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Deutschland / Welt Zuckerberg spielt auf Zeit
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08:41 01.04.2019
Mark Zuckerberg bei einer Anhörung auf dem Capitol Hill in Washington über die Verwendung von Facebook-Daten. Quelle: Andrew Harnik/AP/dpa
Kommentar

Beim ersten Lesen reibt man sich noch die Augen. Ausgerechnet Facebook-Chef Mark Zuckerberg schlägt vor, seinem Unternehmen Fesseln anzulegen. Internationale Regeln zum Schutz von Daten oder Menschenrechten sollen nationale ersetzen – und am Ende das Internet zu einem besserem Ort machen.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass der Facebook-Boss dafür die in Europa lange gescholtene EU-Datenschutzgrundverordnung DSGVO über den grünen Klee lobt.

Er tat es, als 2018 bekannt wurde, dass Facebook Jahre zuvor illegal Nutzerdaten an eine Analysefirma geliefert hatte, die im US-Präsidentschaftswahlkampf für Donald Trump arbeitete. Er tut es nun wieder, nachdem der Christchurch-Attentäter seine Morde 17 Minuten lang live auf Facebook streamen konnte – ohne dass die Übertragung durch die Plattform unterbrochen wurde.

Facebook steht schwer unter Druck

Zuckerberg reagiert allerdings nur statt zu agieren. Lange lehnte er alle Regeln, die nicht seine eigenen waren, stoisch und mitunter auch arrogant ab. Inzwischen steht Facebook jedoch schwer unter Druck. Datenskandale, mögliche politische Manipulationen und zuletzt das Live-Video des Massenmörders von Christchurch haben erheblich zum Vertrauensverlust bei Facebook-Nutzern beigetragen. Viele sind einfach gegangen.

Was also will Zuckerberg? Ihm geht es wohl weniger um die Regeln als darum Zeit zu gewinnen. Weltweit einheitliche Standards – das klingt sympathisch. Sie aufzustellen, das weiß Zuckerberg von der DSGVO, dauert aber ewig. Ganz zu schweigen davon, sie dann auch noch durchzusetzen. Weltweit.

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Von Thoralf Cleven/RND

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