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Deutschland / Welt Jeder siebte Bürger von Armut bedroht
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21:52 27.11.2009
Von Alexander Dahl
Suche nach Verwertbarem im Mülleimer: In Deutschland drohen 15 Prozent der Bevölkerung in die Armut abzurutschen. Quelle: Nico Herzog
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Nach der Statistiken waren nach 2006 auch im Jahr 2007 unverändert 15 Prozent der Bevölkerung und damit fast jeder siebte Bürger von Armut bedroht; ohne die Sozialleistungen des Staates läge die Quote allerdings bei 24 Prozent. Als armutsgefährdet gilt laut Bundesamt, wer 2007 als Alleinstehender weniger als 913 Euro im Monat und als Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren weniger als 1917 Euro monatlich zur Verfügung hat. Im Jahr 2006 lagen die Schwellenwerte noch bei 855 Euro beziehungsweise 1859 Euro.

Grundsätzlich gilt: Frauen sind in der Tendenz stärker von Armut bedroht als Männer. Besonders in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ist die Gefahr groß, sozial abzurutschen: Hier beträgt das Armutsrisiko 20 Prozent, im Jahr 2006 lag der Wert bei 21 Prozent. Bei Frauen in dieser Altersgruppe beträgt der Wert 22 Prozent, bei Männern nur 18 Prozent. In späteren Lebensjahren verringert es sich wieder, weil dann oft der berufliche Einstieg mit geregelten Einkommen geschafft ist. Auffällig ist, dass die Tendenz zur Altersarmut nach den Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes leicht abnimmt: Während im Jahr 2006 der Anteil der im Alter von Armut bedrohten Menschen bei 17 Prozent lag, war er 2007 auf 15 Prozent gesunken. Allerdings zeigen sich auch hier große Unterschiede bei Frauen (18 Prozent) und Männern (12 Prozent), da Männer angesichts eines geregelten Berufslebens eine viel bessere Altersversorgung haben als Frauen.

Ein deutlich höheres Armutsrisiko haben nach Einschätzung der Statistiker bestimmte Lebensformen. So sind fast ein Drittel aller Singles davon bedroht; und das im Vergleich zu 2006 mit steigender Tendenz. Haushalte mit Alleinerziehenden sind sogar zu 36 Prozent – ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2006 – von sozialer Degradierung betroffen, während in Haushalten mit Kindern und traditioneller Familienstruktur, in der es Vater und Mutter gibt, dieses Risiko nur bei 13 Prozent liegt. Der mit Abstand größte Armutsfaktor ist allerdings die Arbeitslosigkeit. Hier waren vor zwei Jahren 56 Prozent aller Arbeitslosen von Armut betroffen; im Jahr davor lag der Wert noch bei 51 Prozent – und das in einer Zeit, in der die Wirtschaft boomte und die Arbeitslosenzahlen zurückgingen. Würde der Staat nicht mit Sozialleistungen Bedürftigen zur Seite stehen, würden die Zahlen noch deutlich schlechter ausfallen. Die unter 18-Jährigen würden zu 31 Prozent von Armut bedroht sein, die 18- bis 65-Jährigen zu 25 Prozent und die über 65-Jährigen zu 16 Prozent – ein Beleg, dass das Rentensystem noch als Lebensgrundlage trägt.

„In Deutschland verfestigte sich die Armut von 2006 auf 2007 auf einem hohen Niveau, und das noch vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise“, kritisierte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher. Die wachsende Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden sei besonders alarmierend. Sie bräuchten mehr Unterstützung, „insbesondere durch eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder“. Besorgniserregend sei zudem die Tatsache, dass 18 Prozent der über 65-jährigen Frauen akut armutsgefährdet sind. „Die bevorstehenden Nullrunden in der gesetzlichen Rentenversicherung 2010 und 2011 lassen insbesondere für Rentnerinnen keine rosige Zukunft erwarten.“

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