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Deutschland / Welt „Fridays for Future erinnert mich an meine Jugend“
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07:54 05.04.2019
„Würde die ältere Generation ihre Selbstverpflichtung beim Klimaschutz ernst nehmen, bräuchten die Schüler die Schulpflicht nicht verletzen“: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin. Quelle: dpa
Berlin

Können die „Fridays for Future“-Aktivisten etwas für mehr Klimaschutz bewirken – oder sind sie dafür doch zu brav? Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin hat in den sechziger und siebziger Jahren selbst reichlich Protesterfahrung gesammelt. Im Interview erzählt der frühere Bundesumweltminister von den Parallelen zwischen damals und heute – und von den Unterschieden.

Herr Trittin, fühlen Sie sich freitags beim Anblick der protestierenden Schüler an Ihre Jugend erinnert?

Ich freue mich darüber! Jahrelang hieß es, die Jugend von heute sei schlapp und selbstbezogen. Von wegen. Da gehen sehr aufgeweckte, kreative, gut informierte und beharrliche Schülerinnen und Schüler auf die Straße. Klar, das erinnert mich an meine Jugend. Und wie damals gibt es auch heute alte Säcke, pardon, Besserwisser. Die rufen jetzt: „Schulpflicht!, Schulpflicht!“ Die Wahrheit ist: Würde die ältere Generation ihre Selbstverpflichtung beim Klimaschutz ernst nehmen, bräuchten die Schüler die Schulpflicht nicht verletzen.

Junge Menschen empört Heuchelei

Sehen Sie weitere Gemeinsamkeiten?

Protestbewegungen werden oft als Gegen-alles-Bewegungen diffamiert, erst werden sie belächelt, dann bekämpft. Aber ähnlich wie die 68er klagt auch die „Fridays for Future“-Bewegung Dinge ein, die in der Gesellschaft angeblich Konsens sind. Bei den 68ern war es Demokratie, Frieden, die Wahrung der Menschenrechte. Heute geht es um die Begrenzung der Klimakrise. Sie wurde von der Staatengemeinschaft zugesagt, wird aber nicht umgesetzt. Nichts empört junge Menschen mehr als Heuchelei und die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln.

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Ein Unterschied zu früher ist die breite Unterstützung, die die „Fridays for Future“-Aktivisten von Eltern, Lehrern und Politikern erfahren. Fehlt der heutigen Generation ein Gegner?

Naja, wenn ich in die Unionsparteien oder zur FDP schaue, ist da nicht weit her mit der breiten Unterstützung. Aber dann gibt es da noch die Kanzlerin. Frau Merkel kann nach 13 Amtsjahren keinerlei Fortschritte beim Klimaschutz vorweisen. Dennoch sagt sie, sie ließe sich von den jungen Menschen gern treiben. Die Bigotterie ist heute größer als früher. Aber die Schüler erkennen Bigotterie und wissen damit umzugehen.

Fridays for Future“ klagt das Nichtstun, das Versagen der älteren Generation an. Fühlen Sie sich angesprochen?

Ja, natürlich. Wir Grüne haben seit Jahren keine Chance mehr, die Klimapolitik entscheidend zu beeinflussen. Wo wir aus der Opposition heraus etwas bewegen konnten – etwa bei der Kohlekommission –, sind die Ergebnisse auch aus unserer Sicht nicht ausreichend. Solange im Verkehr, bei der Landwirtschaft und der Wärme nichts passiert, werden wir nach den Klimaschutzzielen 2020 auch die für 2030 krachend verfehlen. Für uns sind die Proteste daher eine Mahnung, mehr dafür zu tun, dass wir wieder in Verantwortung kommen. Ohne die Grünen in der Regierung passiert beim Klimaschutz nichts.

Schüler sind wohlerzogen, aber in der Sache knallhart

Sind die Schüler radikal genug, um ihre Anliegen durchzubringen?

Die Schüler sind im besten Sinne radikal. Sie verwechseln nicht die Radikalität der Attitüde mit der Radikalität des Anliegens. Sie treten quasi wohlerzogen auf, aber in der Sache sind sie knallhart. Sie fordern die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 1,5 Grad und die dafür nötigen Maßnahmen. Sie haben es überhaupt nicht nötig, krawallig aufzutreten. Ihre Forderung ist radikal.

Wie prägend ist die Teilnahme an Demos für den Einzelnen, für eine Generation?

Politisches Engagement im Jugendalter ist eine Prägung, die Sie ihr Leben lang begleitet. In der einen oder in der anderen Form – einige distanzieren sich ja später demonstrativ davon. Jetzt haben wir es mit einer Generation zu tun, die sich in Zeiten eines weltweit um sich greifenden Nationalismus einer globalen Verantwortung stellt. Das ist eine Prägung, die mich für die Zukunft doch optimistisch stimmt.

Von Marina Kormbaki/RND

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