Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Darum ist der Masernimpfstoff so knapp
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Darum ist der Masernimpfstoff so knapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:49 24.07.2019
Masern-Impfung. Quelle: Lukas Schulze/dpa
Anzeige
Berlin

Wer vorhat, sich oder die eigenen Kinder in den kommenden Monaten gegen Masern impfen zu lassen, muss wahrscheinlich Geduld haben. Es kann passieren, dass der passende Impfstoff gegen die tückische Infektionskrankheit derzeit nicht lieferbar ist. Und das, obwohl im März nächsten Jahres die Masern-Impfpflicht in Kitas, Schulen und Flüchtlingsunterkünften in Kraft treten soll. Oder liegt es vielleicht sogar genau daran?

Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind leider kein neues Problem. Aber das Problem scheint zu wachsen“, sagte Reiner Kern von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Eine Umfrage der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker habe vor einiger Zeit gezeigt, dass neun von zehn Apotheken in den vorangegangenen drei Monaten Lieferengpässe erlebt hätten, so Kern.

Nicht jeder Lieferengpass gefährde gleich die Versorgung der Patienten. „Aber wenn versorgungsrelevante Arzneimittel fehlen, zum Beispiel für die Krebstherapie, dann kann das im Einzelfall schon ernste gesundheitliche Folgen für Patienten haben“, warnt der Vertreter der Apotheker.

Spezieller Impfstoff nicht lieferbar

Bei Masern ist derzeit ein spezieller Impfstoff nicht lieferbar. Laut Sebastian Gülde, Sprecher im Bundesgesundheitsministerium, handelt es sich um ein Kombinationspräparat gegen Mumps, Masern, Röteln und Varizellen.

Die vorübergehende Knappheit bei diesem Kombinationsimpfstoff werde aller Voraussicht nach im Oktober behoben sein, sagt Gülde. Und: Alternativen stünden zudem zur Verfügung, etwa ein weiterer Vierfachimpfstoff oder eine Kombination aus Einzelpräparaten. Ein Versorgungsengpass besteht aus Sicht des Gesundheitsministeriums also nicht.

Lesen Sie auch: Impfpflicht zu Masern kommt - die wichtigsten Fragen und Antworten

Doch warum entstehen in einem so sensiblen Bereich wie der Arzneimittelversorgung überhaupt Lieferengpässe?

Da die Herstellung von Impfstoffen sehr aufwändig und langwierig sei, könne es immer wieder zu Engpässen kommen, wenn in einem Zeitraum deutlich mehr Impfstoffe verwendet werden als üblicherweise, erklärt Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. Ein erhöhter Bedarf könne etwa durch weltweite Impfprogramme entstehen. Wenn ein Engpass erst Mal da sei, bestehe er so lange, bis die nötigen Impfstoffe nachproduziert seien.

Gesamte Lieferkette gerät durcheinander

Ministeriumssprecher Gülde weist auf die globalen Lieferketten hin, die zur Folge hätten dass manche Arzneimittel und Wirkstoffe nur an wenigen Herstellungsstätten produziert würden. Komme es dann zu Qualitätsmängeln oder Produktionsverzögerungen entstehe schnell ein Problem.

Thomas Porstner vom Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels, kurz Phagro, weist auf ein weiteres Problem hin. „Lieferengpässe bringen die komplette Arzneimittellieferkette durcheinander“, sagt er. Schon bei drohenden Engpässen würden sich manche Großhändler bevorraten, um ihre Kunden weiterhin versorgen zu können. Andere Händler bekämen dann keine Ware mehr, obwohl sie im Markt grundsätzlich verfügbar sei.

Enge Absprachen von Handel und Industrie

Solchen Effekten versuchen Handel und Industrie, durch engere Absprachen entgegenzuwirken. Es gibt einen regelmäßigen Austausch, den sogenannten „Jour Fixe“ des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), an dem auch die Arzneimittelkommissionen der deutschen Ärzteschaft und Apothekerschaft sowie die pharmazeutische Industrie beteiligt sind. Dadurch, betont Porstner, solle die bundesweite Versorgung verbessert werden.

Lesen Sie auch: Viele Europäer misstrauen Impfungen

Neu sind solche Versorgungsschwierigkeiten übrigens nicht. Im Jahr 2018 gab es für insgesamt 45 Impfstoffe einen Lieferengpass. In 33 Fällen waren lediglich bestimmte Verpackungsgrößen nicht lieferbar, alternative Arzneimittel aber verfügbar. In zwölf Fällen gab es zeitweise überhaupt keine Alternativen. 2017 war die Lage noch angespannter. Damals gab es 56 Meldungen über Engpässe.

Von Juliane Lange/RND

Schon zum zweiten Mal muss Verkehrsminister Scheuer im Bundestag Rede und Antwort zur gescheiterten Pkw-Maut stehen. Kann er die Opposition dieses Mal zufriedenstellen – oder droht ein Untersuchungsausschuss?

24.07.2019

Mit ihrer Forderung nach mehr Geld für die Bundeswehr hatte die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Koalitionspartner SPD für Unmut gesorgt. Nun bekommt sie Unterstützung von Alexander Dobrindt.

24.07.2019

Der nächste britische Premierminister heißt Boris Johnson. Der ehemalige Brexit-Wortführer hat einen harten Kurs in Sachen EU-Austritt eingeschlagen. Einen No Deal will er in Kauf nehmen. Das meint die deutsche Presse.

24.07.2019