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Deutschland / Welt Minister-Wunsch: Merz stellt Merkel vor ein Dilemma
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22:08 18.12.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel nach der Rede von Friedrich Merz im Rahmen des 31. CDU-Bundesparteitages in Hamburg Quelle: imago/photothek
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Berlin

Zehn Tage Trauerzeit hat sich Friedrich Merz zugestanden nach der Niederlage im Rennen um den CDU-Vorsitz. Jetzt hat er sich zurückgemeldet und dabei einen Wunsch öffentlich gemacht. Der geht nicht an den Weihnachtsmann, obwohl es die Zeit dafür wäre, sondern an Angela Merkel. Und eigentlich ist es auch kein Wunsch, sondern eine Forderung. Minister würde Merz nun gerne werden, nachdem es mit dem Parteivorsitz nichts geworden ist.

Und es spricht einiges dafür, ihm den Wunsch zu erfüllen: Seine Kandidatur hat in der CDU große Begeisterung ausgelöst, Merz hat auf dem Parteitag nur äußerst knapp gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verloren. Ein Teil seiner Fans ist einigermaßen beleidigt. Ein herausgehobener Posten für eine solche Identifikationsfigur wäre für die Befriedung der CDU also vernünftig und möglicherweise sogar ein ganz guter PR-Effekt.

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Angela Merkel steht nun vor einem Dilemma: Schlägt sie Merz seinen Wunsch aus, vergräzt sie einen Teil der Partei. Erfüllt sie Merz‘ Wunsch, holt sie sich die Konkurrenz ins Haus und muss einen oder eine enge Vertraute aus dem Kabinett schmeißen.

Bezeichnenderweise hat Merz bislang offenbar nur mit Kramp-Karrenbauer gesprochen. Auf die Fortsetzung dieses Gesprächs – und nicht etwa auf einen Termin mit der Kanzlerin - verweist er auch, wenn es um seine Zukunft geht. Das entspricht streng genommen den Formalien, aber ein Quäntchen Bosheit schwingt da schon auch mit.

Als Rückspiel könnte Merkel Merz eines der Ministerien anbieten, mit denen er vermutlich nicht rechnet –das Bildungsministerium zum Beispiel oder das Agrarministerium. Schließlich hat er sein Interesse nicht spezifiziert.

Aber zu solchen Spielereien neigt Merkel kaum. Vielleicht geht es bei ihr ohnehin schon um anderes. Zum Beispiel darum, sehr bald als Kanzlerin zurückzutreten. Dann hätte sich Merz‘ Eintritt ins Kabinett womöglich erübrigt. Seine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur allerdings nicht.

Von Daniela Vates/RND