause. Gebe Dir Bescheid, wenn die Luft rein ist. I.“ Ob die Nachricht den Empfänger erreichte, ist ungewiss.

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