Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Kontroverse Tönnies-Aussagen: Merkels Afrika-Beauftragter sieht Probleme ähnlich
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kontroverse Tönnies-Aussagen: Merkels Afrika-Beauftragter sieht Probleme ähnlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:49 07.08.2019
Der Persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke (CDU). Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Berlin

Clemens Tönnies hat sich längst entschuldigt. „Liebe Schalker“, schrieb der Aufsichtsratschef des Bundesligisten auf der Homepage des Vereins vor vier Tagen, „als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1.000 prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung.“

Vor diesem Hintergrund entschuldigte sich Tönnies bei Fans, Mitgliedern und Spielern für seine Aussage beim Tag des Handwerks. „Sie war falsch, unüberlegt und gedankenlos und entsprach in keiner Weise unserem Leitbild. Es tut mir sehr leid.“

Tönnies lässt Amt nur ruhen

Der Schalker Ehrenrat begrüßte die Haltung und nahm seine „Erklärungen zustimmend zur Kenntnis“. Dennoch muss der 63 Jahre alte Unternehmer sein Amt für drei Monate ruhen lassen um danach seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen, wie der Fußball-Bundesligist aus Gelsenkirchen am späten Dienstagabend nach einer mehrstündigen Sitzung des Ehrenrates mitteilte. Damit kam Tönnies noch glimpflich davon: Zuvor war über einen möglichen Rücktritt oder auch eine Amtsenthebung spekuliert worden.

Das Gremium kam jedoch zu dem Ergebnis, “dass der gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des S04 erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist“, wie es in der Mitteilung weiter hieß.

Die Worte des Fleischfabrikanten aus Rheda-Wiedenbrück als Festredner in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn waren extrem gewesen. In seine Kritik an Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel hatte Tönnies eingebaut, stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

„Er beleidigt mich und alle anderen“

Spieler wie der gebürtige Ghanaer Gerald Asamoah, Nachwuchs-Manager bei Schalke, waren geschockt. „Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen. Das können wir nicht dulden.“ Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau warf dem Milliardär eine Spaltung der Gesellschaft vor. Kritische Worte kamen auch von Verbänden und aus der Politik.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki nannte Tönnies Aussagen über Afrika „drastisch“, aber zulässig und „vielleicht auch notwendig“. Denn es wäre ein „Riesendilemma der selbst ernannten Klimaaktivisten“, dass 2100 möglicherweise zwölf Milliarden Menschen lebten, die ernährt, untergebracht und beschäftigt werden müssten, so der Bundestagsvizepräsident. „Tönnies hat ein gravierendes Problem der Klimadiskussion benannt, das tatsächlich einer dringenden Beantwortung bedarf.“

Lesen Sie den Kommentar: Die Verteidigung des rassistischen Tönnies-Unfugs disqualifiziert Kubicki als Bundestags-Vize

Das sieht auch der Persönliche Afrika-Beauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke (CDU), so. „Wir brauchen eine sachliche und möglichst ideologiefreie Debatte über das afrikanische Bevölkerungswachstum“, sagte Nooke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Leider erschweren Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion. Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen.“

Nooke sagte, über die von Tönnies angesprochenen Probleme müsse gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden. „Der meiste Regenwald in Afrika verschwand in den vergangenen 50 bis 100 Jahren. Ursache ist vor allem das Bevölkerungswachstum – die Leute brauchten Feuerholz. Darum sind der Erhalt des Regenwalds und Wiederaufforstung so wichtig für Afrika.“

Tönnies Lösungsvorschläge „unterkomplex“

Es werde allerdings nicht reichen, so Nooke, Geld für 20 Kraftwerke in Afrika bereitzustellen. „Wir haben dort in vielen Ländern mangelhafte Rahmenbedingungen für sichere Investitionen und es gibt zu wenig Vertrauen in viele der afrikanischen Regierungen und auch auf lokaler Ebene. Es sei auch nicht so, dass Afrika überall übervölkert wäre, sagte der Beauftragte der Kanzlerin. „Nein, es gibt sogar so dünn besiedelte Gebiete in Afrika, in denen Kraftwerke oder die Anbindung ans nationale Stromnetz nicht wirtschaftlich sind.“ Deshalb seien auch Tönnies Lösungsvorschläge „unterkomplex.“

Nooke ist der Überzeugung, dass sich vieles in Afrika, auch und gerade die wirtschaftliche Entwicklung oder auch der Klimaschutz in die richtige Richtung bewege. Die Frage sei, ob das angesichts vielfältiger Herausforderungen schnell genug erfolge. Nooke: „Entscheidend wird sein, dass die besser Ausgebildeten adäquate Jobs mit adäquater Bezahlung in Afrika finden. Ohne eine Industrialisierung Afrikas wird das nicht funktionieren.“

Von Thoralf Cleven/RND

Zusätzliche Altersvorsorge? Viele entscheiden sich gegen eine Absicherung über Riester. Die Zahl der Verträge geht nach Angaben der Bundesregierung weiter leicht zurück.

07.08.2019

Weil die Konjunktur lahmt, sinken die Steuereinnahmen. Die FDP warnt vor neuen Schulden. Sie will stattdessen staatliche Beihilfen in Milliardenhöhe kappen. Dabei nimmt sie auch Subventionen ins Visier, die die große Koalition wegen des Klimaschutzes für unverzichtbar hält.

07.08.2019

Die Debatte um die fehlenden Deutsch-Kenntnisse zur Einschulung geht weiter. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat sich nun für verbindliche Sprachtests ausgesprochen.

06.08.2019