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00:15 18.09.2013
Von Klaus Wallbaum
Alt-Bundespräsident Christian Wulff. Quelle: dpa
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Hannover

In der Not zeigen sich die wahren Freunde, und Alt-Bundespräsident Christian Wulff befindet sich gegenwärtig in einer schwierigen Lage. Politisch ist er abgestürzt, von seiner Frau lebt er getrennt, in einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess muss er sich von November an gegen den Vorwurf der Korruption wehren. Vor einiger Zeit hat Wulff einen Freund gefunden, der ihm früher alles andere als nahe gestanden hat: Diether Dehm, Spitzenkandidat der niedersächsischen Linken für die Bundestagswahl in einer Woche. Nach Informationen der HAZ haben beide im vergangenen Juli zeitweise ihren Urlaub in Italien gemeinsam verbracht. Dehm will das nicht bestätigen, sagt aber immerhin so viel: „Wir sind uns dort begegnet, und das war auch nicht ungeplant.“

Dehm ist eine außergewöhnliche Figur bei der Linkspartei, als Musikunternehmer ist er Millionär, hat ein Haus am Lago Maggiore und pflegt viele Freundschaften im Künstlermilieu, aber auch bei politisch Andersdenkenden. CSU-Mann Peter Gauweiler etwa gehört dazu. Der Kontakt zwischen Wulff und Dehm hatte sich im vergangenen Herbst ergeben, und zwar über einen langjährigen gemeinsamen Bekannten der beiden – den Liedermacher Heinz Rudolf Kunze. Die drei trafen sich zu einem Gespräch, und seither hat sich offenbar ein guter, vertrauensvoller Kontakt auch zwischen Dehm und Wulff entwickelt.

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Am vergangenen Sonnabend traten Kunze und Dehm gemeinsam auf, das Konzert „Liebeslieder gegen Bankenmacht“ war eine Unterstützungsaktion für Dehms Wahlkampf. Auch Wulff sollte eigentlich kommen, doch er war wegen eines Halswirbelvorfalls verhindert. In der Veranstaltung kam Dehm auch auf Wulff zu sprechen: Nötig sei eine „parteiübergreifende Initiative zum Schutz der Unschuldsvermutung“, sagte er und klagte über „öffentliche Hinrichtungen“ von Menschen, die an den Pranger gestellt werden – im Internet von anonymen Autoren, aber auch in bestimmten Medien. „Der Chefredakteur der ,Bild’ darf doch nicht der oberste Richter in der Bundesrepublik sein“, betont Dehm. Es gehe darum, die Würde des Menschen zu verteidigen – die eines Hartz-IV-Empfängers ebenso wie die des ehemaligen Bundespräsidenten.

Das Verhältnis Wulffs zu Weggefährten von der CDU hat sich abgekühlt. Als langlebiger erwiesen sich Wulffs Beziehungen zu einzelnen Privatleuten wie etwa dem Unternehmer Carsten Maschmeyer. Nur zu wenigen CDU-Leuten hält Wulff noch Kontakt, es sind zumeist frühere Mitstreiter aus der Jungen Union. Die CDU-Führungsriege im Land ist über Wulff irritiert – er wiederum fühlt sich dem Vernehmen nach tief verletzt von Parteifreunden, auf deren Solidarität er in schlechten Zeiten gesetzt hatte.

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