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Deutschland / Welt Merkel: Frustration von Ostdeutschen „nicht verwunderlich“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Merkel: Frustration von Ostdeutschen „nicht verwunderlich“
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15:57 23.01.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel, (CDU). Quelle: Kay Nietfeld(dpa
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Berlin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt auf die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland. Dies sei genauso wie die Gleichberechtigung der Frauen „eine herausragende Aufgabe von Politik“, sagte Merkel der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Sie äußerte Verständnis für Wut und Unzufriedenheit in Ostdeutschland: „Ich finde es nicht so verwunderlich, dass es in Ostdeutschland Frustrationen gibt.“ Das Land sei vielleicht nie so versöhnt gewesen, „wie man dachte.“ Sie tue sich aber schwer, zu sagen, das Land sei so gespalten wie nie zuvor.

Hoffnungen, die Angleichung werde schnell gehen, „sind in einigen Bereichen zerstoben“, erklärte Merkel. Viele Ostdeutsche hätten lange akzeptiert, weniger zu verdienen, auch seien sie noch immer in vielen Führungspositionen unterrepräsentiert, fügte Merkel hinzu.

Landtagswahlen im Herbst – AfD-Erfolge erwartet

Mit Blick auf die im Herbst anstehenden drei Landtagswahlen in Ostdeutschland, wo Erfolge der rechtspopulistischen AfD erwartet werden, sprach Merkel von einer großen politischen Herausforderung. In Ostdeutschland gebe es noch große strukturelle Probleme, sagte Merkel.

„Die DDR-Gesellschaft war nun einmal ganz und gar anders aufgebaut als die alte Bundesrepublik, und das wird in den alten Bundesländern bis heute zu wenig verstanden“, so die in Hamburg geborene aber in Ostdeutschland aufgewachsene CDU-Politikerin.

Auch, dass die Wut im Osten sich oft gegen sie persönlich richte, überrasche sie nicht: „Das ist nicht paradox“, sagt Merkel. „Das begann schon mit der Euro- und Finanzkrise und hat sich dann durch die vielen Flüchtlinge, die zu uns kamen, noch einmal verstärkt.“

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Männer sitzen dort, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden

Damals habe es sich um eine humanitäre Notsituation gehandelt. „Es hat mich aber nicht verwundert, dass sich viele Menschen in den neuen Ländern mit einer solchen Entscheidung noch etwas schwerer taten als die in den alten Ländern. Es gab in der DDR zu wenig Erfahrung mit anderen Kulturen“, so die 64-Jährige.

In der DDR habe es etwa eine wirkliche Gleichberechtigung nie gegeben: „Dass nie ein Vollmitglied des Politbüros weiblich war, dass es keine Kombinatsleiterin gab, das zeigte doch, dass dort, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen wurden, Männer saßen.“

Sicherlich habe es eine pragmatischere Einstellung zu technischen Berufen gegeben, aber das habe auch mit der staatlichen Lenkung zu tun gehabt. „Ob all die Frauen aus freien Stücken Ingenieurtechnik und Zerspaner studiert oder gelernt hätten? Da bin ich mir nicht sicher. Das lag doch eher am Fachkräftemangel und an der überhaupt mangelnden Effizienz der DDR-Wirtschaft“, so die Bundeskanzlerin.

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Natürlich sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der DDR sehr viel selbstverständlicher gewesen, so Merkel. „Aber wenn man hinter die Kulissen geschaut hat, wurde schnell klar, dass die Erziehungs- und Hausarbeit sehr stark an den Frauen hängen blieb. Kombinatsdirektoren und Politbüro-Mitglieder waren eben Männer, und das waren natürlich auch die prägenden Rollenmodelle. Da war die DDR nicht vorbildlich, finde ich“, sagte die Kanzlerin.

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Von RND/epd/lf

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