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Deutschland / Welt Boris Palmer sucht Ärger – und findet die Bahn
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19:02 24.04.2019
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat ein Problem mit der Werbung der Bahn. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Eine offenbar bedauernswerte Gruppe geistert seit einer Weile durch Deutschland. Die „weißen alten Männer“ seien eine benachteiligte Minderheit, beklagen vornehmlich weiße, meist zumindest etwas ältere Männer. Sie haben über Jahrzehnte die Entscheidungsstrukturen des Landes in Politik und Wirtschaft dominiert und tun es noch. Allerdings wird jetzt ein bisschen an der Macht gekratzt: Es gibt Frauenquoten.Und der so genannte Migrationshintergrund ist nicht mehr in jedem Fall ein Karrierehindernis. Das scheint zu schmerzen.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, stets auf der Suche nach einem Grund für Empörung, hat das Motiv nun aufgegriffen. Die Deutsche Bahn werbe auf ihrer Internet-Seite mit fünf Personen, von denen nur eine „keinen Migrationshintergrund zu haben“ scheine, hat sich Palmer auf Facebook beschwert. „Alte weisse Männer“ kämen als Reisende bei der Bahn offenbar nicht vor. Und man müsse fragen, welche Gesellschaft die Bahn damit abbilden wolle.

Mal abgesehen davon, dass nicht fünf, sondern sechs Personen abgebildet sind, davon zwei ältere Männer, davon einer mit hellerer Hautfarbe – muss man fragen, welches Gesellschaftsbild Palmer hat. Bei wie vielen älteren weißen Männern wäre die Werbung in seinen Augen in Ordnung gewesen? Hätte der sehr hellhäutige Rennfahrer Nico Rosberg als Werbefigur aussortiert werden müssen, weil er einen finnischen Vater hat – also Migrationshintergrund? Und reisen in der Bahn womöglich nicht nur Tübinger Oberbürgermeister, sondern auch Menschen aus aller Welt?

Es gibt auch einen Trost für Palmer: Das Schmuckbild der Bahn zur Rubrik „Pendler und Vielfahrer“ ist ein mittelalter Mann in Anzug und Krawatte. Wenn es um Manager-Arbeitswelt-Assoziationen geht, ist die Welt bei der Bahn doch offenbar noch ganz die alte.

Von Daniela Vates/RND

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