Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Kretschmann zu Flugschamdebatte: “Ich halt’ von dieser ganzen Moralisiererei wenig“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kretschmann zu Flugschamdebatte: “Ich halt’ von dieser ganzen Moralisiererei wenig“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:53 07.08.2019
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht bei einem Interview mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Quelle: Marijan Murat/dpa
Anzeige
Stuttgart

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann will den Menschen nach eigenen Worten keinen Lebensstil vorschreiben - auch nicht für den Klimaschutz. “Ich halt’ von dieser ganzen Moralisiererei wenig“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur etwa mit Blick auf die Debatte über Flugscham. “Rumzumoralisieren ist Aufgabe von Eltern, von Erziehern, von Kirchen, von Philosophen, von der Gesellschaft überhaupt - aber nicht von der Politik.“ Es sei nicht Aufgabe der Politik, den Leuten zu sagen, was sie essen dürfen und was nicht und wie sie sich fortbewegen. “Das ist Bestandteil der persönlichen Lebensführung.“

Die Politik müsse aber die Dinge so ordnen, dass umweltschädliches Verhalten teuer und im Extremfall auch verboten werde. Sie müsse vor allem praktikable Lösungen bieten statt zu moralisieren. “Wenn meine Politik dazu führt, dass Leute wie Trump regieren, habe ich ‚was falsch gemacht“, sagte Kretschmann. “Deshalb reden wir über eine CO2-Bepreisung und nicht darum, ob man fliegen darf.“

Weiter sagte er zu einem möglichen Verbot innerdeutscher Flüge. „Wir müssen einen anderen Weg gehen und attraktive Alternativen anbieten.“ So müsse man an technischen Lösungen arbeiten, etwa Flugzeuge mit synthetischen Kraftstoffen zu betanken, um der Umwelt nicht zu schaden. Zusätzlich müssten eine Kerosinsteuer eingeführt und attraktive Alternativen wie Schnellbahntrassen entwickelt werden. „Kurzflüge von Stuttgart nach Frankfurt oder München sind Unsinn, aber auf Flüge nach Berlin kann ich aus Zeitgründen nicht verzichten“, sagte er.

Forscher nimmt Änderungen bei Flugverhalten wahr

Nach Einschätzung des Berliner Mobilitätsforschers Andreas Knie haben die Fridays-for-Future-Demos Folgen für den Flugverkehr. „Wir gehen davon aus, dass ab dem kommenden Sommer etwa ein Viertel weniger Billigflugangebote gebucht werden“, sagte der Professor für Soziologie an der TU Berlin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die meisten Reisenden hätten ihre Flüge für den laufenden Sommer bereits im vergangenen Jahr gebucht, erläuterte er. „Das Bewusstsein, dass Fliegen jetzt nicht unbedingt klimafreundlich ist“, habe jedoch erst seit Anfang des Jahres Dominanz gewonnen. Bereits jetzt zeigten sich bei Befragungen Änderungen im Verhalten, sagte der Mobilitätsforscher: „Mal eben schnell für 38 Euro nach Barcelona zu fliegen ist bei den Sensiblen bereits deutlich zurückgegangen.“

„Ich glaube nicht, dass sie es schaffen“

Eine CO2-Bepreisung hält der Forscher für sinnvoll, zweifelt aber an einer umfassenden Lösung. „Das, was zurzeit diskutiert wird, ist nur Stückwerk“, kritisierte Knie. Eigentlich hätte das Klimakabinett die Sommerpause nutzen müssen, um für den Herbst einen integrierten CO2-Reduktionsplan auszuarbeiten. „Wahrscheinlich würde dieser dann mit einer CO2-Bepreisung plus Kompensation enden. Aber ehrlich gesagt: Ich glaube nicht, dass sie es schaffen“, sagte der Wissenschaftler der Zeitung.

Von RND/dpa

Ob Gerichtsurteile zu Fahrverboten für Diesel 5 in Stuttgart umgesetzt werden, hängt maßgeblich von der Landesregierung ab, argumentieren die Umweltschützer. Hat der Antrag tatsächlich Erfolg, drohen Winfried Kretschmann (Grüne) bis zu sechs Monate Gefängnis.

07.08.2019

Kinder, die nur wenig oder gar kein Deutsch können, „gehören nicht in die Grundschule“: So sagt es der CDU-Politiker Carsten Linnemann – und löst damit eine neue Bildungsdebatte aus: Wie soll Deutschland umgehen mit den oft großen Sprachproblemen der Allerkleinsten?

07.08.2019

So schlecht wie im Moment stand die SPD in Umfragen noch nie dar. Bei den Wahlkämpfern im Osten der Republik wächst die Unruhe. Thüringens Landeschef Wolfgang Tiefensee fordert Konsequenzen.

07.08.2019