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Deutschland / Welt Kind (8) aus Guatemala in US-Gewahrsam gestorben
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kind (8) aus Guatemala in US-Gewahrsam gestorben
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09:55 26.12.2018
Asylbewerber werden von US-Grenzschutzbeamten in Gewahrsam genommen. (Symbolfoto) Quelle: Moises Castillo/AP/dpa
Houston

Binnen Wochen ist ein zweites Migrantenkind in US-Gewahrsam nahe der Südgrenze zu Mexiko gestorben. Der achtjährige Junge aus Guatemala habe am Montag „Anzeichen einer potenziellen Erkrankung“ aufgewiesen und sei mit seinem Vater in eine Klinik in Alamogordo im Staat New Mexico gebracht worden, teilte die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP am Dienstag mit. Dort sei eine Erkältung und ein Fieber festgestellt worden. Dem Jungen seien Medikamente verschrieben worden, am Nachmittag sei er dann entlassen worden. Doch sei er am selben Abend wegen Übelkeit und Brechreiz wieder ins Krankenhaus gekommen, wo er kurz nach Mitternacht (Ortszeit) gestorben sei.

Die Todesursache war unklar. Der Grenzschutz benachrichtigte den Generalinspektor des übergeordneten Heimatschutzministeriums sowie die Regierung Guatemalas. Nach Angaben des Außenministeriums des zentralamerikanischen Landes hatte der Junge mit seinem Vater am 18. Dezember das texanische El Paso betreten. Am Sonntag seien sie dann in eine CBP-Einrichtung im 145 Kilometer entfernten Alamogordo gebracht worden. Das Ministerium forderte Ermittlungen „im Rahmen eines rechtsstaatlichen Verfahrens“.

Wie lange Vater und Sohn in Gewahrsam waren, hat der Grenzschutz bisher nicht mitgeteilt. In deren Erklärung hieß es nur, Beamte hätten den Jungen bereits „vorher aufgegriffen“.

Erst Anfang Dezember stirbt Mädchen in Gewahrsam

Die Behörde CBP hält Migranten nach einem illegalen Grenzübertritt in der Regel nicht länger als ein paar Tage fest. Entweder werden sie freigelassen oder für eine längere Ingewahrsamnahme an die unter anderem für Polizeiaufgaben zuständige Einwanderungsbehörde ICE übergeben. Laut Richtlinien sollten Migranten nicht für gewöhnlich länger als 72 Stunden in CBP-Einrichtungen festgehalten - diese sind in der Regel kleiner und mit weniger Dienstleistungen ausgestattet als die ICE-Haftzentren. Eltern und Kinder werden fast immer schnell freigelassen, da es in ICE-Hafteinrichtungen für Familien wenig Platz gibt.

Erst Anfang Dezember war ein ebenfalls aus Guatemala stammendes Mädchen gestorben, nachdem es von Grenzschutzbeamten in New Mexico in Gewahrsam genommen worden war. Die Leiche von Jakelin Caal wurde am Montag an ihre Herkunftsfamilie in einem abgelegenen Dorf überstellt. Am Dienstag sollte sie beigesetzt werden.

Demokratische Kongressmitglieder und Fürsprecher von Migranten übten scharfe Kritik am Umgang der Grenzschutzbehörde CBP mit Jakelin. Sie warfen die Frage auf, ob Beamte ihren Tod hätten verhindern können, indem sie früher auf Symptome hätten achten oder schneller einen Krankentransport per Helikopter hätten anfordern können. Laut CBP dauerte es mehrere Stunden, bis Jakelin und ihr Vater von einer abgelegenen Einrichtung in ein größeres Gebäude und dann in ein Krankenhaus in El Paso gebracht werden konnten.

Viele Familien aus Guatemala sind in den vergangenen Wochen nach New Mexico gekommen. Oft landen sie in weit abgeschlagenen und gefährlichen Wüstengebieten. Jakelin und ihr Vater waren mit 161 anderen Menschen unterwegs, als sie in Antelope Wells rund 370 Kilometer südwestlich von Alamogordo aufgegriffen wurden. Felipe Gonzalez, UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte von Migranten, warf der Regierung von US-Präsident Donald Trump vor, mit der Inhaftierung von Kindern wegen ihres Einwanderungsstatus gegen internationales Recht zu verstoßen.

Von RND/dpa