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Deutschland / Welt Müttergenesungswerk will künftig auch Vätern helfen
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00:46 13.05.2013
Von Thorsten Fuchs
Das Müttergenesungswerk will sich auch für Väter öffnen. Quelle: dpa
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Hannover

Tatsächlich will die 1950 von Präsidentengattin Elly Heuss-Knapp gegründete Stiftung künftig auch Männer den Genuss einer kleinen Auszeit gönnen. Väter, so der Plan, sollen ebenfalls beantragen können, was das Müttergenesungswerk den weiblichen Elternteilen nun schon seit gut sechs Jahrzehnten zukommen lässt: einen Zuschuss für einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Kurklinik.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist das Vorhaben so sympathisch, dass sie dem Müttergenesungswerk dafür schon mal 100.000 Euro an zusätzlichem Stiftungskapital in Aussicht stellt. „Ich fände es konsequent, wenn das Müttergenesungswerk, das in seinen Einrichtungen wunderbare Arbeit leistet, sich auch Vätern öffnet“, sagte sie jetzt der FAZ.

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Eine steigende Zahl von Männern macht nämlich derzeit eine ungewohnte Erfahrung, wenn sie sich tatsächlich auf ein Dasein für Kinder und Haushalt einlassen: dass man dabei leicht an seine Grenzen gerät – und manchmal auch darüber hinaus. Seit 2002 können laut Gesetz Väter genauso wie Mütter für drei Wochen zur Kur fahren. Bislang stellen die Männer nur einen Anteil von zwei Prozent. Aber wenn sie dann erst mal so weit sind, leiden sie meist fast noch mehr als Frauen: „Viele haben Erschöpfungszustände mit Krankheitswert“, sagt Silvia Selinger-Hugen, Leitern des Caritas-Gesundheitszentrums auf Norderney.

Die Fachklinik Thomas Morus, Teil des Gesundheitszentrums auf der Nordseeinsel, ist nach eigener Darstellung die bundesweit erste Einrichtung, die reine Vater-Kind-Kuren anbietet. Vier mal im Jahr kommen dort Männer mit ihren Töchtern und Söhnen zusammen – und bleiben unter sich. Dies geschieht aus gutem Grund: „Männer sind offener, wenn sie unter sich sind“, erklärt Selinger-Hugen.

Offen einzugestehen, dass einem „das bisschen Haushalt“ und die Kleinen zu viel sind, braucht offenbar den ganzen Mann. Dabei gibt es gute Gründe, warum Väter es manchmal auch nicht leicht haben. Alleinerziehende Mütter zum Beispiel seien weitgehend akzeptiert, beobachtet die Klinikleiterin. „Alleinerziehende Väter dagegen haben in Deutschland noch überhaupt keine Lobby.“ Vielleicht würde ein „Vätergenesungswerk“ daran ja sogar etwas ändern. Am Namen jedoch, heißt es beim MGW, werde man wohl nichts ändern.