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Deutschland / Welt Kriegsverbrecherprozess gegen Demjanjuk mit Verspätung begonnen
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12:49 30.11.2009
Andrang zum Demjanjuk-Prozessauftakt: Journalisten warten vor dem Landgericht in München. Quelle: ddp (Archiv)
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Unter chaotischen Begleitumständen hat am Montag vor dem Landgericht München einer der wohl letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse begonnen. Vor Gericht steht der mutmaßliche ehemalige Wächter des deutschen Vernichtungslagers Sobibor, John Demjanjuk. Dem 89-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll er im Sommer 1943 in Sobibor in Polen Tausende Juden aus Deportationszügen in die Gaskammern getrieben haben. Der Angeklagte schwieg bislang zu den Vorwürfen.

Die Verhandlung gilt als einer der größten Prozesse der vergangenen Jahre. Zum Auftakt kamen mehr als 200 Journalisten ins Landgericht. Zudem treten bislang rund 40 Nebenkläger auf, großteils Angehörige von in Sobibor Ermordeten. Die Hunderte Reporter und Zuschauer mussten stundenlang warten, bis sie eingelassen wurden. Im Saal selbst stehen nur 147 Plätze zur Verfügung, davon 68 für Medienvertreter. Die Justizbehörden zeigten sich völlig überfordert mit der Situation. Es gab erhebliche Drängeleien und Schubsereien auf dem Weg vom Haupteingang zum Gerichtssaal. Der Prozess begann mit eineinviertel Stunden Verspätung.

Schon einmal stand Demjanjuk, dessen Geburtsname Iwan lautet, vor Gericht: 1988 wurde er in Jerusalem zum Tode verurteilt, jedoch 1993 wieder freigesprochen, weil Zweifel an seiner Identität blieben. Man hatte ihn für „Iwan den Schrecklichen“ gehalten, der in Treblinka die Gaskammern bediente. Mittlerweile scheint die Identität Demjanjuks geklärt. Laut Anklage geriet er 1942 auf der russischen Halbinsel Krim in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach wenigen Wochen holten ihn SS-Offiziere in das Ausbildungslager Trawniki in Polen, 1943 soll er als Wächter in Sobibor eingesetzt gewesen sein.

Rechtsausschuss-Chef Kauder sieht Demjanjuk-Prozess als Prüfstein

Der Demjanjuk-Kriegsverbrecherprozess in München ist nach Ansicht des Rechtsausschussvorsitzenden im Bundestag, Siegfried Kauder (CDU), ein Prüfstein für das weltweite Ansehen Deutschlands. „Die ganze Welt wird auf diesen Prozess ein Augenmerk richten und wird genau kontrollieren, wie Deutschland mit solchen Thematiken umgeht. Und ich finde es gut, dass Deutschland sich entschieden hat, diesen Mann vor einem deutschen Gericht zur Verantwortung zu ziehen“, sagte Kauder am Montag dem Radiosender SWR2.

Den Vorsitzenden Richter Ralph Alt sieht Kauder durchaus unter Erwartungsdruck. „Selbstverständlich entsteht da schon ein Druck, wenn man weiß, dass am nächsten Tag die Medienwelt voll ist von dem, was ein Richter da in einem Prozess darstellt und welche Fragen er stellt und wie er sich auf Antworten eines Angeklagten einlässt.“

ddp

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