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Deutschland / Welt Die CDU funktioniert ab sofort ohne Merkel
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Die CDU funktioniert ab sofort ohne Merkel
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17:09 25.01.2019
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Quelle: Kay Nietfeld/dpa
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Berlin

Wenn die CDU in zwei Wochen noch mal über die Flüchtlingspolitik diskutiert, wird eine zentrale Person nicht dabei sein: Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt dem sogenannten Werkstattgespräch fern, das die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer als ihr erstes sichtbares Projekt anberaumt hat.

Das ist gleichzeitig befremdlich und verständlich.

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Der befremdliche Teil: Es wirkt, als ducke sich Merkel weg vor eine Debatte um die Politik, die sie bestimmt hat. Und weil sie zwar den Parteivorsitz, nicht aber die Kanzlerschaft aufgegeben hat, würde sie den Status „Fachleute“ durchaus erfüllen, die Kramp-Karrenbauer als Teilnehmer der Konferenz vorgegeben hat.

Eine Gratwanderung für die CDU – schon jetzt

Dennoch lässt sich die Entscheidung auch anders wahrnehmen: Schon jetzt ist es eine Gratwanderung für die CDU, die Konferenz nicht in ein Tribunal über Angela Merkel ausarten zu lassen. Unabhängig von der Beurteilung von Merkels Politik würde das die CDU wohl kaum weiterbringen, sondern im Gegenteil nur neue Gräben aufreißen. Schließlich gibt es in der Partei nicht nur Merkel-Gegner. Eine Teilnahme der Kanzlerin würde den Fokus automatisch auf ihre Person richten. Es wäre wesentlich mühsamer, nach vorne zu schauen, so wie es sich Kramp-Karrenbauer vorgenommen hat. Die neue Chefin will mit der Partei ihren eigenen Weg finden. Da kann es eigentlich nur stören, wenn Merkel als Referenzperson immer im Blick und im Zweifel auch im grelleren Scheinwerferlicht ist.

Die CDU verzichtet auf ihre einstige Chefin

Die Abwesenheit Merkels bei einer der wichtigsten Konferenzen der CDU bedeutet deshalb vor allem dies: Die CDU funktioniert ab sofort ohne Merkel, sie verzichtet auf ihre einstige Chefin. Es ist nicht ausgeschlossen, dass mit der Konferenz sogar ein Konfronationskurs eingeleitet wird. Der würde dann etwas geregelteren Bahnen verlaufen als ein Aufstand auf einer Konferenz. Und Kramp-Karrenbauer könnte den Ablösungsprozess mit ihrem Namen verbinden.

Von Daniela Vates/RND