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17:12 03.06.2019
Die Grünen nach der Europawahl: Annalena Baerbock, Maike Schaefer, Spitzenkandidatin der Partei für die Wahlen in Bremen, Sven Giegold, Spitzenkandidat der Grünen bei den Europawahlen, und Robert Habeck. Quelle: Carsten Koall/dpa
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Berlin

Annalena Baerbock ließ sich am Montag nicht locken. Auf die Frage, ob sie denn Lust habe, Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zu werden, sagte die 38-Jährige: „Ich habe auf vieles Lust.“ Damit war das Ping-Pong-Spiel zwischen den Journalisten und der Grünen-Chefin endgültig beendet.

Zwar richten sich die Augen seit dem Wochenende noch etwas mehr auf die Ökopartei. Erstens, weil sie das Meinungsforschungs-Institut Forsa zuletzt bei 27 Prozent taxierte – eine Zahl, die viele im Regierungsviertel trotz des grünen Aufschwungs nicht für realistisch halten. Und zweitens, weil immer mehr Bürger den Eindruck gewinnen, die große Koalition sei von ihrem Ende nur noch einen Schritt entfernt. Gleichwohl halten die Grünen den Ball flach. Bloß keine unnötige Aufmerksamkeit erregen, so lange die Regierung derart mit sich beschäftigt ist.

Wohl betonen sie seit Sonntagabend, nicht als „Reserverad“ (Baerbock) oder „Ersatzspieler“ (Bundesgeschäftsführer Michael Kellner) zur Verfügung zu stehen, wenn Union und SPD demnächst tatsächlich getrennte Wege gehen sollten. Sie wären also heute – anders als nach der Bundestagswahl 2017 – nicht willens, in eine Jamaika-Koalition einzutreten. Vielmehr sagte Baerbock nun ganz klar: „Wenn die Regierung nicht mehr handlungsfähig ist, haben die Menschen das Recht, neu zu wählen.“

Lesen Sie hier: Grünen-Spitze eilt von Erfolg zu Erfolg

„Ich habe auf vieles Lust“

Was Baerbock nicht sagte: Träten die Grünen heute in die Bundesregierung ein, dann täten sie das auf der Basis jener 8,9 Prozent, die sie 2017 holten – und nicht auf der Basis jener jüngsten Umfragen, die sie bei 20 oder gar 27 Prozent sahen. Andererseits gehen die Grünen nicht so weit, offensiv Neuwahlen zu fordern. Sie warten allenfalls darauf, dass sie sich von selbst ergeben.

Worauf sich die Grünen definitiv nicht einlassen, ist die Frage nach der Kanzlerkandidatur. „Wir werden in jedem Fall mit einer Doppelspitze antreten“, sagte Baerbock am Montag – wobei diese Doppelspitze gewiss aus ihr und ihrem Co-Vorsitzenden Robert Habeck bestehen würde. Beide sind längst unangefochten. Entscheiden müssten über diese und weitere Fragen die Parteimitglieder bei einer Urwahl oder ein Parteitag.

Die Grünen-Spitze weiß natürlich, dass sich die Frage nach einer Kanzlerkandidatin oder einem Kanzlerkandidaten stellen wird, wenn sie mit den aktuellen Umfrageergebnissen in einen Wahlkampf ziehen sollte. Doch Baerbock pochte am Montag darauf, dass sie „im Team“ agierten. Während zu Beginn ihrer Amtszeit im Januar 2018 übrigens Habeck als der Stärkere von beiden erschien, hat sich die Wahrnehmung zuletzt geändert. Neuerdings gilt Baerbock als „die Handfestere“. Doch auch das ist lediglich eine Momentaufnahme.

Fest steht, dass sich die Grünen nach wie vor im Aufwind befinden. Nicht allein die Umfragen werden stetig besser, sondern auch die Wahlergebnisse. Außerdem treten immer neue Frauen und Männer in die Partei ein. Erst kürzlich hat sie die Marke von 80.000 Mitgliedern geknackt. Und wenig spricht dafür, dass sich all das so rasch ändert. Denn die Grünen haben mit dem Klimaschutz das Megathema dieser Tage auf ihrer Seite.

Das Hoch dürfte anhalten

Fest steht ebenso, dass den Grünen vor der Europawahl vor Neuwahlen ein wenig bange war. Die Führung sei schließlich noch relativ neu, heißt es – und größere Teile des Apparats ebenfalls. Nach der Europawahl sehe dies anders aus. Jetzt, so heißt es, seien die Grünen für den Ernstfall bereit.

Dass sie mit diesem Ernstfall durchaus rechnen, zeigen die jüngsten Äußerungen des einstigen Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin. „Die Schwarzen spielen jetzt Schwarzer Peter“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Sie appellieren an die SPD, besonnen an der großen Koalition festzuhalten, tun aber alles, um sie auflaufen zu lassen.“ Dies gelte in der Klimaschutzpolitik genauso wie in der Sozialpolitik. Trittin fuhr fort: „Wenn die große Koalition im Herbst kracht, sollen die Roten schuld sein.“

Der Fahrensmann, 64 mittlerweile, weiß zweifellos, wovon er spricht.

Von Markus Decker/RND

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