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Deutschland / Welt Libyscher Ministerpräsident verschleppt
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11:25 10.10.2013
Der libysche Ministerpräsident Ali Seidan ist am Donnerstagmorgen aus einem Hotel in Tripolis entführt worden. Quelle: dpa
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Tripolis

Der libysche Ministerpräsident Ali Seidan ist von einer Einheit des Innenministeriums verschleppt worden. Die Regierung des nordafrikanischen Landes teilte am Donnerstag mit, schwer bewaffnete Männer hätten Seidan am Morgen aus einem Hotel in der Hauptstadt Tripolis entführt.

Der Sprecher der Abteilung für Verbrechensbekämpfung im Innenministerium, Abdelhakim al-Balasi, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Lana zwar, es handele sich nicht um eine „Entführung“, sondern um eine «Festnahme». Das Justizministerium betonte jedoch, die Staatsanwaltschaft habe keinen Haftbefehl für Seidan ausgestellt.

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Beobachter in der libyschen Hauptstadt vermuten einen Zusammenhang zwischen der Entführung und der Verschleppung des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Abu Anas al-Libi. Er war am vergangenen Samstag von einem US-Spezialkommando in Tripolis gefangen und außer Landes gebracht worden.

Die Abteilung für Verbrechensbekämpfung erklärte laut Lana weiter, Seidan befinde sich in ihrem Gewahrsam und sei bei guter Gesundheit. Die Festnahme sei von der „Kommandozentrale der libyschen Revolutionäre“, einem Zusammenschluss ehemaliger Milizen aus dem Bürgerkrieg 2011, angeordnet worden. Seidan stehe im Verdacht, die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Außerdem werde ihm Korruption vorgeworfen.

Unter dem Dach des Innenministeriums arbeiten neben Beamten aus der Ära des 2011 gestürzten Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi auch Angehörige sogenannter Revolutionsbrigaden, die sich einst für den Kampf gegen Gaddafis Truppen formiert hatten. Diese folgen nicht immer den Vorgaben der Regierung.

Das Büro des Generalstaatsanwalts verurteilte die Entführung des Ministerpräsidenten. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Seidan ist der erste gewählte Regierungschef Libyens. Der ehemalige Oppositionelle hatte in der Gaddafi-Ära im Exil gelebt, unter anderem im Irak und in Deutschland.

Nach dem Verschwinden des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Abu Anas al-Libi hatte es in der ostlibyschen Stadt Bengasi eine Protestaktion radikaler Islamisten gegeben. Auch einige Milizen, die nicht dem terroristischen Milieu angehören, hatten ihren Unmut darüber geäußert, dass Ausländer mitten in der Hauptstadt einen libyschen Staatsbürger verschleppen können.

Die Regierung in Tripolis hatte nach dem Verschwinden von Al-Libi die US-Botschafterin einbestellt, gleichzeitig aber betont, man hoffe weiterhin auf gute Beziehungen zu Washington.

dpa