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Deutschland / Welt Kommentar: Wir brauchen keine neue Hymne
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kommentar: Wir brauchen keine neue Hymne
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17:49 09.05.2019
Ein Faksimile, das die dritte Strophe des Deutschlandliedes von Heinrich Hoffmann von Fallersleben zeigt. Quelle: Peer Grimm/dpa
Berlin

Das hatte noch gefehlt: Eine Debatte über die deutsche Nationalhymne. Zwar ist es kein Wunder, dass sie im 30. Jahr des Mauerfalls nun jemand angestoßen hat, der demnächst eine Wahl bestehen muss – Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der wohl glaubt, sich so Aufmerksamkeit und Profil zu verschaffen. Allein, die Idee ist verfehlt. Und die Debatte wird zu nichts führen.

Ramelows These, dass vielen gerade im Osten die Hymne fremd geblieben sei, mag stimmen. Es gilt gewiss für viele Migranten. Die wiederkehrenden Auseinandersetzungen darüber, welche Fußball-Nationalspieler die Hymne mitsingen und welche nicht, legen darüber beredtes Zeugnis ab. Ostdeutsche und Migranten kamen mit anderen Geschichten in dieses Land. Der Grad der Identifikation mit ihm und seinen Symbolen ist verschieden.

Eine Hymne brauchte Geschichte

Gleichwohl war „Einigkeit und Recht und Freiheit“ das, was zumindest die Mehrheit der Ostdeutschen 1990 wollte. Überdies ist eine Hymne immer kondensierte Geschichte. Und sie braucht eine Geschichte – zuweilen eine widersprüchliche wie die deutsche mit ihrer heute zu recht verfemten ersten und ihrer zu recht gesungenen dritten Strophe.

Wer die dritte Strophe singt, der tut dies in der Regel in dem Bewusstsein, dass es die erste gibt. Ja, vielfach singt er gegen diese an. Auch braucht eine Hymne Patina. Die kann nur mit der Zeit kommen und nicht vom Reißbrett.

Das ist das eine. Das andere ist, dass es in diesen polarisierten Zeiten unmöglich wäre, sich auf eine neue Hymne zu verständigen. Das würde weder inhaltlich noch ästhetisch gelingen. Eher würde die Suche zur Verballhornung der Hymne führen. Im Ausland schließlich würden sich alle fragen, was mit den Deutschen los sei und ob sie denn verrückt geworden seien.

Gott bewahre uns also vor dieser Diskussion. Je eher sie endet, desto besser.

Lesen Sie hier: Die Geschichte der Nationalhymne

Von Markus Decker/RND

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