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Deutschland / Welt Mutmaßlicher Komplize von Neonazi-Trio in Lauenau festgenommen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Mutmaßlicher Komplize von Neonazi-Trio in Lauenau festgenommen
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19:35 13.11.2011
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Karlsruhe/Hannover

Nach der deutschlandweiten Mordserie an Ausländern geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass Rechts-Terrorisisten am Werk waren. Ermittler nahmen am Sonntag in der Nähe von Hannover einen mutmaßlichen Komplizen des Neonazi-Trios fest, das für die als Döner-Morde bekannt gewordene Serie verantwortlich sein soll.

Zudem wurde die Wohnung des 37-jährigen durchsucht, hieß es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft. Bei dem 37-Jährigen soll es sich um Holger G. aus Lauenau im Kreis Schaumburg handeln. Er wird dringend verdächtigt, wie die anderen drei Rechtsextremisten Mitglied der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu sein. Auch die mögliche Tatbeteiligung des Beschuldigten an den Morden wird untersucht.

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Der nun festgenommene Mann steht den Ermittlern zufolge seit Ende der 90er Jahre mit den anderen drei Verdächtigen in Kontakt. Er soll dem Trio 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben. Zudem soll er mehrfach Wohnmobile für die Gruppierung angemietet haben. Eines der Fahrzeuge soll bei dem Mordanschlag auf eine Heilbronner Polizisten genutzt worden sein.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sprach am Sonntag erstmals von „Rechtsterrorismus“ in Deutschland. „Es sieht so aus, als ob wir es tatsächlich mit einer neuen Form des rechtsextremistischen Terrorismus zu tun haben“, sagte er in Berlin.

Die Bundesanwaltschaft wirft drei aus Jena stammenden Rechtsextremisten und nun auch dem Mann aus Niedersachsen zehn Morde vor: Opfer waren zwischen 2000 und 2006 acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer. 2007 sollen sie den Mord an einer Polizistin in Heilbronn verübt haben. Das Trio - zwei Männer hatten sich laut Polizei vor einer Woche erschossen, eine Frau stellte sich - war den Behörden bereits in den 90er Jahren wegen Verbindungen zum rechtsextremen „Thüringer Heimatschutz“ bekannt.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte, den Kampf gegen Neonazis neu zu organisieren. Die jüngsten Erkenntnisse seien Anlass genug, alles auf den Prüfstand zu stellen, sagte der Minister der „Welt am Sonntag“.

Der CDU-Politiker sprach sich unter anderem dafür aus, ein Terrorabwehrzentrum für den Rechts- und Linksextremismus einzurichten. Außerdem müssten die Durchsuchungen in der rechtsextremen Szene verstärkt werden, um Waffen und Sprengstoff aufzuspüren. Ein gemeinsames Analysezentrum von Verfassungsschutz und Polizei, wie es dies in Niedersachsen bereits gebe, könne auch für andere Bundesländer Sinn machen, schlug Schünemann vor.

Nachdem die Taten der Zwickauer Zelle jahrelang nicht aufgeklärt worden seien, müsse auch untersucht werden, wie gut der Austausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz funktioniere. „Das ist eine besonders brutale Form von Rechtsterrorismus, wie wir ihn seit Jahrzehnten in Deutschland nicht hatten“, erklärte der Minister. Die Taten der Zwickauer Zelle seien eindeutig rassistisch motiviert gewesen. „Sie hat gemordet, um extremistischen Ideologien zum Sieg zu verhelfen“, sagte Schünemann.

Die Rolle des Verfassungsschutzes in dem Fall ist noch unklar. Etliche Politiker fragten, warum die Rechtsextremen, die unter Beobachtung standen und schon 1998 in Jena als Bombenbauer auffielen, danach aus dem Blickfeld verschwanden und so lange unbehelligt Morde, Banküberfälle und andere Straftaten verüben konnten. In Sicherheitskreisen wird spekuliert, die drei mutmaßlichen Täter könnten vom Verfassungsschutz eine neue Identität erhalten und dann als Verbindungsleute in der rechten Szene geführt worden sein.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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