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Deutschland / Welt Mindestens 90 Tote bei NATO-Luftangriff auf Taliban
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mindestens 90 Tote bei NATO-Luftangriff auf Taliban
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15:53 04.09.2009
Bei einem NATO-Angriff auf von Taliban entführte Tanklastzüge in Afghanistan sind nach Angaben der  Bundeswehr 56 Aufständische getötet worden.
Bei einem NATO-Angriff auf von Taliban entführte Tanklastzüge in Afghanistan sind nach Angaben der Bundeswehr 56 Aufständische getötet worden. Quelle: afp
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Die meisten Todesopfer seien Aufständische, sagte der Sprecher der Provinzregierung Kundus, Mahbuhullah Sajedi, am Freitag. Die Bundeswehr sprach hingegen von 56 Toten, darunter seien keine Zivilisten.

Unter den Opfern waren laut Sajedi auch Zivilisten, darunter Kinder, die aus den in einem Fluss festgefahrenen Lastern Benzin abzapfen wollten. Ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums sagte, „zwischen 200 und 250“ Dorfbewohner hätten sich um die Laster geschart. Daher sei eine „große Zahl“ von Zivilisten unter den Toten und Verletzten zu befürchten.

Die Bundeswehr sprach hingegen weiter von mehr als 50 getöteten Aufständischen, Zivilisten kamen nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam nicht zu Schaden. Die Bundeswehr sei aber nicht „zu hundert Prozent“ sicher, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die ISAF nahm laut Bundeswehr Ermittlungen auf.

Der Angriff ereignete sich in der Nähe des deutschen Feldlagers in Kundus, die Ladung der Tanklaster war für die deutschen Truppen bestimmt. Die Rebellen hätten in der Nacht zu Freitag nur wenige Kilometer südwestlich des Feldlagers des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) zwei beladene Tanklastzüge gekapert, teilte die Bundeswehr mit. Demnach erlangten die Aufständischen an einem vorgetäuschten Checkpoint ungefähr sieben Kilometer südwestlich vom deutschen Feldlager die Kontrolle über die Tanklaster. Sie wollten den Treibstoff in den Distrikt Chahar Darah transportieren.

Ein Augenzeuge sagte, die Taliban hätten die Bewohner ausgefordert, kostenlos Benzin zu zapfen. „Die Dorfbewohner haben sich mit allen Kanistern und Flaschen, die sie finden konnten, um die Tanklaster geschart“, sagte Mohammad Daud. In einem Krankenhaus in der Stadt Kundus wurden zahlreiche Menschen mit teilweise schweren Brandverletzungen behandelt. Nach Angaben eines AFP-Journalisten waren mindestens acht Menschen in einem „furchtbaren“ Zustand. Die Haut sei bei manchen so stark verbrannt, dass sie sich vom Fleisch löse. Bei anderen hatte sich die Kleidung in die Haut gebrannt.

afp