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Deutschland / Welt Mehr als 500 Tote im Gazastreifen
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12:32 21.07.2014
Allein am Sonntag fielen mehr als 140 Palästinenser den Angriffen der israelischen Armee zum Opfer. Quelle: Thoas Coex
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Gaza

Nach dem blutigsten Tag seit Beginn des jüngsten Gaza-Konflikts ist die Zahl der Toten auf mehr als 500 gestiegen. Allein am Sonntag fielen mehr als 140 Palästinenser den Angriffen der israelischen Armee zum Opfer, zudem wurden 13 israelische Soldaten getötet. Palästinensische Extremisten verkündeten zudem die Entführung eines israelischen Soldaten, was von Israels Regierung umgehend dementiert wurde. Der UN-Sicherheitsrat forderte bei einer Dringlichkeitssitzung am Sonntagabend erneut eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien. Alle Kampfhandlungen müssten sofort eingestellt werden, sagte Ruandas UN-Botschafter Eugene Richard Gasana, dessen Land derzeit die Präsidentschaft des Gremiums führt. Der Rat sei tief besorgt über die wachsende Zahl der Todesopfer.

Nach jüngsten Angaben der Rettungsdienste im Gazastreifen stieg die Zahl der seit dem Beginn der israelischen Angriffe am 8. Juli getöteten Menschen auf 502. Unter anderem wurden am Montagmorgen 16 Leichen unter den Trümmern eines Hauses in Chan Junis entdeckt. Bei einem anderen Angriff seien neun Palästinenser aus einer Familie getötet worden, unter ihnen sieben Kinder, sagte der Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte, Aschraf al-Kudra. Israel hatte vor zwei Wochen als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen eine Militäroffensive gestartet. Am Donnerstag marschierten auch Bodentruppen in das Küstengebiet ein.

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Die israelische Armee teilte mit, dass am Sonntag auch 13 ihrer Soldaten getötet wurden. Auf Seiten der Israelis kamen somit inzwischen 20 Menschen ums Leben, unter ihnen zwei Zivilisten. Unklarheit herrschte über das Schicksal eines israelischen Soldaten, dessen angebliche Entführung von den Essedin-el-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, bekannt gegeben wurde. Israels UN-Botschafter Ron Prosor wies dies umgehend als falsches Gerücht zurück. Es befinde sich kein israelischer Soldat in der Gewalt der Palästinenser, betonte er am Rande der Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Die Hamas hatte zuletzt im Jahr 2006 einen israelischen Soldaten verschleppt. Gilad Schalit wurde 2011 im Austausch gegen 1027 in Israel inhaftierte Palästinenser freigelassen.

Ban fordert Zurückhaltung

UN-Generalsekretär Ban, der sich derzeit zu einer Vermittlungsreise in Nahost aufhält, forderte die israelische Armee zur Zurückhaltung auf. "Israel muss viel mehr tun, um Zivilisten zu schützen", mahnte Ban am Sonntag in Katars Hauptstadt Doha. "Ich verurteile diese grauenvolle Aktion", sagte er mit Blick auf die Angriffe im östlich von Gaza gelegenen Vorort Schedschaija, bei denen nach palästinensischen Angaben am Sonntag mehr als 70 Menschen getötet wurden. "Gaza ist eine offene Wunde, wir müssen die Blutung stoppen", sagte Ban.

Auch US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt über die steigende Zahl an Opfern auf beiden Seiten und forderte eine "sofortige Waffenruhe". In einem Telefonat mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu habe Obama auch die Raketenangriffe der Hamas verurteilt und das Recht Israels auf Selbstverteidigung hervorgehoben, teilte das Weiße Haus mit. Gleichzeitig kündigte Obama eine neue Vermittlungsmission seines Chefdiplomaten John Kerry an. Nach Angaben des US-Außenministeriums wird Kerry am Montag in Kairo eintreffen, um mit Vertretern Ägyptens und anderer Länder aus der Region über eine friedliche Beilegung des Konflikts zu sprechen.

afp/dpa