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Deutschland / Welt Regierung will Rückkehr in den Pflegeberuf fördern
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08:54 04.06.2019
Mehr Geld für Pflege-Fachkräfte: An diesem Dienstag werden die Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege vorgestellt. Quelle: Oliver Berg/dpa
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Berlin

Der Wiedereinstieg in den Pflegeberuf soll künftig verstärkt gefördert werden – ebenso wie der Umstieg von Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung. Das geht aus dem Abschlussbericht der „Konzertierten Aktion Pflege“ hervor, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt und der an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt werden soll.

„Viele beruflich Pflegende unterbrechen zeitweilig oder längerfristig ihre Berufstätigkeit oder steigen ganz aus dem Beruf aus“, heißt es in dem Papier. Dabei könnten sich viele, die wegen Überlastung oder aufgrund mangelnder Vereinbarkeit mit Familie oder Pflege von Angehörigen aus dem Beruf ausgestiegen seien, eine Rückkehr grundsätzlich vorstellen. Sie hätten allerdings das Bedürfnis „nach flexiblen Arbeitszeiten, wenig Schichtdiensten und verlässlicher Dienstplanung“.

„Unfreiwillige Teilzeit deutlich reduzieren“

Laut dem Bericht wollen die Partner der „Konzertierten Aktion Pflege“, zu denen auch Arbeitgeber und Träger zählen, Rückgewinnungsprogramme auf den Weg bringen. Das Bundesgesundheitsminister sagt zu, eine finanzielle Förderung dafür zu prüfen. Außerdem soll der Anteil von „nicht gewünschter beziehungsweise unfreiwilliger Teilzeit“ in der Pflege deutlich reduziert werden. Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sollen auch Fachkräfte aus dem Ausland gezielt angeworben werden.

Die Pläne sollen an diesem Dienstag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Arbeitsminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) vorgestellt werden. Die Konzertierte Aktion ist ein von der Regierung initiierter Gesprächsprozess mit Sozial- und Arbeitgeberverbänden.

Mehr Digitalisierung, mehr Zeit für die Pflege

Den Plänen zufolge soll künftig verstärkt auf Digitalisierung in der Pflege gesetzt werden – zur Entlastung der Beschäftigten. So sollen ambulante Pflegedienste „spätestens ab dem 1. Oktober 2022“ ihre Leistungen nur noch auf elektronischem Weg mit den Pflegekassen abrechnen. Dadurch könnten jedes Jahr rund 523.000 Arbeitsstunden eingespart werden. „Diese Zeit könnte künftig für andere pflegerelevante Aufgaben zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Bericht.

Der Sozialverband VdK fordert eine bessere Bezahlung von Fachkräften in der Branche – ohne zusätzliche finanzielle Belastungen für Pflegebedürftige. „Es ist richtig, dass Pflegekräfte unter besseren Bedingungen arbeiten und mehr Gehalt bekommen“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem RND. „Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass das Umsetzen einzelner Maßnahmen zu mehr Ausgaben in der Pflegeversicherung führen wird. Es darf aber nicht sein, dass die Kostensteigerungen den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden.“

„Große Veränderungen im System Pflege

Bentele sagte, es sei zu begrüßen, dass die Herausforderungen in der Pflege endlich angepackt würden: „Die Ergebnisse sind jedoch nur ein kleiner Schritt, es braucht unbedingt große Veränderungen im System Pflege.“ Der Eigenanteil Pflegebedürftiger müsse auf das derzeitige Niveau begrenzt werden.

„Mittelfristig ist eine Entkopplung der Eigenbeteiligung Pflegebedürftiger von den realen Kosten in der Pflege wichtig. Das lässt sich nur durch die Einführung einer Pflegevollversicherung erreichen, die sämtliche Kosten in der Pflege abdeckt“, sagte die VdK-Präsidentin.

„Um eine Pflegevollversicherung finanzieren zu können, braucht es Steuerzuschüsse, die die Mehrkosten der Pflegeversicherung ausgleichen.“ Da immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen seien, sollten die Eigenanteile perspektivisch sinken, so Bentele.

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Eine Arbeitsgruppe der Konzertierten Aktion Pflege fordert deutlich mehr Geld für die Pflegeversicherung – zur Finanzierung höherer Löhne in der Branche.

„Ziel ist es, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu ermöglichen“, heißt es in einer 19-seitigen Vereinbarung der Arbeitsgruppe unter Leitung des Bundesarbeitsministeriums. „Zugleich sind Pflegebedürftige und ihre Familien vor einer Überforderung bei den Eigenanteilen in der Pflege zu schützen.“

„Verbesserte Finanzausstattung erforderlich“

In der Vereinbarung der Arbeitsgruppe, an der auch Spitzenvertreter verschiedener Pflegeträgern beteiligt waren, heißt es, es bestehe Einigkeit darüber, „dass eine Verbesserung der Entlohnung eine Anhebung der Leistungsbeträge und damit einhergehend eine weiter verbesserte Finanzausstattung der Pflegeversicherung erforderlich macht“.

Wo die Mittel allerdings herkommen sollen, darüber besteht in der Arbeitsgruppe kein Konsens. Es seien die Spannungsfelder „Beitragssatzstabilität, Generationengerechtigkeit, Weiterentwicklung der Pflegeversicherung und andere Finanzierungswege“ diskutiert worden, heißt es in dem Bericht.

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Von Rasmus Buchsteiner/RND

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