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Deutschland / Welt Christine wer? Diese Unbekannte folgt auf Katarina Barley
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Christine wer? Diese Unbekannte folgt auf Katarina Barley
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16:26 19.06.2019
SPD-Politikerin Christine Lambrecht: Beförderung zum Geburtstag. Quelle: imago images / Hartenfelser
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Berlin

Einmal wollte sie es wissen. 2017 war das, nach der Bundestagswahl. Damals, als der scheidende SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann Vizepräsident des Bundestages werden wollte, machte Christine Lambrecht ihm die Kandidatur streitig. Im SPD-internen Bewerbungsverfahren warf die Frau aus Hessen ihren Hut in den Ring. Bevor es allerdings zur Kampfabstimmung in der Fraktion kam, verließ sie der Mut. Lambrecht zog zurück, der Weg für Oppermann war frei.

Nun steht die Frau vom linken Parteiflügel vor dem Höhepunkt ihrer Karriere. Christine Lambrecht, 54, Rechtsanwältin, Mutter eines Sohnes, wird neue Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz.

„Ein Gänsehautmoment“ sei das gewesen, als sie von der Entscheidung erfahren habe, sagt Lambrecht am Mittwochnachmittag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Berlin. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer habe sie am Morgen angerufen, und über die Entscheidung unterrichtet. „Eigentlich dachte ich ja, die Malu gratuliert mir nur zum Geburtstag“, berichtet Lambrecht, die just an diesem Mittwoch ihren 54. feiert. Allein darüber hätte sie sich ja schon gefreut, aber die Nachricht, die dann kam, habe alles getoppt.

Zum Geburtstag Ministerin – das gibt es auch nicht alle Tage.

Solide aber auch ein bisschen langweilig

Den Namen Lambrecht hatten die meisten Beobachter lange nicht auf dem Zettel gehabt. Das mag an ihrem Image liegen. Die gebürtige Mannheimerin galt bislang als solide – aber auch bisschen langweilig. Nicht unbedingt eine Kandidatin, die sich aufdrängt, für die allererste Reihe.

Lambrecht sitzt seit 1998 im Bundestag. Einem größeren Kreis bekannt wurde die Juristin, als sie 2013 die Nachfolge von Thomas Oppermann als parlamentarische Geschäftsführerin (PGF) der SPD-Bundestagsfaktion antrat. Oppermann hatte das Amt offensiv interpretiert und Wert auf eine starke mediale Präsenz gelegt. Seine Pressefrühstücke in den Sitzungswochen des Bundestages galten unter Berliner Journalisten als legendär.

Das änderte sich, als Oppermann in den Fraktionsvorsitz aufrückte und Lambrecht als PGF übernahm. Die Hessin fremdelte erkennbar mit ihrer neuen Rolle. Die „Abteilung Attacke“ lag ihr nicht, meistens befand sich Lambrecht in der Defensive. Ein Grund dafür war sicher, dass Vorgänger Oppermann aus der Rolle des Oppositionspolitikers die schwarz-gelbe Regierung angreifen konnte, während Lambrecht vier Jahre später die Politik der GroKo verteidigen musste. Sie zeigte aber auch wenig Ambitionen, in der Öffentlichkeit zu reüssieren. Sie wirke bei ihrer Arbeit eben mehr nach innen, hat die Mutter eines Sohnes mal über sich selbst gesagt.

Erfolgsgeheimnis: Hinten anstellen

Mit Oppermann verbindet Lambrecht eine wechselvolle Beziehung. Sie führte an der Seite des Niedersachsen die Fraktion und stand mit ihm zusammen die Edathy-Affäre durch, bevor sie den ehemaligen Chef 2017 bei der Wahl zum Bundestagsvize überholen wollte.

Damals war nicht vorhersehbar gewesen, dass die SPD noch einmal in die Regierung gehen würde. Sie sei jetzt eben einfach Abgeordnete, hatte Lambrecht ihrer Heimatzeitung bereits mitgeteilt. Dann platzen die Jamaika-Verhandlungen und die Hessin durfte sich über einen Posten als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium freuen.

Nun also wird Christine Lambrecht Bundesministerin. Sie übernimmt das Justiz-Ressort von Katarina Barley. Am 27. Juni wird sie die Ernennungsurkunde vom Bundespräsidenten erhalten. Lambrecht bekommt damit ein Amt, das Thomas Oppermann immer gewollt hatte. Auf den letzten Metern hat sie ihren Ex-Chef nun doch überholt.

Manchmal zahlt sich Hintenanstellen offenbar aus.

Von Andreas Niesmann/RND

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