Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Oxfam: Männer sind doppelt so reich wie Frauen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Oxfam: Männer sind doppelt so reich wie Frauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:36 21.01.2019
Jeden Cent umdrehen: Das müssen weltweit eher die Frauen. Quelle: imago/Westend61
Anzeige
Berlin

Die soziale Ungleichheit in der Welt hat sich erneut verschärft, meldet die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem neuen Jahresbericht. Das Vermögen der Milliardäre ist demnach im vorigen Jahr weltweit um 12 Prozent gestiegen, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung Einbußen von 11 Prozent erlitten hat.

Die besonders Leidtragenden sind dabei die Frauen: Weltweit besitzen sie nur die Hälfte des Vermögens, über das Männer verfügen. Auch in Deutschland herrscht eine Geschlechterkluft. Oxfam, aber auch SPD und Grünen fordern deshalb neue Gesetze.

Nur eine Frau in der Vermögens-Top-10

Die Entwicklungsorganisation bezieht sich bei der Vermögensverteilung auf Daten der Schweizer Bank Credit Suisse und des Wirtschaftsmagazins Forbes. „Die wachsende soziale Ungleichheit ist die zentrale Herausforderung unserer Zeit“, sagt Jörn Kalinski, Leiter der Politikabteilung von Oxfam Deutschland.

Männer haben weltweit im Schnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Kein Wunder also, dass auch die Superreichen Männer sind. „Unter den zehn reichsten Milliardären ist nur eine Frau“, sagt Ellen Ehmke, Oxfam-Expertin für Ungleichheit. Frauen bezögen im Schnitt um 23 Prozent niedrigere Gehälter, seien seltener in politischen und wirtschaftlichen Spitzenpositionen vertreten.

EU-weit liegt Deutschland hinten

„Extreme Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge politischer Entscheidungen“, kritisiert Oxfam-Analyst Kalinski. Vielerorts benachteiligten Gesetze Frauen, über Ressourcen wie Land, Kredite oder Erbschaften zu verfügen. Auch im Arbeits- und Steuerrecht sei es nicht gut um die Frauen bestellt.

Innerhalb Europas sieht es bei der Geschlechtergerechtigkeit besonders schlecht in Deutschland aus: Betrachtet man das Einkommen, verdienen Frauen hierzulande im Schnitt 21, 5 Prozent weniger als Männer. Nur in Estland und Tschechien ist die Einkommensverteilung zwischen Mann und Frau noch unterschiedlicher.

Grüne: Es braucht neue Gesetze

Im Kampf gegen die soziale Ungleichheit müsse auch in Deutschland noch viel getan werden, sagte deshalb die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Trotz großer Fortschritte bei der Gleichstellung sind Frauen auch hierzulande immer noch wirtschaftlich und politisch benachteiligt, schlechter sozial abgesichert, mit weniger Chancen und größeren Widerständen konfrontiert“, erklärte sie mit Blick auf den Oxfam-Bericht.

Der Gesetzgeber müsse deshalb die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen stärken: „Wir brauchen ein wirksames Entgeltgleichheitsgesetz, mehr Frauen in Führungspositionen, flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so die Grüne.

SPD: Es braucht mehr Frauen in der Politik

Für die SPD muss für die Erfolgschancen solcher Vorstöße vor allem der Frauenanteil in der Politik erhöht werden: „Veränderungen im Wahlrecht gab es immer nur, wenn mutige Frauen sich für ihre Rechte eingesetzt haben und mutige Männer, mit ihnen gekämpft haben“, sagte SPD-Fraktionvize Katja Mast sagte dem RND. Die Sozialdemokraten wollen deshalb nun ein entsprechendes Paritätsgesetz auf den Weg bringen – in einem „Bündnis der Frauen über die Fraktionsgrenzen“, so Mast. Ersten überfraktionellen Austausch darüber habe es in der vorigen Woche bereits gegeben. Auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will das Wahlrecht ändern, damit Frauen mehr Chancen auf Kandidaturen haben.

Oxfam fordert dafür auch neue Denkansätze. Weil die Hauptursachen für die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen zwischen den Geschlechtern Hausarbeit, Kindererziehung und die Pflege Angehöriger seien, um die sich – auch in Deutschland – immer noch vor allem Frauen kümmern, brauche es ein Umdenken, sagt Oxfam-Mitarbeiter Kalinski: „Es wäre doch denkbar, dass auch diese Arbeit entlohnt wird.“

Negativ-Rekord bei der Armut

Geschlechterunabhängig konnten deutsche Milliardäre ihren Reichtum im vergangenen Jahr um 20 Prozent steigern. Die Zahl der in Einkommensarmut lebenden Menschen verzeichnete bei den zuletzt veröffentlichten Zahlen vor zwei Jahren einen Negativrekord: 15,8 Prozent der Bevölkerung und jedes fünfte Kind galten demnach als arm.

Für Oxfam eine gefährliche Entwicklung: „Denn wer arm ist, wird in der Politik weniger gehört“, sagt Ellen Ehmke. Es finde eine Entfremdung mit bestehenden Systemen statt, wie man am Erstarken von Rechtspopulismus in Deutschland, Europa und der Welt erkenne.

Zahl der Milliardäre weltweit fast verdoppelt

In den zehn Jahren seit der Finanzkrise hat sich laut Studie die Zahl der Milliardäre weltweit nahezu verdoppelt. Allein 2018 ist ihr Vermögen um 900 Milliarden US-Dollar gewachsen – das sind 2,5 Milliarden Dollar pro Tag. Gleichzeitig liege die Zahl derer, die mit weniger als 5, 50 Dollar am Tag auskommen müssen, bei rund 3,4 Milliarden Menschen. Das sind 46 Prozent der Weltbevölkerung.

Die Entwicklungsorganisation fordert von der Bundesregierung und der Europäischen Union deshalb auch, Konzerne und Spitzenverdiener angemessen zu besteuern, etwa mit europa- und weltweiten Mindeststeuersätzen. Gegen Steueroasen soll die Politik mit Sanktionen und schwarzen Listen vorgehen. Doch der Trend gehe in die andere Richtung: In den Industrieländern seien zwischen 1970 und 2013 die Spitzensteuersätze auf Einkommen von durchschnittlich 62 Prozent auf 38 Prozent gefallen.

Das Weltwirtschaftsforum tagt in Davos

Oxfams Report zur sozialen Ungleichheit erscheint jedes Jahr pünktlich zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos und will dort die Debatte beeinflussen. Zu am Dienstag beginnenden viertägigen Tagung werden mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwartet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der neue brasilianischen Staatschef Jair Bolsonaro und Chinas Vizepräsident Wang Qishan.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Besuch wegen des Haushaltsstreits mit den Demokraten abgesagt, die britische Premierministerin Theresa May „wegen anderweitigen Verpflichtungen“. Das Motto des Treffens lautet „Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution.“ Themen wie Digitalisierung und Klimawandel stehen auf der Agenda. WEF-Gründer Klaus Schwab sagte, es gebe vielerorts ein Vertrauensdefizit. „Wir müssen uns um die Verlierer kümmern, um diejenigen, die zurückgelassen wurden“, sagte er und forderte einen neuen, integrativeren Ansatz für eine Globalisierung, die auf moralischen Prinzipien basiere.

Von Saskia Bücker/RND

Drohen Streiks im öffentlichen Dienst, zum Beispiel in den Unikliniken? Kurz vor der ersten Verhandlungsrunde für die Beschäftigten baut Verdi-Chef Frank Bsirske Druck auf. Eine kräftige Lohnerhöhung sei wichtig – aus mehreren Gründen.

21.01.2019

Ein Niedersachse setzt dazu an, neuer Vorsitzender der Jungen Union zu werden. Im Interview spricht Tilman Kuban über seine Visionen für die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, einen neuen Führungsstil und die Zusammenarbeit mit der neuen Parteichefin Kramp-Karrenbauer.

21.01.2019

Schlechte Umfragewerte kratzen am Image der einstigen SPD-Hoffnungsträgerin Manuela Schwesig. CDU-Politiker Philipp Amthor wirft ihr vor, „aufgesetzt und unnahbar“ zu sein. Der Schatten ihres Vorgängers sei zu groß.

20.01.2019