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Deutschland / Welt Mugabes Tod: Die „biologische Lösung“ kommt zu spät
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00:07 07.09.2019
In der Hauptstadt Harare: Ex-Präsident Robert Mugabe ist tot – Grund zur Hoffnung ist das in Simbabwe längst nicht mehr. Quelle: Tsvangirayi Mukwazhi/AP/dpa
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Auf diesen Augenblick hat Simbabwes Opposition jahrzehntelang gewartet. Er galt als die die „biologische Lösung“; als letzte Hoffnung, weil sich die „politische Lösung“ – der Abtritt Robert Mugabes – partout nicht einstellen wollte.

Nun ist die biologische Lösung Wirklichkeit geworden: Der 95-Jährige ist in einem Krankenhaus in Singapur gestorben, in dem er vier Monate lang behandelt worden war. Zu Hause in Simbabwe wird die Erlösung von dem Übel, das der skrupellose Diktator jahrzehntelang über seine Heimat brachte, trotzdem nur verhalten gefeiert: Denn längst befindet sich der marode Staat im Griff eines neuen Autokraten, der sein Handwerk von seinem einstigen Mentor und Vorgänger gelernt hat.

Simbabwes Ex-Präsident Mugabe ist tot

So setzt sich Mugabes verheerender Einfluss über den von ihm gegründeten Staat auch posthum fort: Wie ein Fluch, dem sich die Simbabwer trotz aller Anstrengung nicht entledigen können.

Dabei hatte es so segensreich begonnen: Als Robert Mugabe nach einem erfolgreichen Guerillakampf und seinem überwältigenden Wahlsieg am 4. März 1980 als erster Regierungschef des unabhängig gewordenen Landes eingesetzt wurde, fand der Befreiungsführer erstaunlich milde Töne: Er rief die weißen rhodesischen Farmer zum Bleiben im neuen Simbabwe auf und ließ deren Ex-Präsidenten Ian Smith als Senator weiter amtieren. 16 Jahre zuvor hatte Smith den Befreiungskämpfer ohne Gerichtsverfahren zehn Jahre lang im Straflager halten lassen, weil dieser die weißen Herrscher als „Cowboys“ tituliert hatte.

Nach der Haft wurde er zu „Doktor Gewalt“

Die Haftjahre dürften zur Verhärtung des Zimmermannsohns und Missionsschülers ihren Teil beigetragen haben. Im Lager eignete sich Mugabe über seinen Universitätsabschluss als Lehrer noch sechs weitere Diplome an: Er habe auch „ein Diplom in Gewalt“ erworben, wird er sich später rühmen.

Endlich freigelassen tauchte Dr. Gewalt umgehend im Nachbarland Mosambik unter, um als Präsident der „Simbabwischen Afrikanischen Nationalen Union“ (Zanu) einen schonungslosen Guerillakrieg gegen die weißen Herrscher Rhodesiens zu führen.

Fast vier Jahrzehnte regierte Robert Mugabe in Simbabwe. Der afrikanische Autokrat, der am Freitag starb, war auch für seine scharfe Rhetorik bekannt.

Der Triumph stellte sich nicht nur im Busch, sondern letztendlich am Verhandlungstisch im Londoner Lancaster House ein. Dort erwies sich Mugabe ohne Zweifel als gewieftester Agent der Interessen seines Volks: Er selbst warf der einstigen britischen Kolonialmacht später vor, ihren Teil der Verpflichtungen in Sachen Landerstattung nie erfüllt zu haben.

Das Janus-Gesicht der blitzgescheiten, aber schonungslosen Persönlichkeit stellte sich während seiner fast 40-jährigen Herrschaft immer deutlicher heraus: Es ist unbestritten, dass Mugabe zunächst großen Wert auf das soziale Wohl und die Bildung der Bevölkerung legt. Simbabwe wurde zur Kornkammer und zum Reservoir bestausgebildeter Profis des Kontinents.

Zu Gegnern war er gnadenlos – der Westen sah weg

Doch gleichzeitig räumte der Regierungschef gnadenlos mit der ethnisch und ideologisch abweichenden Simbabwischen Afrikanischen Volks-Union (Zapu) auf: Seine von Nordkoreanern ausgebildete Fünfte Brigade richtete Mitte der 80er-Jahre zahlreiche Massaker unter der Ndebele-Minderheit des Landes an, mehr als 20.000 Menschen wurden umgebracht. Ohne dass die Welt davon Notiz nahm: Sie wollte offenkundig das Bild vom klugen und versöhnenden Befreiungsführer nicht verderben.

Daran ließ sich erst dann nicht mehr festhalten, als dem Land eine neue – politisch und nicht ethnisch motivierte – Opposition erwuchs: Gewerkschafter, Menschenrechtler und weiße Farmer, die dem ständigen Machtzuwachs des Präsidenten entgegenzutreten versuchten.

Der diplomierte Gewalttäter hetzte seine Schergen auf sie: Er ließ sie grün und blau schlagen, nahm ihnen das Land weg und fälschte eine Wahl nach der anderen. Das Land versank in einer Wirtschaftskatastrophe, von der es sich nie mehr erholte.

Der Fehler seines Lebens

Als sich schließlich, lange nach seinem 90. Geburtstag, die Frage nach seiner Nachfolge nicht mehr länger unterdrücken ließ, machte Mugabe den entscheidenden Fehler seines Lebens: Er wollte seiner 41 Jahre jüngeren, geld- und machtgierigen zweiten Ehefrau Grace ins Amt verhelfen – und verprellte damit seinem einstigen Mitkämpfer und Zögling, Emmerson Mnangagwa.

Das „Krokodil“ wusste, dass der gewiefte Gewaltmensch diesmal von seiner Schwäche für Grace geblendet war: Mithilfe des Militärs putschte sich Mnangagwa vor knapp zwei Jahren an die Macht und verbannte den trotzigen Janus-Kopf aufs Altenteil. Von dem erzwungenen Machtverlust sollte sich der Dauerpräsident auch körperlich nicht mehr erholen.

Schon damals ahnten die Simbabwer, dass ihr Jubel über das Ende von Dr. Gewalt nur vorübergehend sein könnte. Und tatsächlich erwies sich der Lehrling als bloßes Abbild seines einstigen Meisters.

Auch das Krokodil ist auf die Unterstützung der Militärs und der korrupten Parteiführung angewiesen: Auch von ihm ist eine Befreiung des gehijackten Staats nicht zu erwarten. Mit seinen 76 Jahren scheint Mnangagwa von einer „natürlichen Lösung“ noch weit entfernt zu sein: Ohne politische Lösung wird sich für die Simbabwer nichts ändern.

Von Johannes Dieterich/RND

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