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Deutschland / Welt Wo es noch Mieterparadiese gibt
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22:14 30.09.2013
Von Lars Ruzic
Nirgendwo geben die Menschen so wenig fürs Wohnen aus wie in Osterode. Quelle: HAZ
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Osterode

Fachwerkhäuser, Startpunkt des Harzer Hexenstiegs, die Autobahn 7 gleich um die Ecke: Osterode ist ein schönes Städtchen, günstig gelegen noch dazu. Und günstig wohnen lässt es sich hier obendrein. In keinem Landkreis Deutschlands müssen die Menschen weniger von ihrem verfügbaren Einkommen für die eigenen vier Wände aufbringen – genau 9,5 Prozent im Mittel. Das hat der Online-Makler Immobilienscout auf der Basis von Mietpreisen und Kaufkraftdaten errechnet.

Übrigens sind die Vorharzer von günstigen Nachbarn umgeben. Auch die Landkreise Northeim und Goslar zählen mit einem Verhältnis von 10,4 und 10,5 Prozent zu den zehn erschwinglichsten in Deutschland. Ganz anders sieht das im Süden der Republik aus. Die Menschen in Freiburg opfern mehr als 28 Prozent ihrer Kaufkraft für Wohnung oder Haus – übrigens „kalt“, also ohne Betriebs- und Nebenkosten. Auf den Plätzen folgen München, Heidelberg, Frankfurt und Garmisch-Partenkirchen mit Werten zwischen 25,5 und 22,4 Prozent. Spitzenreiter in Niedersachsen ist Oldenburg mit einem Wohnkostenanteil von 17,2 Prozent – deutlich mehr als in Hannover, wo im Schnitt 16 Prozent fällig werden.

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Die Auflistung zeigt, dass nicht allein die Höhe der Miete eine teure Stadt ausmacht. Erst in Bezug zum durchschnittlich verfügbaren Einkommen wird die Rechnung vollständig. So zeigt sich etwa erst aus dieser Perspektive, wie wenig erschwinglich Universitätsstädte sind. Die Mieter haben wenig Geld, müssen aber vergleichsweise viel davon für ihre Wohnung opfern – wie etwa in Heidelberg oder Oldenburg. Hier hat die Studie zudem einen rasanten Anstieg der Belastung festgestellt. In Oldenburg etwa lag der Anteil 2007 noch 3,1 Punkte niedriger als 2012.

Diese Rechnung funktioniert auch umgekehrt. Der zunehmende Leerstand im Westharz ist bekannt. Er sorgt für wachsendes Angebot bei geringerer Nachfrage. Gleichzeitig aber ist es um die Kaufkraft in Osterode, Northeim und Goslar so schlecht nicht bestellt, haben doch alle drei Kreise mit Piller, ContiTech und H.C. Starck große industrielle Arbeitgeber. Da deren Löhne in den vergangenen Jahren gestiegen sind, tragen sie einen Teil dazu bei, dass der Wohnkostenanteil in den drei Regionen gegen den Trend gesunken ist.