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Deutschland / Welt Neue Runde im Nervenkrieg um Bani Walid
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17:12 05.09.2011
Die Aufständischen wollen der Gaddafi-Hochburg Bani Walid nun doch bis Samstag Zeit zur Kapitulation geben. Quelle: dpa
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Bengasi/Tripolis/Brüssel

Die Zeichen standen auf Sturm, aber die Gaddafi-treuen Kämpfer in der belagerten Stadt Bani Walid haben nun doch wieder eine Gnadenfrist zur Kapitulation bekommen. Der Übergangsrat in Libyen will an seinem Ultimatum festhalten, wonach alle Anhänger des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi bis Mitte der Nacht zum Samstag Zeit haben, ihre Waffen niederzulegen. Das sagte der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, am Montag dem britischen Sender BBC.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kündigte ein rasches Ende des Militäreinsatzes der Nato in Libyen an. „Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass die Zivilbevölkerung nicht mehr bedroht ist, werden wird den Einsatz beenden“, sagte er am Montag in Brüssel. „Ich kann noch kein genaues Datum sagen, aber ich glaube, dass es bald sein wird.“ Die Gefangennahme Gaddafis sei für das Einsatzende nicht entscheidend: „Einzelpersonen sind kein Ziel unseres Einsatzes.“

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Vom 69 Jahre alten Gaddafi fehlt weiter jede Spur. Er hält sich nach Überzeugung der Rebellen nicht in Bani Walid auf. Stattdessen sollen seine Söhne Seif al-Islam und Mutassim eine friedliche Lösung verhindert haben, ehe sie vor ein paar Tagen abgezogen seien, berichtete die BBC unter Berufung auf den Übergangsrat. Nach unbestätigten Meldungen soll sich noch Gaddafis Ex-Sprecher Ibrahim Mussa in der Wüstenstadt aufhalten und eine Kapitulation blockieren.

Der libysche Übergangsrat will in Bani Walid ein Blutvergießen und einen Bruderkrieg vermeiden. Sowohl Gaddafis Getreue als auch die Kämpfer auf Seite der Aufständischen gehören dem größten libyschen Stamm an, den Warfalla. Die Wüstenstadt liegt rund 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis.

Um den Druck auf die Gaddafi-Loyalisten zu erhöhen, hatte der Übergangsrat am Montag Hunderte Kämpfer vor Bani Walid zusammengezogen. Zuvor waren offizielle Verhandlungen über eine Aufgabe abgebrochen worden. Daraufhin hatten Kommandeure der Rebellen dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira gesagt, dass der Countdown für die Erstürmung der Stadt begonnen habe.

Ein BBC-Reporter schätzte die Zahl der gut bewaffneten Gaddafi-Getreuen, die sich nicht ergeben wollen, auf bis zu 200. Diese hätten 80 Präzisionsgewehre erhalten. Der Übergangsrat sorge sich außerdem, dass die Bewaffneten Zivilisten als menschliche Schutzschilde nehmen könnten.

Die große Mehrheit in der 80.000 Einwohner zählenden Stadt stehe aufseiten der Revolution, berichtete der Rebellensender Libya TV am Montag. Demnach hielten nur noch fünf Prozent zu Gaddafi. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist nicht möglich.

Der Übergangsrat hatte Mitte vergangener Woche den letzten Gaddafi-Hochburgen eine Frist bis zum kommenden Samstag gesetzt, um sich der neuen Macht im Lande zu ergeben. Neben Bani Walid betrifft das auch die Küstenstadt Sirte, den Geburtsort Gaddafis, und die südliche Wüstenstadt Sebha sowie mehrere Städte zwischen Sirte und Sebha.

dpa