Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Länder wollen härter gegen Hochzeitskorsos vorgehen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Länder wollen härter gegen Hochzeitskorsos vorgehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:07 27.04.2019
Ein Blumengesteck auf einem Auto (Symbolfoto). Immer wieder kommt es bei Hochzeitskorsos zu Zwischenfällen. Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Berlin

Ein freudiges Ereignis wächst sich derzeit in vielen Städten zum Problem aus: Autokorsos auf Hochzeitsfeiern. Längst wird von den Festgästen nicht nur gehupt, sondern auch der Straßenverkehr blockiert, werden andere Verkehrsteilnehmer genötigt oder es wird sogar mit Feuerwaffen geschossen – als Salutschüsse in die Luft. Nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen planen deshalb mehrere Bundesländer, jetzt härter dagegen vorzugehen.

Das niedersächsische Innenministerium will den Umgang mit den Autokorsos „zeitnah in den Gremien der Polizei der Länder und des Bundes thematisieren“, sagte ein Ministeriumssprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ziel sei, konsequenter gegen Straftäter und Verursacher vorgehen zu können. Inzwischen sei nämlich bundesweit festzustellen, dass die Fahrt zur Hochzeit „von bestimmten Gruppierungen dazu genutzt wird, Straftaten oder erhebliche Ordnungswidrigkeiten zu begehen“.

Blockaden und Schüsse bei Autokorsos

Erst vorvergangene Woche wurde bei einem Hochzeitkorso auf einer niedersächsischen Bundesstraße aus einem Auto heraus geschossen. In Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei allein am Osterwochenende zu 38 Einsätzen mit Hochzeitkorsos gerufen. Bei Gladbeck sollen rund 50 Fahrzeuge die Autobahn A52 blockiert haben. Laut Zeugen zündeten Hochzeitsgäste dabei Pyrotechnik und beleidigten Fahrer, die wegen des Korsos im Stau standen. In Köln zählte die Polizei 50 Fahrzeuge, die bei einer Hochzeit in zweiter Reihe parkten.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich bereits vergangene Woche in die Debatte eingemischt und gewarnt: „Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle.“ Als Anlass nannte sein Ministerium vergangene Woche explizit „Feiernde mit Migrationshintergrund“. Reul sagte weiter: „Wenn Hochzeitsgesellschaften sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen, werden die Toleranzgrenzen unserer Gesellschaft klar überschritten.“

Auch die Berliner Polizei beschäftig sich seit einiger Zeit mit den Hochzeitkorsos, erklärte die Senatsverwaltung für Inneres dem RND. Allerdings seien Straftaten „wegen der Kurzfristigkeit der Aktionen“ oft nicht mehr feststellbar, wenn die Polizei eintrifft. Jetzt plane Berlin, Teilnehmer der Hochzeitskonvois im Falle von Belästigung „einer intensiven verkehrsrechtlichen Überprüfung zu unterziehen“, so ein Sprecher der Innenverwaltung.

Polizei verteilt zweisprachige Flyer

In Bremen versucht die Polizei bereits seit zwei Jahren durch intensive Aufklärungsarbeit die Lage zu verbessern, sagte eine Sprecherin des Innenressorts auf Anfrage. So informiere die Polizei „mit zweisprachigen Flyern in Deutsch und Türkisch über das richtige Verhalten im Straßenverkehr“. Zum anderen schreite die Polizei bei Verstößen strikt ein.

Statistische Angaben über das Ausmaß des Problems liegen in den meisten Bundesländern noch nicht vor. In Baden-Württemberg gibt es aber genaue Zahlen über die Vorfälle in den vergangenen vier Jahren: Allein auf Autobahnen seien dort in den vergangenen vier Jahren fünf Blockade-Aktionen „durch Autokorsos von türkischen oder arabischen Personengruppen“ bekannt geworden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem RND.

Festgäste begehen Körperverletzung und Nötigung

Auf anderen Straßen wurden in Baden-Württemberg seit 2015 insgesamt 86 Vorfälle polizeilich registriert. Das geht aus Antworten auf Anfragen der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Insgesamt stellte die Polizei dabei 31 Straftaten fest. In den meisten Fällen – zwölf Mal – lagen Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Zudem mussten sich Korso-Teilnehmer unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. Einmal kam es zu einem Verkehrsunfall.

Allerdings sehen nicht alle Bundesländer die Hochzeitkorsos als großes Problem an. Dem bayerischen Innenministerium seien keine Probleme mit Autokorsos von Hochzeitsgesellschaften bekannt, erklärte ein Sprecher dem RND. Und auch der Hamburger Behörde für Inneres „ist keine Problemlage bekannt“, sagt ein Sprecher: „Es ist in Hamburg wirklich kein Thema. Wir wollen es nicht überdramatisieren.“

Von Ties Brock/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Angehörigen von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen entlasten. Die Kommunen lehnen die Pläne ab – zumindest, wenn sie wie geplant fast die kompletten Mehrkosten tragen sollen.

27.04.2019

Gibt es künftig schneller Termine beim Arzt? Ab Mai gilt ein neues Gesetz, das die Terminvergabe beschleunigen soll. Im Interview dämpft Kassenärzte-Chef Andreas Gassen nun die Erwartungen und warnt vor längeren Wartezeiten für Chroniker.

27.04.2019

In Berlin läuft ein Volksbegehren für eine Enteignung großer Wohnungskonzerne – für die Idee gab es Unterstützung auch von Grünen-Chef Robert Habeck. Verdi-Chef Frank Bsirske hält andere Maßnahmen im Kampf gegen steigende Mieten jedoch für viel sinnvoller.

27.04.2019