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Deutschland / Welt „2019 bleiben die Risiken groß – insbesondere für das Exportgeschäft“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt „2019 bleiben die Risiken groß – insbesondere für das Exportgeschäft“
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11:40 24.01.2019
Martin Wansleben ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Quelle: Foto: Jens Schicke/DIHK
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Herr Wansleben, der Finanzminister warnt, dass die wirtschaftlich „fetten Jahre“ vorbei sind und stellt sich auf einen Abschwung der Konjunktur ein. Sie auch?

Die konjunkturelle Luft wird deutlich dünner. Das letzte Jahr ist gerade für die Industrie enttäuschend verlaufen. 2019 bleiben die Risiken groß – insbesondere für das Exportgeschäft. Die Handelskonflikte verunsichern die Unternehmen erheblich und bremsen schon jetzt die globale Investitionsdynamik. Weitere Zuspitzungen sind leider nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig rückt der Brexit immer näher. Vor diesem Hintergrund bekommt die deutsche Wirtschaft bereits erste Auswirkungen zu spüren: Die stagnierenden Ausfuhren zum Jahresende stehen beispielhaft für das insgesamt schwache Exportjahr 2018. Zweifellos agieren die deutschen Unternehmen derzeit in einem sehr schwierigen Umfeld. Mit einem Abschwung rechnen wir aber derzeit noch nicht.

Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Die Binnenkonjunktur ist weiterhin eine wichtige Stütze. In Deutschland sind derzeit so viele Menschen erwerbstätig wie noch nie. Auch der Bau boomt regelrecht. Zudem kommen vom Staat im nächsten Jahr fiskalische Impulse durch Ausgabensteigerungen und Anpassungen in der Einkommensteuer in einer Größenordnung von über 20 Milliarden Euro. Das stützt die Konjunktur immerhin kurzfristig. Für langfristig nachhaltiges Wachstum reicht das allerdings nicht.

Was ist die größte Sorge der Unternehmen?

Die größte Sorge der Unternehmen ist der Fachkräftemangel. 62 Prozent der Unternehmen sehen darin ein Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. 2010 lag der Wert noch bei 16 Prozent. Das behindert nicht nur das aktuelle Geschäft, sondern schmälert auch das Wachstums- und Innovationspotenzial der Unternehmen. Lange Zeit hat das die Sorgen um die Nachfrageentwicklung deutlich überlagert. International sorgt der weltweit aufkommende Protektionismus für Verunsicherung.

Wenn eine der Krisen eskaliert und es doch zu einer Rezession kommt – wären wir darauf vorbereitet?

Geldpolitisch sind viele Möglichkeiten ausgereizt. Fiskalpolitisch bestehen jedoch Spielräume, weil die öffentlichen Haushalte gut dastehen. Wichtiger als kleinteilige Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur wäre allerdings, Deutschland als Wirtschaftsstandort fit für die Zukunft zu machen.

Was müsste die Bundesregierung jetzt tun?

Angesichts der großen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft müssen wir uns wieder stärker um den Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit kümmern. Der schnellere Ausbau von Breitband- und Stromnetzen gehört ebenso auf die Agenda wie der Einstieg in die längst überfällige Steuerreform. Das gilt umso mehr, als europäische Nachbarn, aber auch die USA und China hier kräftig vorlegen. Deutschland droht zurückzufallen. Eine komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlages wäre ein erster Schritt und ein wichtiges Signal – vor allem für den erfolgreichen Mittelstand in Deutschland, der nach den aktuellen Plänen auch nach 2021 den Soli noch weiter zahlen soll. International ist der Zugang zu den Weltmärkten für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft von herausgehobener Bedeutung. Deutschland und die EU sollten sich daher mit aller Kraft für den Fortbestand der WTO einsetzen.

Von Andreas Niesmann/RND

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