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Deutschland / Welt Katarina Barley stellt sich in den Dienst der Partei
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Katarina Barley stellt sich in den Dienst der Partei
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19:09 16.10.2018
Katarina Barley: überzeugende europäische Geschichte. Quelle: dpa
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Berlin

Es ist ein kleiner Befreiungsschlag für Andrea Nahles. Mit der Nominierung von Katarina Barley zur SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl schafft die Parteichefin ein Problem aus der Welt, das ihr zuletzt wie ein Mühlstein um den Hals hing. Ausgerechnet die SPD, die sich so gerne als Europapartei inszeniert, wollte partout keinen Spitzenmann oder keine Spitzenfrau für die wichtige Wahl im kommenden Frühjahr finden. Der Auswahlprozess drohte zur Posse zu verkommen.

Nun also Barley. Die Nominierung der gebürtigen Kölnerin ist eine überzeugende, vielleicht sogar die bestmögliche Entscheidung in dieser Situation. Barley hat eine glaubwürdige europäische Geschichte zu erzählen: Ihr Vater ist Brite, ihr Wahlkreis für den Bundestag liegt in einer Grenzregion, ihr Studienort war Paris, ihr Lebenspartner ist Niederländer. Die Juristin denkt schnell, ist in der Talkshow trittsicher und bringt die nötige Portion Charisma mit, um Menschen zu begeistern. Das Wichtigste aber: Barley verbreitet gute Laune. Das ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal in der SPD.

Nahles weiß, dass ihr mit der Personalie ein Coup gelungen ist. Das Lächeln der Partei- und Fraktionschefin am Dienstag sprach Bände. Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können, denn die Partei liegt seit der Bayern-Wahl am Boden. Zwar reden alle über die CSU, aber in Wahrheit ist die SPD die größte Wahlverliererin. Um mehr als die Hälfte sind die Genossen abgestürzt. Es ist ein Desaster.

Barley zahlt einen hohen Preis

Nur mühsam gelingt es der SPD-Führung, die Debatte um Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz zu unterdrücken. Noch wirkt die anstehende Hessen-Wahl disziplinierend, aber danach droht eine Abrechnung – oder sogar eine Revolution. In dieser Lage sind gute Nachrichten für Nahles fast schon überlebenswichtig. Barley hat der SPD-Chefin deshalb mehr als nur ein Personalproblem vom Hals geschafft.

Die 49-jährige Juristin steht nun vor der größten Herausforderung ihrer Karriere. Sie zahlt für das Abenteuer Brüssel einen hohen Preis. Ihren sicheren Ministerposten in Berlin muss sie aufgeben und zieht dafür in einen Wahlkampf, in dem es für die SPD nach Lage der Dinge viel zu verlieren aber wenig zu gewinnen gibt. 27 Prozent hat Spitzenkandidat Martin Schulz bei der letzten Europawahl geholt. Das Ergebnis wäre heute eine Sensation. Schulz hatte neben der deutschen auch die europäische Spitzenkandidatur inne, was seiner Kampagne den nötigen Schwung verlieh.

Barley startet unter deutlich schlechteren Voraussetzungen. Als Lohn erwartet sie ein einfaches Mandat im Europaparlament. Für eine Bundesministerin ist das keine besonders verlockende Aussicht. Barley stellt sich in den Dienst der Partei, indem sie die heikle Mission trotzdem wagt. Für die SPD ist das ein Grund zur Hoffnung. Der erste seit Langem.

Von Andreas Niesmann/RND

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