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Deutschland / Welt Nikolaus Schneider ist neuer Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nikolaus Schneider ist neuer Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland
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12:26 09.11.2010
Präses Nikolaus Schneider ist neuer Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Präses Nikolaus Schneider ist neuer EKD-Chef. Quelle: dpa
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Der rheinische Präses Nikolaus Schneider ist neuer Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Kirchenparlament wählte den 63-Jährigen am Dienstag in Hannover zum EKD-Ratsvorsitzenden. Dieser repräsentiert die knapp 25 Millionen Protestanten in Deutschland.

Schneider erhielt 135 von 144 Stimmen. Er tritt die Nachfolge von Hannovers Ex-Bischöfin Margot Käßmann (52) an, die nach einer Alkoholfahrt im Februar zurückgetreten war. Seitdem stand Schneider bereits kommissarisch an der EKD-Spitze. Zum Vize-Vorsitzenden wurde der sächsische Landesbischof Jochen Bohl nominiert.

Schneider ist bekannt für sein soziales und politisches Engagement. Deutliche Kritik kam von ihm zuletzt am Atomkurs der Bundesregierung und am Afghanistan-Einsatz. Um künftig wieder mehr Menschen für die Kirche zu gewinnen, müsse diese verständlicher von Gott sprechen, hatte Schneider angekündigt.

Die Gewerkschafterin Edeltraud Glänzer aus Hannover und die Mainzer Theologieprofessorin Christiane Tietz wurden am Dienstag in Hannover in die Kirchenregierung gewählt. Ein Platz hatte bei der Sitzung des EKD-Parlaments vor einem Jahr nicht besetzt werden können. Ein zweiter ist durch den Rücktritt von Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende nach einer Alkoholfahrt im Februar frei geworden. Der amtierende Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider soll am Vormittag als Nachfolger von Käßmann an die Kirchenspitze gewählt werden.

Präses Schneider verkörpert die evangelische Kirche

Er kann führen, klare Worte sprechen, aber auch zuhören: Mit Präses Nikolaus Schneider erhalten die 25 Millionen Protestanten in Deutschland einen Steuermann, der die evangelische Kirche gut verkörpert. Mit seinem sozialpolitischen Engagement steht der 63-jährige Rheinländer für eine Kirche der unbequemen Worte, die der Politik im Namen Benachteiligter und Schwacher immer wieder auf die Füße tritt.

Alles Handeln und Mahnen von Schneider aber ist religiös verwurzelt. Und er hat den Kontakt zu den einfachen Menschen nicht verloren, in deren Mitte er aufgewachsen ist. Für die setzt er sich ein und zu denen muss die Kirche nach Schneiders Willen einen neuen Draht finden, wenn sie überleben will.

Zwar stand Schneider als Stellvertreter vor einem Jahr noch im Schatten der frisch gekürten Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann. Seit 2003 aber bereits hat er als Präses der mit rund drei Millionen Gläubigen zweitgrößten Landeskirche im Rheinland Führungsgeschick bewiesen. Dort war er zuvor außerdem als Vizepräses zuständig für 2000 Theologen. Nun tritt Schneider als Ratsvorsitzender an Käßmanns Stelle an der Spitze der EKD, der Dachorganisation der 22 Landeskirchen.

Geboren wurde Schneider 1947 in Duisburg, sein Vater war Stahlkocher. Seine erste Stelle trat er 1976 als Gemeindepfarrer in Duisburg-Rheinhausen an, machte sich dort stark für Bergleute und Stahlarbeiter, die vom Strukturwandel betroffen waren. Als Superintendent wechselte Schneider 1987 in den Kirchenkreis Moers, wobei der Fußballbegeisterte stets das Gespräch mit allen Gesellschaftsschichten suchte. 1997 wechselte er ins Landeskirchenamt nach Düsseldorf.

Auch wenn Schneider weniger als Käßmann das Rampenlicht sucht, genau wie sie weiß er zu den Menschen zu sprechen, wenn es darauf ankommt. Nach der Katastrophe auf der Loveparade in seiner Heimatstadt Duisbirg nahm Schneider Anteil, besuchte die Trauerfeier. Er ist authentisch wie Käßmann, denn auch er hat Schicksalsschläge verkraftet. Der Familienvater verlor 2005 eine seiner drei Töchter nach einer Leukämieerkrankung.

dpa/afp